Über 30 Zuhörer begaben sich am Freitagabend mit Peter Ibe ins "Reich des Elbebibers". Unter diesem Titel stand der Dia-Vortrag, zu dem der Verein Ländliches Leben Steutz/Steckby in die Schauschmiede eingeladen hatte. Jung und Alt lauschten jedoch nicht nur den interessanten Ausführungen. Begeistert fuhren sie einem echten Biber übers Fell.

Steutz. Hätte Peter Ibe vorab verraten, dass er zu seinem Vortrag einen echten Biber mitbringt, hätte das wohl die Kapazitäten gesprengt. Bereits so mussten noch zusätzliche Bänke aufgestellt werden, um allen Interessenten im ausgebauten Obergeschoss der Schauschmiede einen Platz zu bieten. Den veranstaltenden Verein Ländliches Leben Steutz/Steckby freute die Resonanz. "Es ist schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind", begrüßte Monika Sauer die Gäste. Dann übergab sie das Wort an Deutschlands dienstältesten Naturschutzwart.

Seit 1973 ist Peter Ibe als solcher tätig. Die Aufgabe zog ihn damals nach Steckby. Genauer gesagt, war es die Großtrappe, durch die er in dem idyllischen Elbdorf seine neue Heimat fand. Bis 1979 half er mit bei der Aufzucht dieser vom Aussterben bedrohten Vögel. "196 Tiere haben wir ausgewildert", schaute er zurück. Verbessert hat sich die Situation der Tiere dennoch nicht. Im Gegenteil. Derzeit gibt es in der Bundesrepublik nur noch knapp über 100 Großtrappen, wie Peter Ibe bei seiner visuellen Reise in das Reich des Bibers ausführte.

Diese startete in Steckby, wo Max Behr (1857-1934) den Grundstein für die dort bis dato ansässige Vogelschutzwarte legte. Daneben engagierte sich der Amtmann für den Elbebiber. Ihm ist zu verdanken, dass 1929 zwischen Tochheim und Aken ein Gebiet zum Schutz des gefährdeten Nagers und der Vogelwelt ausgewiesen wurde. Heute liegt es inmitten des Biosphärenreservates Mittelelbe, das 1979 als solches von der Unesco anerkannt wurde.

"Unser Wappentier ist der Biber", erklärte Peter Ibe, der in der Reservatsverwaltung arbeitet und ausgewiesener Biber-experte ist. Immer wieder kam er in seinem mit vielen interessanten Fakten angereicherten Vortrag auf den vierbeinigen Pflanzenfresser zu sprechen, der bis zu 20 Minuten tauchen kann und mit 23000 Haaren auf dem Quadratzentimeter ein wahrlich dichtes Fell besitzt.

Auf seinen Lebensraum ging Peter Ibe ebenfalls ein. Dabei warf er anhand wunderschöner Aufnahmen unter anderem einen Blick auf Altwasser, Orchideenwiesen und Solitäreichen. Zugleich nahm er seine aufmerksamen Zuhörer mit zu den tierischen Nachbarn des Bibers. Da trafen sie auf die Ringelnatter, den Waldkauz oder den Fischotter. Sie begegneten auch dem Feldhamster, der in der Magdeburger Börde verhungert, weil die Äcker zu schnell und zu sauber abgeerntet werden. Der putzige Geselle war allerdings nicht die einzige Tierart, mit der Peter Ibe verdeutlichte, wie negativ sich gewisse menschliche Eingriffe auf die Natur auswirken. "Man muss bestimmte Zusammenhänge kennen, um gegenzusteuern", verdeutlichte er. So verbannt man mit der Distel beispielsweise auch den Stieglitz aus dem heimischen Garten. Deshalb animierte Peter Ibe, in einer Ecke vielleicht mal das Unkraut stehen zu lassen.

Rasch war die eine Stunde um, in der er eindrucksvoll für die Artenvielfalt warb. Das Ende der Veranstaltung bedeutete das aber nicht. Denn der Naturschützer hatte noch eine Überraschung parat. Ungläubig sahen ihn Jung und Alt an, als Peter Ibe meinte, dass er jetzt einen Biber reinholt. Kurz darauf beobachteten sie fasziniert, wie Moppel den Raum erkundete. "Am 15. Mai wird er ein Jahr alt", verriet Peter Ibe. Er erzählte, wie er Moppel und seine Geschwister mit der Flasche aufzog, nachdem man die drei verwaisten Nager gefunden hatte. Unterdessen nutzten die Anwesenden die einzigartige Gelegenheit, einmal einen Biber zu streicheln.

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