14 angehende Brandschutzprüfer aus Sachsen-Anhalt unternahmen gestern einen Abstecher nach Zerbst. Am Beispiel der Zerbster Unternehmen allfein Feinkost GmbH & Co. und Zerbster Spezialitäten Fleischwaren GmbH wurde ihnen ein Eindruck von gutem partnerschaftlichen Miteinander von Behörden, Ingenieurwesen und Unternehmertum vermittelt.

Zerbst. "Im Brandschutz gibt es keine Kompromisse. Man sollte jedoch auch als Brandschutzprüfer beachten, inwieweit es der Kommune oder dem Unternehmen in welchem Zeitraum möglich ist, die brandschutztechnischen Notwendigkeiten zu erfüllen. Danach sollte man Prioritäten setzen." Detlef Lorbeer ist Brandschutzprüfer. Als Mitarbeiter der Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld ist er seit vielen Jahren für den Brandschutz im Einsatz, insbesondere in der Region Zerbst. Aktuell nimmt er jährlich rund 40 Brandschutzüberprüfungen vor – in Unternehmen mit entsprechendem Gefährdungspotenzial, aber auch in allen öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise Schulen oder Krankenhäusern. Parallel tragen auch Baugenehmigungen an mancher Stelle seine Handschrift. Gestern erfuhren 14 angehende Brandschutzprüfer aus Stendal, Magdeburg, Dessau, Halle und dem Bördekreis durch ihn, den Zerbster Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut und Besuche in zwei Zerbster Unternehmen, wie man Brandschutz durchsetzt, ohne Kommunen und Unternehmen gegen sich zu verschwören.

1993, erinnert sich Lorbeer, war er "stur geblieben. Die heutige Firma allfein sollte die Baugenehmigung erhalten, die Investition hatte eine hohe Bedeutung, man wollte keine zusätzlichen Belastungen. Und ich habe darauf bestanden, dass zwischen dem Kühlhaus und den anderen Gebäudebereichen eine Brandmauer errichtet wird." Für ein Kühlhaus? Was soll dort bitte brennen? Lorbeer blieb stur, die weit über die Halle hinausragende Brandmauer wurde errichtet. 1997, an einem Freitag im April, brannte das 13 Meter hohe Kühlhaus in Gänze ab. Die Brandmauer aber hielt. Dahinter war der Kältemaschinenraum, anschließend die Verwaltungs-, Sozial- und Produktionsräume. Dort blieb alles heil.

Lorbeer erzählte die Geschichte gestern gemeinsam mit Frank Opitz. Er betreut das Unternehmen allfein seit 2003 ingenieurtechnisch bei Umwelt-, Arbeits-, Gewässer- und eben auch Brandschutzbelangen. "Es ist sehr wichtig, gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen. Dazu bedarf es eines gegenseitigen Vertrauens. Wenn sich ein Unternehmen durch Brandschutzauflagen schikaniert fühlt, hilft das nicht weiter."

Erneutes Beispiel: Allfein. Hier ist eine Sprinkleranlage eingebaut. Drei Kreisläufe gibt es. Sie führen Wasser an jeden Sprinkler, wenn Drücke zwischen 2500 und 3900 bar anliegen. "Aber kein Mensch hat seinerzeit geprüft, ob die nötige Pumpleistung auch vorhanden ist", so Opitz. Eine Komplexübung bei laufender Produktion – ein großes Zugeständnis des Unternehmens – im Jahr 2009 brachte Klarheit: Wenn alle drei Kreise unter Druck gebracht werden müssen, weil es in allen drei Bereichen brennt, wird es ganz eng.

Dazu der Zerbster Stadtwehrleiter: "Das muss man wissen. Wir alle haben von der Übung profitiert. Wir wissen nun, wo welche Fahrzeuge aufgestellt werden können, was überhaupt benötigt wird. Das beste daran aber ist, dass die Feuerwehr durch solche Aktivitäten nun bereits im Vorfeld unternehmerischer Entscheidungen einbezogen wird. Allfein erweitert gerade wieder. Bevor es losging, hat man uns gefragt, wie wir mit unserer Technik zu den Planungen stehen. Besser geht‘s nicht", findet Dornblut.

Die Brandschutzprüfer-Klasse besuchte gestern sowohl die Firmen allfein als auch die Zerbster Spezialitäten Fleischwaren GmbH.

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