Wasser dominiert das Leben. Tödlich, wenn es fehlt. Ganz fatal, wenn es zu viel gibt. In einer lockeren Serie nähert sich die Zerbster Volksstimme dem Thema Wasser. Im Fokus stehen die aktuellen Erscheinungen, die Wechselwirkungen des Wassers mit Natur wie Zivilisation. Heute: Die grundverschiedenen Wassersituationen oberhalb und unterhalb von Zerbst.

Deetz/Zerbst. "Der Raps fällt wahrscheinlich zur Hälfte aus. Beim Weizen ist mit erheblichen Mindererträgen zu rechnen. Bei der Gerste könnte es gerade noch so klappen." Heinz Vierenklee, Geschäftsführer des Bauernverbandes Anhalt, spricht so trocken von den momentanen Wachstumsprognosen der hiesigen Landwirtschaft, wie die Äcker lange Zeit waren. Im Gegensatz zu noch immer feuchten Senken unterhalb von Zerbst, wo nach wie vor ein deutlich höherer Grundwasserstand als üblich zu verzeichnen ist, fehlt entlang der Nuthe-Oberläufe längst Feuchtigkeit.

Kees de Vries, der in und um Deetz neben der Milchviehhaltung auch rund 1500 Hektar Acker und Grünflächen bewirtschaftet, hatte ein gutes Näschen und begann erst am Dienstag mit der ersten Mahd. "Wir hatten am Sonnabend sechs Millimeter Niederschlag. Die Grünflächen haben einen Ruck gemacht, das war toll." Nun wachsen die Silage-Berge neben den Kuhställen. Den sechs Millimetern in Deetz folgten weitere in dieser Woche. Die Situation der Landwirtschaft im Zerbster Bereich bleibt weiter brenzlig, aber "es wächst wieder".

Das tägliche Geschäft weicht gerade bei de Vries häufig dem politischen. Aktuell hat der von ihm geleitete Landwirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistages eine Resolution auf dem Tisch. Vor Jahren schon war sie durch de Vries‘ Feder entstanden: Der Kreistag Anhalt-Bitterfeld soll ihm im Protest gegen die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Gebiet der Nuthe folgen. Bislang gab es stets formelle Gründe, die Resolution nicht zu verabschieden.

Vor drei Jahren wurde ein Gutachten zur Renaturierung der Nuthe-Arme bekannt. Prof. Volker Lüderitz, anerkannte Kapazität auf dem Gebiet, hatte beschrieben, weshalb, wie und mit welchen Kosten dies geschehen könnte. Da war vom Ausbau noch vorhandener Wasserbauwerke die Rede, vom Anlegen von Fischtreppen. Und davon, Vernässungen zuzulassen, also Land preiszugeben. Das Modellprojekt ist offiziell nie in Gang gekommen, doch manches hat sich von allein eingestellt. "Wir registrieren, wie Unterhaltungsmaßnahmen an den Gewässern 1. Ordnung zurückgefahren werden. Die Flächen vernässen, es gibt Folgeschäden. Das Land lässt dies zu, aber von Entschädigungen, wie sie Lüderitz beschrieben hat, haben wir noch nichts gehört", meinte der Zerbster Dezernent Andreas Fischer zu dieser Problematik.