Schwindelig wird einem schnell, erst Recht bei warmen Wetter und Anstrengung. Das zeigte sich erst wieder beim Francisceumslauf deutlich. Nach der Zielüberquerung hatten einige Teilnehmer Kreislaufprobleme vor Erschöpfung. Gut, dass es im Francisceum den Schulsanitätsdienst seit diesem Schuljahr gibt.

Zerbst. 45 Minuten dauert die große Pause im Francisceum. Kurz nach dem Pausenklingeln finden sich jede Montag acht Mädchen in Raum 14 ein. Was dann folgt, würde die meisten an ihren erste Hilfe Kurs für die Fahrschule erinnern. Doch von einem Führerschein sind die Mädels aus der fünften bis siebenten Klasse noch weit entfernt. Sie sind Mitglieder der AG Schulsanitätsdienst, die im September 2010 ins Leben gerufen wurde. "Die Idee stammt von einer Schülerin, Belinda Schütze, einer unserer derzeitigen Abiturientinnen", sagt Liane Liensdorf nicht ohne Stolz. Die AG-leitende Lehrerin findet es gut, dass Schüler Initiative zeigen.

Theorie und Praxis werden gekreuzt

Seitdem trifft sich die AG Schulsanitätsdienst in zwei Gruppen einmal die Woche. "In der einen Gruppe habe ich meine \'Kleinen‘ aus der fünften bis siebenten Klasse und in der zweiten Gruppe die \'Größeren‘ aus den Klassen 9 bis 11", sagt die Lehrerin über ihre beiden etwa acht Mann starken Gruppen. Etwa 30 Minuten ihrer Pause widmen sich dann die Schüler unterschiedlichsten Aspekten der ersten Hilfe: Stabile Seitenlage, Mund-zu- Mund-, Mund-zu-Nase-Beatmung, Verbände, Pflastertechniken, Anwendung eines Dreiecktuches, Abtransport aus Gefahrensituationen. Und damit sich die vielen verschiedenen oft kleinen aber wichtigen Details einprägen, werden sie immer wieder wiederholt. Theorie wird mit Praxis gekreuzt. "Besprechen wir die Reaktion beim Fund eines sich vermutlich im Rausch befindlichen Menschen, ist eine richtige Antwort die stabile Seitenlage. Die können sie dann gleich nochmal praktisch demonstrieren", erklärt Liane Liensdorf. Für die Übung von Verbänden bedarf es immer Materialien. Das ist in der AG aber kein Problem, bringen doch viele Schüler ihre abgelaufenen Sani-Kästen aus ihren Autos mit. "Es freut mich, dass das so klappt", so die Lehrerin.

Aber nicht nur gepaukt wird in der AG, sondern auch angewendet. So sind die Schulsanitäter verantwortlich für die in der Schule befindlichen Sani-Kästen und die Meldung von Gefahren- oder Verletzungsstellen bei den Hausmeistern. Außerdem haben sie Einsätze bei schulischen Veranstaltungen: Mitternachtsturnier, Tag der offenen Tür und der Francisceumslauf stehen bisher auf ihrer Liste. "Vor allem nach dem Lauf hatten wir zu tun. Viele der Teilnehmer hatten Kreislaufprobleme. Wir versorgten sie dann mit Wasser, setzten sie in den Schatten und legten ihre Beine hoch", erzählt die Lehrerin.

Von der AG zum Ganztagsschulangebot

Noch ist der Schulsanitätsdienst eine AG. "Aber wenn wir mit dem Ganztagsschulkonzept beginnen, würde ich es gern als Ganztagsangebot anbieten wollen. Wir haben bisher regen Zulauf, wahrscheinlich auch, weil die AG in der Pause liegt und nicht nach dem Unterricht. Durch das Ganztagsangebot könnte das beibehalten werden. Ich hoffe, dass aus den neuen fünften Klassen, sich wieder einige begeistern können", sagt Liane Liensdorf. Für Begeisterung und Eindruck bei den Nachkömmlingen sorgte die Schulsanitätsgruppe bereits selbst: Beim Tag der offenen Tür führten sie das eigens geschriebene Stück "Jeder kann helfen" auf und bekamen danach mächtig Zuspruch, vor allem von den Kleinen.

Walli Böhme: Ich bin dabei, weil ich es toll finde, anderen helfen zu können. Und dazu habe ich schon die stabile Seitenlage hier lernen können und verschiedene Verbände anzulegen.

Jenny Walther: Ich habe bereits Erfahrungen mit erster Hilfe im Schwimmverein gemacht. Da war mein Interesse geweckt. Jetzt mache ich es hier an der Schule weiter. Auch für meine Zukunft könnte ich mir einen Beruf in der Medizin vorstellen.

Marietheres Götze: Auch ich kenne erste Hilfe schon vom Schwimm- verein und weiß, dass sie wichtig ist. Aber eine Arbeit im Medizinbereich kann ich mir nicht vorstellen.

Luisa Scheithauer: Ich finde es gut, über erste Hilfe Bescheid zu wissen. So weiß man selbst, was zu tun ist, und steht nicht hilflos da. Das spart oft für den Verletzten wichtige Zeit. Außerdem gibt es einem selbst mehr Sicherheit.

   

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