• 23. Mai 2012



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Pilotversuch in drei Orten: Orangene Tonne für Wertstoffe, die derzeit in den Hausmüll müssen


Neue Tonne für Abfall-Folie oder Spielzeug

22.02.2012 05:29 Uhr |


Von Thomas Drechsel


In drei Orten von Anhalt-Bitterfeld stehen orangefarbene Abfallbehälter. Im Vorgriff auf das neue, vor zwei Wochen verabschiedete Kreislaufwirtschaftsgesetz wird hier die Akzeptanz der künftigen fünften Tonne erforscht.

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Köthen/Zerbst l "Stellen sie den Leuten eine Tonne hin, und sie werden sie benutzen." Hartmut Eckelmann beugt dem Zerreden von Denk-Ansätzen durch Probier-Phasen vor. Als im vorigen Jahr bekannt wurde, dass eine neue, zusätzliche Wertstoffsammeltonne im neuen deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetz verankert werden soll, organisierte er einen Probelauf. Obgleich Eckelmann als Geschäftsführer der Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke agiert, der Versuch jedoch durch die Wolfener Recycling GmbH getragen wird, kennt er die Resultate. Denn die Kreiswerke leeren die Tonnen. "Wir haben in den drei Orten Friedersdorf, Mühlbeck und Pouch insgesamt 1181 orangene Tonnen an die Haushalte verteilt. Also sind 78 Prozent aller Haushalte völlig freiwillig und kostenlos am Probelauf beteiligt."

Seither wird noch mehr sortiert. In die orangenen Tonnen fliegen Folien, die keine Verpackung sind. Alte Gießkannen, weil sie aus Plastik sind. Oder Elektrorasierer, Mikrowellen, Küchenmixer. Und altes Spielzeug. "Manches ist recht sperrig, deshalb haben wir 240 Liter-Tonnen ausgegeben." Nach einer ersten Behälterleerung Mitte Oktober ergab sich folgendes Bild: Zwei Fünftel Elektroschrott, ein knappes Drittel Kunststoffe, der Rest zur Hälfte Metalle und Restabfälle.

Die Leerungen im November wie auch Dezember bestätigten die "guten Erfahrungen" aus dem Oktober. Im Januar und Februar gingen dann die Anteile von Elektrogeräten zurück. Alle der bisher fünf Sammlungen ergaben eine Gesamtmenge von 32,78 Tonnen. "Diese Menge ist somit vor dem Müllofen bewahrt worden, denn all diese Inhaltsstoffe sind nach derzeitigem Handling in die Restmülltonnen zu füllen beziehungsweise als Elektrokleingeräte zu den Sammelstellen zu bringen. In der Praxis findet sich jedoch kaum jemand, der seinen alten Elektrorasierer zu einer Sammelstelle bringt. "Das Ding fliegt eher in die Mülltonne", so Eckelmann.

3748 Einwohner nehmen an dem Versuch teil. Anfangs standen durchschnittlich 600 der 1181 Tonnen gut befüllt zur Leerung bereit, bei den letzten Touren reduzierte sich die Zahl bereitgestellter Tonnen auf 323 beziehungsweise rund 170 (im Februar 2012). Eckelmann wird darauf mit einer Anpassung der Abfuhrtermine reagieren: Touren werden zusammengelegt, vielleicht auch nicht mehr in vierwöchigem Rhythmus stattfinden.

Echte Zahlen, so Eckelmann vor dem Landwirtschafts- und Umweltausschuss, werde er erst nach Ablauf des Modellprojektjahres vorlegen können. Fest steht jedoch, dass mit jeder so vor der Verbrennung "geretteten" Hausmüll-Tonne 40 Euro Kosten gespart werden. Die Tonnen-Inhalte werden übrigens genau wie die in gelben Tonnen erfassten Verpackungs-Wertstoffe einer Sortieranlage zugeführt.

"Das ist dann die nächste Tonne. Ich bin davon nicht zu begeistern. Wir sortieren uns zu Tode", meint Kreistagsmitglied Dr. Andreas Petri. Eckelmann hielt dagegen: "Ich verstehe die Skepsis angesichts eines weiteren Behälters für separate Materialien. Und das ist womöglich auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Auf alle Fälle sind wir in Anhalt-Bitterfeld vorbereitet und haben erste Erfahrungen, sollte diese Tonne kommen."

Bernd Wesenberg (Grüne) fragte nach den "echten Vorteilen der zusätzlichen Mülltrennung. Wo liegt die Wirtschaftlichkeit dieser Tonne?" Eckelmann hierzu: "Es gibt einen weltweiten Handel mit Sekundärrohstoffen. Schon seit langem. Es geht darum, Ressourcen zu schonen und besser zu nutzen. Das System funktioniert dann, wenn Sortierung, Aufbereitung und erneute Nutzung von Abfällen preiswerter als Verbrennung ist."

Ob und wann die Tonne kreisweit eingeführt wird, ist offen. Allerdings sieht das neue Gesetz eine verbesserte Abfalltrennung spätestens ab 2015 vor.



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Copyright © Volksstimme 2012
Dokument erstellt am 2012-02-22 05:29:26
Letzte Änderung am 2012-02-22 05:29:26


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