Zum weiteren Fortgang auf der "Baustelle Markt" informierten sich dessen Anwohner im Gespräch mit Bauamtsmitarbeitern und der bauausführenden Firma. Die "Anwohnerrunde" im Athos ist seit einem Monat gute Gewohnheit, um das vormals beklagte Informationsdefizit zu beseitigen.

Zerbst. Voraussichtlich in vier bis sechs Wochen wird der obere Markt – der Bereich zwischen Roland und Einmündung Brüderstraße – für die allgemeine Nutzung freigegeben werden können. Wie Bernd Köhler im Verbund mit dem zuständigen Architekten Arno Götz weiter mitteilte, werden die Pflasterarbeiten im Randbereich des Marktes fortgesetzt, parallel sind zahlreiche Boden-Einbauten anzuschließen. Insbesondere die Roland-Beleuchtung soll ein gestalterischer Höhepunkt des neuen Marktplatzes sein, machte Götz neugierig. Parallel würden die Stadtmöbel und auch die sonstige Beleuchtung aufgebaut und angeschlossen.

Das hörten die Markt-Geschäftsleute gern – wenn auch die Termin-Vorausschau immer wieder unter das Damoklesschwert der Unwägbarkeit gestellt wurde. Am 21. Juni, so Köhler, soll der obere Markt dann endgültig "fertig und frei" sein. Optiker Rudolf Preuss fragte mehr schelmisch nach, ob es sich um das Jahr 2010 handele und bekam ein bitter-ernstes "Ja" zurück.

Die Runde hat ihren Takt gefunden. Architekt, Bauherr und Anwohner konsultieren sich, informieren sich, beziehen sich gegenseitig ein. Gleiches hat auch die Archäologie zwischenzeitlich begonnen. Der auf dem Markt zuständige Grabungs-leiter Gösta Ditmar-Traut hat manchem Geschäftsmann angeboten, im Markt gefundene Scherben, Gegenstände, Utensilien aus früheren Tagen in den Schaufenstern zu präsentieren. Das habe ihn schon überrascht und auch ein wenig erfreut, meinte Preuss hierzu. Immerhin seien die Archäologen nicht gerade Beschleuniger des Baugeschehens, unter dem sein Geschäft wie das der anderen auch leide.

Die Archäologen werden voraussichtlich Mitte Mai ihre Untersuchungen im Baugrund abgeschlossen haben. Zahlreiche Erkenntnisse konnten gewonnen und gesichert werden. Die historischen Straßen und Wegeverläufe beispielsweise, und auch die früheren Stand-Bereiche wurde in gut einem Meter Tiefe, von Findlingen markiert, gut sichtbar. Es gibt viele weitere Zeugnisse, die jedoch separat vorzustellen sind. In der Anwohnerberatung vorige Woche spielten sie keine so große Rolle. "Hauptsache, die finden nichts Großes", hieß es mehrfach in der Runde, denn dies könnte Zeitverzug bedeuten.

Sämtliche Leitungen und Kabel – Trinkwasser, Gas, wahrscheinlich auch TV-Kabel und auch Telekom – müssen noch bis an die Einmündung der Brüderstraße herangeführt werden. Dies geschieht unmittelbar im Anschluss an die Grabungen. Die Brüderstraßen-Mündung sei bereits für den "neuen Markt" vorbereitet: Die noch gar nicht so alte Insel auf der Fahrbahnmitte ist entfernt worden, die beiden Linden auf den Fußweg zum Generationenhaus hin versetzt. Manchen Zerbster, unter ihnen Klaus Friedrich, ärgert dies sehr. "Das halte ich für Verschwendung. Ich würde sogar sagen, das ist etwas für den Staatsanwalt, wie hier mit Steuergeldern umgegangen wird", erklärte er gegenüber der Volksstimme.

Den Markt nach seiner Fertigstellung zu beleben, halten die Geschäftsleute für sehr wichtig. Die Wochenmarkt-Händler beispielsweise "sollten nicht auf Dauer auf der Alten Brücke bleiben dürfen", meinte Rudolf Preuss unter breiter Zustimmung. "Was nützt uns ein nagelneuer und gut ausgestatteter Marktplatz mit Anschlüssen und Licht an jeder Ecke, wenn er leer bleibt?" Für Attraktionen könnten auch die Anwohner selbst sorgen, fand Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer. Die Rückkehr der Butterjungfer beispielsweise könnte durchaus maßgeblich von den Anwohnern als kleines Fest organisiert werden.