Rund 360 Hektar umfasst das potenzielle Windpark-Projekt, das die Berliner Firma Ökotec nun erstmals öffentlich vorgestellt hat. Die Fläche würde sich über die Gemarkungen Gödnitz und Güterglück erstrecken und böte Platz für maximal 23 Windräder. Bislang gehört das ins Auge gefasste Areal nicht zu den Eignungsgebieten für Windenergienutzung.

Flötz. Bei der Regionalen Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld wird der Teilplan für die Windenergienutzung derzeit neu erstellt. Mit dem erneuten Verfahren will man sich vor einem ungünstigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wappnen, das noch darüber zu entscheiden hat, ob das 2005er-Planungsverfahren tatsächlich fehlerhaft geführt wurde.

Dass der Teilplan neu erarbeitet wird, ließ die Windenergiebranche aufhorchen und aktiv werden. So führte auch die Ökotec Management GmbH unter Berücksichtigung maßgeblicher Ausschluss- und Abstandskriterien ein Suchraumverfahren durch, wie Caroline Libotte, Geschäftsführerin der Berliner Firma, im Ortschaftsrat Gödnitz ausführte. Auf der Ratssitzung vergangenen Donnerstag stellte sie ein mögliches Windparkgebiet öffentlich vor.

Bisher führte die Branche die Gespräche an der Öffentlichkeit vorbei still im Hintergrund, trat direkt an Grundstückseigentümer und Ortschaftsräte heran. "Wir wollen in den Ortschaften Akzeptanz haben und nicht mit Bürgerinitiativen konfrontiert werden", begründete Caroline Libotte das Vorgehen. "Wenn die Eigentümer nicht mitgehen, brauchen wir das Projekt nicht weiter zu betreiben", betonte sie, dass das Projekt mit den Betroffenen gemeinsam auf die Beine gestellt werden soll.

"Wir als Bürger sind ja die Betroffenen", hielt Ortschaftsratsmitglied Wilfried Schirmer das Vorgehen für richtig. Ihn interessierte aber, warum Gödnitz jetzt für die Wind- energienutzung geeignet ist. Die Windräder seien inzwischen höher und effizienter geworden, entgegnete Ökotec-Planer Dirk Kaufmann. Die Ertragsprognose werde momentan durch die Firma Enercon, ihrem Partner in Sachsen-Anhalt, erstellt, bemerkte Caroline Libotte.

Das 360 Hektar große Gebiet, das Ökotec als potenziell geeignet ermittelt hat, liegt langgestreckt zwischen Gödnitz und Walternienburg im Westen und Güterglück im Osten. Dass es sich im militärischen Tiefflugkorridor befindet, schränkt die Höhe der Windräder auf maximal 140 Meter ein. Zum Einsatz kämen in dem Fall Enercon-Windkraftanlagen vom Typ E 82 mit einer Nennleistung von 2,3 Megawatt, einem Rotordurchmesser von 82 Metern, einer Nabenhöhe von 98,40 Metern und einer Gesamthöhe von 139,40 Metern. Auf dem anvisierten Areal der Gemarkung Gödnitz würden maximal 14 Anlagen Platz finden. Auf der Güterglücker Gemarkung könnten weitere neun stehen, wie Caroline Libotte ausführte. Bei Schall-immissionen und Schattenwurf "kommen wir nirgendwo in die Nähe des Grenzwertes", erklärte sie, dass das Projekt genehmigungsfähig wäre.

Auf Bürgernachfrage erläuterte sie, dass die Nutzungsdauer des Windparks bei mindestens 20 Jahren mit der Möglichkeit auf zweimalige Verlängerung von jeweils fünf Jahren liegen würde. "Und was kommt danach?", wollte Wilfried Schirmer wissen. "Das kann ich nicht sagen", antwortete Caroline Libotte. Zugleich wies sie darauf hin, dass der Anlagenbetreiber eine Rückbaubürgschaft beim Landkreis hinterlegen muss.

Die Ökotec-Geschäftsführerin ging ebenfalls auf den Nutzen des Windparks für die Gemeinde ein. Sobald nach sechs, sieben Jahren die Wirtschaftlichkeit erreicht sei, würden die Gewerbesteuereinnahmen zu hundert Prozent an die Standortgemeinde fließen. Das wäre die Stadt Zerbst. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen würden erfolgen und Straßen wie Wege instandgesetzt werden. Als Beispiel nannte sie die marode Straße von Flötz nach Güterglück (siehe Beitrag rechts).

Für Ortsbürgermeister Volker Leps stellte der grundhafte Ausbau dieser Strecke ein wesentliches Argument für den Windpark dar. Das wiege nicht auf, dass die Landschaft dafür verschandelt werde, hielten ihm Bürger entgegen.

Für die Eigentümer der Flurstücke in dem Windparkgebiet verspricht das Projekt nicht unerhebliche Pachtzahlungen, berechnet nach einem Flächenmodell. Dabei bekommt derjenige, auf dessen Fläche das Windrad steht, noch einen kleinen Bonus. Jährliche Einnahmen von gut 15 000 Euro bestätigte Caroline Libotte. Genaueres erfahren die Grundstücksbesitzer diesbezüglich sicherlich auf der Eigentümerversammlung, die an diesem Donnerstag in Gödnitz durchgeführt wird. Entsprechende Veranstaltungen in Güterglück und Walternienburg folgen.

Sollte das Areal Gödnitz/Güterglück wirklich als ein Eignungsgebiet für Windenergie ausgewiesen werden, würde frühestens 2014 mit der Umsetzung des Projektes begonnen werden, blickte Caroline Libotte in die Zukunft.

Wie der Vorsitzende der Regionalen Planungsgemeinschaft Klemens Koschig unlängst erklärte, haben Investoren und Projektentwickler keine rechtliche Grundlage neue Windeignungsgebiete zu benennen, da die Planungshoheit bei der Regionalen Planungsgemeinschaft liegt. Deren Mitgliederversammlung trifft sich heute Vormittag zur nächsten Sitzung. Dann wird es um die eingegangenen Stellungnahmen zum Teilplan "Windenergienutzung" und die Methodik zur Erarbeitung des 1. Entwurfs gehen.