Zerbst. Sie mischt sich ein und engagiert sich für Menschen mit Behinderungen – Susanna Krepinsky. Seit Juli 2007 ist die 57-Jährige die Behindertenbeauftragte des Landkreises und hat in dieser Position gut zu tun. Ihr Tag könnte manchmal mehr als 24 Stunden haben.

"Neben meiner Position als Behindertenbeauftrage bin ich auch einzige Behindertenberaterin mit Sitz im Gesundheitsamt in Bitterfeld", erklärt Krepinsky, die zwei Säulen ihrer Art.

Sie ist diejenige, die im Landkreis die Ziele des Behindergleichstellungsgesetzes umzusetzen versucht und es auch schafft. "Mit anderen Worten ist meine Position da, um Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen zu verhindern, ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen."

Jeden ersten Montag im Monat ist sie dazu auch in Zerbst vor Ort. Von 8 bis 12 Uhr ist sie im Landratsamt zu sprechen. "Ich vergebe die Termine meistens stündlich und selbst das reicht eigentlich nicht", ist ihre Erfahrung. Wer in die Sprechstunde kommt, möchte sich meist erst einmal orientieren, reden, seine Probleme schildern. Weit größer ist die Resonanz über das Telefon oder per E-Mail. "Viele stellen konkrete Fragen und da ist die Antwort meist schnell zu geben."

Doch Susanna Krepinsky gibt nicht nur Tipps zur Antragsstellung oder wägt die Vor- und Nachteile eines Behindertenausweises ab. Sie zeigt auch die konkreten Ansprechpartner für individuelle Probleme auf. Und ist Multiplikatorin. Behinderten oder deren Angehörige treten an sie heran und machen auf Missstände oder Probleme im Alltäglichen aufmerksam.

Fachtagung am Freitag

"Es gibt nicht für alles Hilfe. In diesem Fall bin ich auch Initiator und rege Änderungen an." Beispielsweise habe sie angeregt, auf Busfahrplänen mit einem Symbol zu kennzeichen, welche Busse für Rollstuhlfahrer nutzbar sind. Sie trug dieses Problem nicht nur im Lokalen vor, auch die Nasa (Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt) reagierte prompt und ergänzte ihre Fahrpläne entsprechend. Behindertengerechte Zugänge von Supermärkten, Behindertentoiletten an der Goitzsche – viele alltägliche Probleme trägt sie an die Entscheidungsträger heran. "Ich stoße damit auf keine Abwehr. Wenn es machbar ist, sind die Firmen oder Institutionen meisten bereit, die Änderungen zu machen."

Ist ein Behindertenausweis für mich sinnvoll? Wo finde ich barrierefreie Wohnungen? Welche Anträge auf Leistungen kann ich stellen? Was passiert mit meinem Kind, wenn ich es nicht mehr pflegen kann? Diese und viele andere Fragen bewegen auch die Zerbster, die in die Sprechstunde von Susanna Krepinsky im hiesigen Landratsamt kommen. "Ich gebe hier grundsätzlich keine Rechtsauskunft und bin auch keine rechtliche Vertreterin bei Antragsstellungen. Ich zeige den Menschen jedoch den Weg auf und kann ihnen sagen, wo sie Hilfe finden."

Willkommen ist jeden ersten Montag eines Monats jeder. "Aber vielen Zerbster ist das zu lang, die vier Wochen zu warten." Deshalb würden viele in ihrem Bitterfelder Büro anrufen oder den Weg zum Gesundheitsamt auf sich nehmen. "Man kann jederzeit bei mir anrufen. Das Telefon steht ohnehin selten still."

Das liegt auch daran, dass Susanna Krepinsky eng mit dem Behindertenbeirat des Landkreises zusammenarbeitet. "Das nimmt ebenfalls sehr viel Zeit in Anspruch." Derzeit organisiert besagter Beirat eine Fachtagung zur UN-Behindertenkonvention, die diesen Freitag im Wolfener Kulturhaus stattfindet. "Die beiden Themenschwerpunkte sind ,Selbstbestimmtes Wohnen‘ und ,Inklusive Bildung‘. Organisator ist der Behindertenbeirat in Zusammenarbeit mit dem Diakonieverein Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen. Unterstützt wird die Tagung zudem von "Aktion Mensch".

"Ab 9.30 Uhr beginnt die Fachtagung. Das Ende wird gegen 15 Uhr sein. Wer Lust hat, kann gerne vorbeischauen", lädt Susanna Krepinsky ein.

Für weitere Fragen rund um die Belange von behinderten Menschen ist Susanna Krepinsky im Gesundheitsamt in Bitterfeld unter Telefon (0 34 93) 34 18 24 erreichbar.