Durch den Gutachterausschuss für Grundstückswerte werden jährlich alle vorliegenden Immobilienkaufverträge aus der Region Anhalt ausgewertet, um daraus Informationen über den regionalen Grundstücksmarkt, auch im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, abzuleiten. Gestern wurde im Geokompetenz-Center des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt unter Leitung von Dezernatsleiter Arnulf Schnabel die einzelnen Ergebnisse von den Mitarbeitern Jochen Hausen und Volkmar Döring präsentiert.

Dessau. Generell hat sich nicht viel auf dem Grundstücksmarkt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld geändert. Die Lage ist weiterhin stabil. "Der Immobilienmarkt ist von der Finanzkrise weitgehend unberührt geblieben", stellte auch Jochen Hausen, zuständig für Kaufpreise und Flächenmanagement, in seinem Vortrag fest. Im Bereich Zerbst liegen die Grundstückspreise zwischen 30 und maximal 55 Euro pro Quadratmeter. "Natürlich ist es immer von der Lage abhängig, wieviel ich für mein Grundstück bekomme", erklärte Hausen.

Dagegen entwickelte sich der mittlere Kaufpreis für Ein- und Zweifamilienhäuser in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und der Stadt Dessau-Roßlau sehr unterschiedlich. Während in Dessau-Roßlau freistehende Häuser durchschnittlich 105 000 Euro kosten, sind solche im Landkreis Anhalt-Bitterfeld für bereits 75 000 Euro zu haben, was eine Verringerung um knapp fünf Prozent zum Vorjahr entspricht.

Hauspreise in Zerbst

In Zerbst betrug der durchschnittliche Preis im Berichtsjahr 2009 für ein Ein- oder Zweifamilienhaus 88 047 Euro. Für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte mussten 88 300 Euro aufgebracht werden. Die Preise für Doppelhaushälften und Reihenhäuser in den Landkreisen Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld stagnierten im Vergleich zum Vorjahr. "Vor allem alterschlossene Grundstücke und Häuser sind sehr beliebt, da sie meistens nah am Stadtzentrum liegen. Neuerschlossene Gebiete siedeln sich oft im Randbezirk an und verlieren dadurch schnell ihre Attraktivität", erklärte Arnulf Schnabel.

Weiterhin beständig ist die rege Nachfrage nach Acker- und Waldflächen. In den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und der Stadt Dessau-Roßlau kostet der Quadratmeter bereits durschnittlich 1,06 Euro. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren kostete in der Region Anhalt der Quadratmeter 0,48 Euro. "Besonders die Anbaugebiete für neue Energien, wie Biogasanlagen oder Windkraftwerke, spielen hier eine ganz entscheidende Rolle", erklärt Jochen Hausen den steilen Anstieg. Dabei betonte der Zuständige für Kaufpreise und Flächenmanagement noch einmal: "Wir können im Bereich Immobilienmarkt beruhigt zurückblicken. Die Finanzkrise hat sich hier nicht niedergeschlagen."

Für die Zukunft prognostiziert Hausen mittelfristig allerdings eine Stagnation im Grundstücksmarkt. "Das Überangebot an leerstehenden Häusern wird durch Abriss behoben und die Menschen werden sich mehr im unteren Preissegment ansiedeln."

Demografischer Wandel

Dementsprechend war auch der demografische Wandel in der Region ein großes Thema bei der gestrigen Informationsveranstaltung im Geokompetenz-Center in Dessau.

Mit einem Durchschnittsalter von über 46 Jahren liegt gerade der Landkreis Anhalt-Bitterfeld im bundesweiten Vergleich über dem generellen Altersdurchschnitt. "Die Wirtschaftskraft eines Landes oder Landkreises ist von der Arbeitskraft des Einzelnen abhängig", erklärte Schnabel. Im Jahr 2025 werden sich laut einer Prognose, die sich aus den Zahlen der Fort- und Zuzüge, Sterbe- und Geburtsraten zusammensetzt, im Landkreis Anhalt-Bitterfeld 21 Prozent weniger Menschen tummeln als heute. "Das bedeutet eine geringere Nachfrage, sinkende Preise und es herrscht das Problem des Leerstandes", prophezeit Hausen.

Damit verbunden ist, dass das Interesse am Bauen vornehmlich bei jungen Menschen liegt, die aber dort hinziehen, wo es Arbeit gibt. "Es ist nunmal Fakt, dass vornehmlich die älteren Menschen hier bleiben, aber kein Interesse daran verschwenden neu zu bauen oder ein Grundstück zu erwerben", sagte Hausen.

Zusammenfassend bleibt für die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und die Stadt Dessau-Roßlau festzuhalten, dass der Markt für Ackerland und Waldflächen besonders lebendig ist. Beim selbstgenutzten Wohneigentum wird in der Region von einem insgesamt konstanten und für potenzielle Erwerber im überregionalen Vergleich günstigen Preisniveau gesprochen. "Für Kapitalanleger hält die Region lukrative Angebote bereit", bilanzierte Dezernatsleiter Arnulf Schnabel.

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