Einmal mehr war der Flugplatz Zerbst sowie dessen Flächennutzungsplan samt öffentlicher Auslegung Thema in den Ortschaftsräten von Pulspforde und Straguth. Während die Pulspforder sämtliche Beschlüsse zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan der Firma Q-Cells und des Flächennutzungsplanes ohne große Diskussionen bejahten, stimmte der Straguther Rat dagegen.

Pulspforde/Straguth. Bevor die vier Beschlüsse zum Zerbster Flugplatz Gegenstand der Abstimmung in Pulspforde waren, fasste Ortsbürgermeister Edgar Petermann die aktuelle Lage zum Solarkraftwerk und zur geplanten Schweinemastanlage auf dem Flugplatzgelände zusammen.

"Ich war beim jüngsten Bauausschuss der Stadt dabei und mein Eindruck ist, dass die Mastanlage kommen wird", berichtete Petermann. Die Hoffnung, dass Q-Cells möglicherweise jene Flächen kaufen wolle, die für die Schweinemastanlage vorgesehen sind, erfüllt sich endgültig nicht. "Q-Cells zieht es nicht in Betracht." Zwar würden noch einige Unterlagen im Rahmen des Prüfverfahrens des Landesverwaltungsamtes fehlen. "Aber das ist nur eine Formalie", schätzte Petermann ein. Aus Fachkreisen hieße es, so der Ortschef, dass die Anlage so gut wie genehmigt sei.

Damit war den Ratsmitgliedern auch klar, dass Pulspforde aufgrund seiner Lage die Mast mit voller Stärke zu spüren kriegt. "Wie sieht es mit einer Klage aus?", fragte Christiane Schmidt nach. "Kannste vergessen", lautete die erste Reaktion von Petermann. Er glaubt, dass sich im Stadtrat keine Mehrheit findet, die eine Klage unterstützen würde. "Zumal in der Vergangenheit solche Klagen meist verloren wurden." Jeder, der den Haushalt der Stadt Zerbst kenne, müsste wissen, dass keine 700 000 Euro für eine Klage da sind. "Denn in der Höhe bewegen wir uns. Mit einer Klage halten wir den Bau wahrscheinlich nur auf und tragen am Ende die Kosten für Schadensersatz", erklärte Petermann.

Vielmehr sieht er eine Strategie darin, penibel darauf zu achten, dass der Investor alle Bauauflagen einhält – insbesondere die der Emissionen. Obwohl die Räte sich einig waren, dass wohl eine gewisse Geruchsbelästigung immer da sei. "Die Anlage liegt nunmal direkt vor unserer Haustür", bemerkte Edgar Petermann.

Sachlich diskutierten die Ratsmitglieder aus Pulspforde. "Hat denn keiner mehr eine schlaue Idee?", fragte Christina Schmidt in die Runde, als alle Beschlüsse schon einstimmig abgehandelt waren. "Die Planungshoheit liegt beim Landesverwaltungsamt. Da kommen wir nicht mehr ran", so Petermann.

Auf die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes hätten sie keinen Einfluss. "Wir können uns nur noch dagegen positionieren", wandte sich Rainer Erxleben an seine Straguther Ratskollegen. Sie sprachen sich einmal mehr geschlossen gegen die geplante Schweinemastanlage aus. Stattdessen plädierten sie dafür, das gesamte, bislang als Verkehrsfläche deklarierte Flugplatzgelände für solare Energienutzung auszuweisen. In der Konsequenz bedeutete das, die vorliegenden Beschlüsse durchweg abzulehnen.

"Wenn der Flächennutzungsplan offen ist, ist er offen", erklärte Dorothea Mücke. "Wenn die Nutzungsänderung erfolgt, kann alles andere angesiedelt werden. In dem Moment ist die Möglichkeit für die Schweinemastanlage gegeben", stimmte ihr Erika Bösecke zu. Sie war der Ansicht, dass Q-Cells nur vorgeschoben wurde, um das zu erreichen. "Sie warten nur, dass der Flächennutzungsplan geändert wird und dann kommt der Hammer", formulierte es Günter Heise. Er führte den Artenschutz ins Feld. "Es gibt Brachvögel, die da brüten, das passt mit Schweinemast nicht zusammen." Derweil wunderte sich Rainer Erxleben, dass das Schweinemastprojekt schon so weit fortgeschritten ist, wo der Flächennutzungsplan bislang gar nicht geändert ist.

"Wenn wir eine Teilbebauung zulassen, ist die Restbebauung Geschichte", meinte Ortsbürgermeister Edgar Grund. Zwar hätten sie mit dem Solarkraftwerk eine emissionsfreie Nutzung des Areals, die sie alle sehr begrüßen. Doch Q-Cells wird die Schweinemastfläche nachträglich nicht für Photovoltaik nutzen. "Es geht ganz oder gar nicht", forderte er, dass der Flugplatz in seiner Gesamtheit für solare Energienutzung ge-plant wird.

Seiner Ansicht schlossen sich die anderen Ratsmitglieder an. Einstimmig lehnten sie die vorliegenden Beschlüsse ab. Ihrem Votum fügten sie eine kurze Begründung hinzu. Zudem wollte Edgar Grund dem Bau- und Stadtentwicklungsausschuss auf dessen gestriger Sitzung erneut den Straguther Standpunkt erläutern. Hinter diesem stand auch Ortschaftsrätin Claudia Busse. Sie äußerte abschließend noch eine andere Befürchtung: "Nicht, dass wir nachher die Windräder kriegen."