Das Konzept zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt 2012 steht. Die vorbereitende Lenkungsgruppe hat es jüngst in Zerbst bestätigt (die Volksstimme berichtete). Zum Konzept gehören mehrere Ausstellungsprojekte. Zu deren Vorbereitung sprach Volksstimme-Redakteurin Antje Rohm mit Andreas Dittmann. Der Zerbster Kulturamtsleiter ist zugleich Leiter der Arbeitsgruppe der anhaltischen Museen zum Jubiläumsjahr und stellte die Ausstellungsprojekte im Lenkungsausschuss vor.

Volksstimme: Bereits 2008, lange vor allen anderen Aktivitäten um die Jubiläumsausgestaltung, haben die Museen der früheren anhaltischen Residenzstädte unter Federführung der Stadt Zerbst mit der Vorbereitung einer Ausstellung zum Anhalt-Jubiläum begonnen. Welchen Stellenwert nimmt die Initiative jetzt im Konzept ein?

Andreas Dittmann: Die Bemühungen der anhaltischen Museen um eine gemeinsame Wanderausstellung und eine korrespondierende dezentrale Jubiläumsausstellung wurden mit dem Beschluss des Konzeptes "Anhalt 800" als eine zentrale Aufgabe innerhalb des Jubiläums definiert.

Volksstimme: Wie ist der Stand bei der Entwicklung der Wanderausstellung?

A. Dittmann: Die Wanderausstellung, die in Verantwortung der Stadt Zerbst in enger Kooperation mit den Museen der anhaltischen Residenzstädte erarbeitet wird, wird Kern mehrerer Einzelaustellungen zum Jubiläumsjahr 2012 werden. Sie ist als sogenannte Tafelausstellung konzipiert. Ende 2011 soll sie in mehrfacher Ausführung vorliegen. Die Ausstellung möchte an verschiedenen Orten, durchaus auch außerhalb Anhalts, den Fokus auf unser ehemaliges Kulturland inmitten Europas lenken. Es gibt sieben Schwerpunktthemen, die mit knappen Texten und Illustrationen dargestellt werden. Außerdem wird ein Bezug zu Ausstellungsthemen in einzelnen Museen hergestellt. In Zerbst zum Beispiel zu Reformation und Bildung in Anhalt.

Volksstimme: Neben der gemeinsamen Wanderausstellung wird es in Museen und Institutionen Einzelausstellungen geben …

A. Dittmann: … die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Geschichte Anhalts reflektieren und so auch wieder miteinander in den Dialog treten. Hier wird auch ein umfangreiches Begleitprogramm, etwa mit Fachvorträgen oder Kolloquien, vorbereitet.

Volksstimme: Welche Pläne gibt es dabei konkret für Zerbst?

A. Dittmann: Unser Schwerpunkt ist die Geschichte der Landesuniversität Gymnasium Illustre im Kontext der Reformation unter Luther sowie der zweiten Reformation und der damit verbundenen Zuwendung Anhalts zum Calvinismus. Im Museum soll in diesem Zusammenhang unter anderem der Karzer mit den Inschriften aus 200 Jahren Universitäts- und Schulgeschichte restauriert werden. Gleichzeitig wollen wir sowohl das Francisceum als ein Bildungs- und Kulturzentrum der Stadt sowie die Nicolaikirche und das Schloss als Stadtbild prägende Bauwerke mit in das Ausstellungsprojekt einbeziehen. Ansätze sind Brandschutzmaßnahmen für die Francisceumsbibliothek sowie die Sanierungs- und Nutzungskonzepte für Schloss und Kirche.

Volksstimme: Das Schlossmuseum der Zerbster Partnerstadt Jever wird sich ebenfalls beteiligen.

A. Dittmann: Ja, und zwar mit Bezug zum bisherigen Ausstellungsteil "Ferne Fürsten". Die Jeveraner stellen Sophie Auguste Frederike von Anhalt-Zerbst in den Mittelpunkt. Sie ist die Witwe von Friedrich-August, dem letzten regierenden Fürsten von Anhalt-Zerbst, und wirkte als Statthalterin für Katharina II. in Jever.

Volksstimme: Gibt es weitere Ausstellungsprojekte zum Anhalt-Jubiläum?

A. Dittmann: Es gibt in Verbindung mit den Dessau-Roßlauer Beitrag die Idee einer außermusealen Jubiläumsausstellung in der Marienkirche Dessau-Roßlau, die den Arbeitstitel "Anhalt international – ein kleines deutsches Territorium mit internationaler Ausstrahlung" trägt. Und es gibt die Überlegung, das Anhalt-Jubiläum als Anhaltspunkt für die Digitalisierung herausgehobener Objekte der anhaltischen Museen zu nehmen. Vorgesehen ist, in der Online-Datenbank "museum-digital" des sachsen-anhaltischen Museumsverbandes ein Themenportal zu "800 Jahre Anhalt" zu schaffen.

Volksstimme: So wie das Vorhaben der Wanderausstellung war auch deren Finanzierung mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket frühzeitig klar. Wie sieht es bei den anderen Projekten aus?

A. Dittmann: Für die Einzelausstellungen und die damit verbundenen Maßnahmen wird es von den Projektträgern einzelne, aber zugleich ins Gesamtprojekt integrierte Anträge geben. Dabei setzen wir auf eine 50-prozentige Landesförderung, 20 Prozent Drittmittel und Eigenanteile. Das Online-Themenportal wird über den Museumsverband finanziert.

 

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