Nach umfangreichem Ausbau ist das Obergeschoss der Steutzer Schauschmiede am Freitagabend offiziell eröffnet worden. Mit der Einweihung der neu gestalteten Etage fand die Sanierung des historischen Gebäudes nun ihren Abschluss.

Steutz. "Endlich haben wir es geschafft", begrüßte Regina Frens die Gäste am lodernden Schmiedefeuer. "Heute können wir das Obergeschoss feierlich eröffnen", freute sich die Ortsbürgermeisterin. Bereits 1998, als die Planungen für die Sanierung des historischen Backsteinbaus begannen, war der Ausbau der oberen Etage zu einem Mehrzweckraum mit ins Auge gefasst worden. Bis zur Verwirklichung sollten jedoch einige Jahre ins Land ziehen.

"Was lange währt, wird gut", zitierte Regina Frens ein bekanntes Sprichwort. Sie erinnerte daran, wie am 5. Mai 2001 das Erdgeschoss nach Abschluss des ersten Bauabschnittes eingeweiht wurde. Neben Reparaturen an Mauerwerk, Dach und Fenstern sowie der Rekonstruktion der Toranlage wurden damals eine neue Zwischendecke eingebracht und eine Wendeltreppe eingefügt und damit zugleich die Voraussetzungen für die spätere Nutzung des Obergeschosses geschaffen. Die Gesamtkosten von 390 000 Mark wurden zu 75 Prozent über Leader II gefördert.

Für den nun realisierten zweiten Bauabschnitt flossen erneut Gelder aus dem europäischen Förderprogramm. Zugleich gab es Mittel aus der Dorferneuerung. Rund 43 000 Euro betrug der Zuschuss insgesamt für die gut 85 000 Euro teure Neugestaltung der oberen Etage.

Die Arbeiten liefen zwischen Januar und April. In der Zeit wurden die Wände neu verputzt, Decke und Schornsteinabzug verkleidet, die Elektrik erneuert und Sanitärleitungen verlegt. Das Manko der fehlenden Toiletten ist jetzt beseitigt. Durch das Einziehen von Zwischenwänden sind außerdem eine kleine Küche und ein Abstellraum entstanden.

Nicht zu vergessen der geräumige Mehrzweckraum mit Projektionstechnik, der dank der installierten Heizkörper ganzjährig genutzt werden kann. Ausstellungen und Veranstaltungen der Gemeinde sollen darin stattfinden, er soll touristischen Zwecken und dem Verein "Ländliches Leben Steutz/Steckby" als Domizil dienen.

Seit Gründung des Vereins im Februar 2008 öffnen die Mitglieder die Schauschmiede regelmäßig für Besucher und sorgen für ihre Bewirtung. Auch dieses Jahr empfangen sie zwischen Mai und Oktober einmal monatlich interessierte Gäste in dem technischen Denkmal, das auch eine Schuhmacherwerkstatt beherbergt. Manchmal erweckt Maik Düben die alten Werkzeuge und Geräte seines Großvaters Otto Düben zum Leben. Dass die Schmiede noch voll funktionstüchtig ist, beweist Hufschmied Siegfried Kuhrt zu besonderen Anlässen. Das nächste Mal kann man ihm am Pfingstmontag, wenn wieder zur Tour "Kreuz & Quer durch Steutz" eingeladen wird, beim Hufbeschlag über die Schulter sehen.

Ihm und seinem Sohn Thomas dankte Regina Frens genauso für ihr Engagement wie den Mitgliedern des Vereins "Ländliches Leben", die zur Einweihungsfeier in Trachten erschienen waren. Besonders hob sie die beiden "unermüdlichen Seelen" Doris Wecke und Annegret Schulze hervor, die an diesem Tag zahlreiche Schnittchen vorbereitet und die Schmiede mit blühenden Zweigen dekoriert hatten. Zugleich richtete die Ortsbürgermeisterin ein Dankeschön an alle, die bei der Umsetzung des zweiten Bauabschnitts mitgewirkt haben.

Bevor sich die Anwesenden das Ergebnis ansehen konnten, durfte der obligatorische Banddurchschnitt nicht fehlen. Der erfolgte einer Schmiede angemessen in abgewandelter Form. Dazu griff Regina Frens zu einem glühenden Eisen, mit dem sie den Strick durchbrannte, der den Weg nach oben versperrte. Sobald die Wendeltreppe freigegeben war, strömten die vielen Gäste in das Obergeschoss. Neugierig sahen sie sich in den hellen Räumlichkeiten mit den rustikalen Holzbalken um, blätterten in den ausliegenden Chroniken, saßen auf den ausgestellten alten Schulbänken Probe und betrachteten die aufgehängten Fotografien von Monika Sauer.

Einen würdigen Platz werden mit Sicherheit auch die zwei Tafeln finden, die das Dessauer Büro für Stadtplanung als Einweihungsgeschenk mitgebracht hatte. Eine spiegelt in Text und Bildern die Historie und Entwicklung der Schauschmiede wider, die andere dokumentiert mit den zugefügten Zeichnungen die Sanierung und heutige Nutzung des Gebäudes. "Wir haben von Anfang an gehofft, dass wir das Projekt realisieren", bemerkte Boris Krmela.

"Es ist schön, wenn ein Projekt fertig ist", erklärte Heinz Vierenklee. In der Schauschmiede seien die europäischen Fördermittel gut angelegt, würdigte der Vorsitzende der Lokalen Leader-Aktionsgruppe Mittlere Elbe/Fläming den Einsatz der Dorfgemeinschaft.

"Einen guten Start bei der Nutzung", wünschte Evelyn Johannes den Steutzern. Die Haupt- und Finanzdezernentin der Stadt überbrachte die Glückwünsche und ein Präsent im Namen des verhinderten Zerbster Bürgermeisters Helmut Behrendt. Auch die einzelnen Handwerksbetriebe waren nicht mit leeren Händen zur Einweihungsfeier gekommen.

 

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