Nicht das Gemeindehaus wie üblich, sondern das Gerätehaus war unlängst Sitzungsort des Güterglücker Ortschaftsrats. Dort in den Räumlichkeiten der Brandschützer informierten Reiner Sandmann und Ralf Buchholz die Ratsmitglieder über die Situation der Ortsfeuerwehr. Der bisherige Ortswehrleiter und sein Nachfolger wiesen auf die geringe Anzahl ausgebildeter Kameraden und den fehlenden Nachwuchs hin.

Güterglück. Mit einer positiven Nachricht eröffnete der bisherige Ortswehrleiter Reiner Sandmann die Ausführungen. Er berichtete, dass Ralf Buchholz von den Kameraden einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Zu dessen Stellvertreter kürten sie Jugendwart Gordon Hilbig. Damit hat die jüngere Generation die Ortswehrleitung übernommen.

Sorgen plagen die Güterglücker Brandschützer dennoch. Frisch in der neuen Funktion befürchtet Ralf Buchholz, dass er bald keine Einsatzkräfte mehr besitzt. "Wir haben nur zwölf ausgebildete Kameraden", schilderte er die aktuelle Situation. "Das sind 1,6 Prozent der Einwohner Güterglücks", gab der neue Ortswehrleiter zu bedenken. Hinzu kämen sechs weitere Kameraden, die allerdings nicht regelmäßig an den Diensten teilnehmen und nicht auf die geforderten 40 Ausbildungsstunden im Jahr kommen. Vor allem aber: "Tagsüber sind noch zwei, drei im Ort", blickte Ralf Buchholz auf die tatsächliche Einsatzfähigkeit in Güterglück, das mit Bahn, Kita, Förderschule, Bäcker und Biogasanlage über einige Schwerpunkte verfügt.

"Die meisten arbeiten außerhalb", gab Thomas Engelhardt zu bedenken. An dem Umstand würde auch nichts ändern, wenn sich mehr bei der Feuerwehr engagieren. Manche Faktoren könne man nicht ändern, stimmte Marlies Behrens ihrem Ratskollegen zu. Je mehr Kameraden es insgesamt seien, desto besser sei die Chance, dass mehr als jetzt einsatzbereit sind, erklärte Reiner Sandmann hinsichtlich unterschiedlicher Arbeitszeiten und Urlaubstage. "Sie müssen natürlich ausgebildet und eingekleidet sein", fügte er in Anbetracht der damit verbundenen Kosten hinzu.

"Die meisten arbeiten außerhalb"

Mit voller Besatzung auszurücken sei fast aussichtslos, bemerkte Reiner Sandmann. "Um Mannschaftsstärke zu erreichen, brauchen wir drei Wehren", blickte er auf eine Übung im April 2008 zurück. Sechs Feuerwehren eilten damals herbei, um den fiktiven Brand in der Güterglücker Kita zu löschen. Zwischen einem und acht Kameraden lag die Einsatzstärke der einzelnen Wehren. Güterglück selbst war mit fünf Mann vor Ort. Auf sich allein gestellt, hätten sie keine Wasserleitung legen können. Für einen "traurigen Zustand" hielt Reiner Sandmann damals auch, dass insgesamt nur acht Atemschutzträger anwesend waren. Für zwei Atemschutzträger, die in ein brennendes, verrauchtes Gebäude eindringen, müssen zwei zu ihrer potentiellen Rettung bereitstehen, erläuterte er den Güterglücker Ratsmitgliedern.

Die Kita-Übung zeigte deutlich, dass im Ernstfall eine großflächige Alarmierung notwendig ist. Doch: "Die eigenen Leute kenne ich und weiß, was ich von ihnen verlangen kann", sagte Reiner Sandmann. Um das zu ändern, haben sich die Güterglücker mit den umliegenden Ortsfeuerwehren zusammengetan. Die Durchführung gemeinsamer Ausbildungsveranstaltungen sind ebenso angedacht wie eine Einsatzübung. Doch zunächst sollen erstmal die Führungskräfte die jeweils anderen Wehren kennenlernen.

Als schwierig erachtete Reiner Sandmann auch die Gewährleistung der Nachbarschaftshilfe innerhalb eines Umkreises von 15 Kilometern. Immerhin sollen die Feuerwehren innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort sein. Alarmierung, dann schnell zum Gerätehaus, umziehen, aufs Fahrzeug aufsetzen, da blieben vielleicht noch fünf Minuten, um zum Unfall- beziehungsweise Brandort zu gelangen. "Fünf Minuten sind sieben Kilometer. Walternienburg schaffen wir kaum noch", führte er aus. Mal von Orten jenseits der womöglich geschlossenen Bahnschranken ganz abgesehen.

Daneben haben die Güterglücker Nachwuchssorgen. Die Jugendfeuerwehr hat zur Zeit gerade zwei Mitglieder, wobei der über 16-Jährige schon bei den Erwachsenen mitmacht, wie Ralf Buchholz informierte. Er ließ auch die Möglichkeiten einer ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Ortsfeuerwehr nicht unerwähnt.

Wer zwischen 18 und 65 Jahren alt und körperlich tauglich ist, kann in der aktiven Abteilung mitwirken. "Frauen und Männer", betonte Ralf Buchholz. Ab zehn Jahren kann der Jugendfeuerwehr beigetreten werden. "Eine Kinderfeuerwehr haben wir in Güterglück leider noch nicht", erklärte er, dass in dieser Mädchen und Jungen ab sechs Jahren spielerisch an die Feuerwehr herangeführt werden. Dafür gibt es den Verein der Freunde und Förderer der Freiwilligen Feuerwehr Güterglück, in dem jeder ab 16 Jahren Mitglied werden und auf diese Weise die Ortsfeuerwehr unterstützen kann. Vor allem bei den jährlichen Aktivitäten wie der Maifeier oder dem Halloween-umzug. Bislang setzt sich der Förderverein im Grunde allein aus aktiven Kameraden und Mitgliedern der Altersabteilung zusammen, entgegnete Ralf Buchholz auf Nachfrage. Er selbst ist Vereinsvorsitzender.

"Wir müssen die Leute ansprechen"

Aufmerksam verfolgten die Ratsmitglieder die Ausführungen, hakten hier und da nach, gaben Hinweise und machten Anmerkungen. Das Problem sei die Bevölkerungsentwicklung und die Arbeitssituation, konstatierte Ortsbürgermeister Lutz Voßfeldt. "Wir müssen als Ortschaftsratsmitglieder versuchen, die Leute mal anzusprechen." Zugleich sollte, wer für die Gemeinde arbeitet, verpflichtet sein, bei der Ortsfeuerwehr mitzuarbeiten wie es beim Zerbster Bauhof praktiziert wird, schlug er vor. Dennoch befürchtete Lutz Voßfeldt, "irgendwann werden wir zur Pflichtfeuerwehr übergehen".

Marlies Behrens sah derweil noch ein anderes Problem im Dorf und zwar das, dass sich zu wenige Leute überhaupt ehrenamtlich in ihrer Freizeit gesellschaftlich engagieren. "Man sieht immer die Gleichen", beschrieb sie es. Und die Tätigkeit in der Feuerwehr sei verantwortungsvoll.

Zwecks des Aufbaus einer Kinderfeuerwehr regte Karin Greulich an, mal an die Grundschule Walternienburg ranzutreten, in der der Güterglücker Nachwuchs unterrichtet wird.

"Kann sich der Bürger sicher fühlen, dass ihm im Notfall geholfen wird? Die Frage steht im Raum", betonte Ralf Buchholz.