Seit 1995 profitieren die neuen Bundesländer vom sogenannten Leader-Programm der Europäischen Union, das den Weg zu Fördermitteln für die Entwicklung des ländlichen Raumes ebnet. Für die Region Zerbst ist Elke Kurzke die Leader-Managerin, die Menschen, Vereinen oder Kommunen auf dem Weg von der Idee zum fertigen Projekt zur Seite steht.

Zerbst. Die Schauschmiede in Steutz, die Festscheune in Walternienburg oder der Alpakahof in Zernitz – alle diese Projekte wurden mit Hilfe des europaweit existierenden Leader-Programms realisiert. "Vom Otto-Normal-Verbraucher über den Bürgermeister bis zum Landwirtschaftsbetrieb – jeder kann sich mit einem Projekt bewerben", erklärt Heinz Vierenklee, Vorsitzender der Leader-Arbeitsgruppe (LAG) Mittlere Elbe-Fläming, die auch für die Zerbster Region verantwortlich ist, und Vorsitzender der LAG Anhalt, die seit Kurzem den anhaltischen Raum betreut.

"Wir haben uns selbst das Ziel gegeben, dass Projekte gefördert werden, die das Leben in unserer ländlichen Region lebenswerter machen, die zum Beispiel die Jugend im Dorf halten, das Leben hier mitgestalten", umreißt Vierenklee die Ziele. Doch das Auswahlverfahren ist hart. "Derzeit habe ich 88 Idee-Anmeldungen auf meinem Schreibtisch liegen", sagt Leader-Managerin Elke Kurzke. 52 bestätigte Projektideen gibt es aktuell, davon sind zehn bereits abgeschlossen und rund 25 laufen noch. "Einige ruhen auch. Zum Beispiel, wenn es zur Zeit keine zum Projekt passende Förderrichtlinie gibt", so Kurzke.

Mehr als 80 Förderrichtlinien

Mit einer groben Ideenskizze können Projekt bei Elke Kurzke, die Diplom-Ingenieurin für Landschaftspflege ist, vorgestellt werden. Dann befindet eine aus zwölf Personen bestehende Koordinierungsgruppe darüber, ob dieses Projekt zu Leader passt. Ideen, die es durch diesen Filter schaffen, müssen noch die Zustimmung der lokalen Aktionsgruppe Mittlere Elbe-Fläming erhalten, die zwei bis drei Mal im Jahr tagt. Etwa 60 Privatpersonen, Unternehmer, Verwaltungsmitarbeiter und Interessenvertreter umfasst die LAG. Geben sie dem Projekt ihren Segen, ist der Weg frei, dass Elke Kurzke zusammen mit dem Projektinhaber die Anträge auf Fördermittel zusammenstellt. "Und das kann dauern", weiß Kurzke aus Erfahrung. Bauanträge, Genehmigungen, Finanzierung – alles muss komplett in einem Antrag abgegeben werden. Sie führt Gespräche mit der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, erklärt den Projektinhabern die Nebenbestimmungen, nimmt den Kontakt zu den zuständigen Ministerien auf und ist nicht zuletzt der Ansprechpartner für die Menschen vor Ort.

"Es ist wichtig zu betonen, dass Leader eigentlich nur ein Mittel zum Zweck ist", sagt Kurzke. Durch Leader werden für Ideen Wege auf Fördermittel frei, die dessen Initiator sonst vielleicht nie erfahren hätte. Über 80 Förderrichtlinien durchforstet Elke Kurzke, um für jedes Projekt die günstigste Förderung auszusuchen. Die Fördergelder, an die die Initiatoren durch Leader gelangen, sind meist Mittel der EU. Das Leader-Programm als solches zahlt keine Fördermittel aus. "Die Fördersummen können sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Art des Projektes."

Vernetzung spielt große Rolle

Auch der Netzwerkgedanke spielt eine große Rolle bei Leader. Projektinhaber mit Leader-Unterstützung werden automatisch LAG-Mitglied. "Wenn es um Fragen geht, wo ein Radweg langführen soll, wie die Beschilderung erfolgen soll, dann können sich die einzelnen Parteien miteinander austauschen, in der LAG", so Kurzke. "Der Vorteil für die Projekte, die bei Leader dabei sind, ist natürlich, dass sie schon eine gewisse Lobby in der Bearbeitung haben", erzählt Kurzke.

23 LAGs gibt es in ganz Sachsen-Anhalt. Deren Einzugsbereich richtet sich nicht nach den jeweiligen Kreisgrenzen, sondern meist nach territorialen Gegebenheiten. Das Gebiet der Leader-Arbeitsgruppe Mittlere Elbe-Fläming reicht von Coswig bis Barby und von Zerbst bis Möckern, nahe an die A 2.

www.mittlere-elbe-flaeming.de

   

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