Am 1. Juli 2009 trat eine neue Richtlinie zur Qualitätsprüfung in Alters- und Pflegeheimen in Kraft. Die Bewertung erfolgt durch die Fachkräfte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Bis zum Ende dieses Jahres sollen alle Pflegeheime in Sachsen-Anhalt kontrolliert sein. Auch in Zerbst und Umgebung waren die Kontrolleure teilweise schon vor Ort.

Zerbst. Die Region Zerbst muss sich im Bereich der stationären Pflegeeinrichtungen nicht verstecken. Die Noten in der nebenstehenden Grafik beweisen es. Acht der elf aufgeführten Einrichtungen liegen über dem bundeslandweiten Durchschnitt von 1,8. Dabei fehlen auch noch diverse Einrichtungen wie das AWO Seniorenzentrum "Am Frauentor" in Zerbst, das DRK Betreuungszentrum "Marie von Kalitsch" in Bärenthoren oder die Stiemerling Senioren-Residenz in Gommern.

Federführend bei der Kontrolle ist der Verband der Ersatzkassen (Vdek). "Unsere Kontrolleure gehen unangemeldet in die Einrichtungen und je nach Größe bleiben sie dann ein bis drei Tage dort", erklärt Manuela Pohl, stellvertretende Pressesprecherin. Dabei können sich die Pflegeheime einer Kontrolle auch nicht entziehen, da sie mit der neuen Richtlinie gesetzlich verpflichtet sind. "Wenn die Kontrolleure erscheinen, gibt es keine Ausreden. Wenn Mitarbeiter krank sind oder im Urlaub, dann ist das eben so. Um die Bewohner muss sich ja trotzdem gekümmert werden", so Pohl. Die Überprüfung der Qualität ist an die alltägliche Arbeit angeknüpft, so dass nur Kriterien wie Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit Demenzkranken, Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung und das Wohnen im Allgemeinen bewertet werden. Auch eine Befragung der Bewohner wird vorgenommen, die allerdings nicht in die Gesamtnote hineinfließt.

Die Zerbster Einrichtung "Willy Wegener" wurde am 27. Juli vergangenen Jahres überprüft und schnitt mit der Note 1,5 ab. "Die Kontrollle war sehr angenehm und die Kontrolleure sehr kollegial", erinnert sich Einrichtungsleiterin Renate Löbert. Die Untersuchung und das letztendliche Ergebnis haben einen hohen Stellenwert und werden dementsprechend auch ernst genommen. "Die Empfehlungen werden von uns verarbeitet und natürlich versucht umzusetzen", so Löbert. Dass man sich mit der erhaltenen Note nicht verstecken muss, weiß die Einrichtungsleiterin, allerdings sieht sie auch Potenzial nach oben. "Es gibt immer ein Besser und das wollen wir erreichen."

Mit am besten abgeschnitten hat das Johanniterheim "St. Laurentius" zu Loburg (Note 1,1). Das Rezept für diesen Erfolg kennt Einrichtungsleiterin Claudia Tritt. "Bewohnerzufriedenheit ist das A und O und diese scheint bei uns gegeben." Ganz fremd waren die Testkriterien dieser Einrichtung aber nicht. "Da wird ja nichts Ungewöhnliches geprüft, sondern Dinge von denen wir auch wollen, dass sie funktionieren", erklärt die Einrichtungsleiterin.

Nachdem die Pflegeheime einmal komplett erfasst wurden, soll diese Überprüfung jährlich wiederholt werden, verrät Manuela Pohl. Ziel ist, es die schwarzen Schafe, wenn es sie den gibt, auszusortieren und den Menschen eine Orientierungsmöglichkeit zu geben. "Insgesamt sind die verschiedenen Pflegeheime besser als ihr Ruf", betont Pohl. Bei der jährlichen Überprüfung wird dann festgestellt, ob die angesprochenen Mängel behoben worden sind oder eben nicht. "Gerade für Familien mit pflegebedürftigen Mitgliedern ist das Notensystem eine gute Vergleichsmöglichkeit, ersetzt aber nicht die persönlichen Erfahrungen", erklärt die stellvertretende Pressesprecherin.

Auf der Internetseite des Vdek kann sich jeder selbst über das Abschneiden der Einrichtungen in seiner Umgebung informieren.

www.pflegelotse.de