Von der Schauschmiede über "Ottilies Krämerladen" bis zur Straußenfarm und damit wahrlich "Kreuz & Quer durch Steutz" begaben sich am Pfingstmontag zahlreiche Tagesausflügler. Dass die Resonanz auf die vierte Auflage der informativen Erkundungstour geringer ausfiel als in den Vorjahren, lag am durchwachsenen Wetter.

Steutz. Anhaltende Schauer läuteten den Pfingstmontag ein. Als am Nachmittag dann die Sonne durch die Wolken brach, keimte bei den Tour-Veranstaltern Hoffnung auf. Doch immer wieder sorgten starke, teils mit Hagel versetzte Gewittergüsse für wahre Sturzbäche. Alle, die sich nicht von diesem wechselhaften Wetter abschrecken ließen entdeckten, dass Steutz einiges zu bieten hat.

Neben der neoromanischen St. Marienkirche und dem gerade erst eröffneten Märchenwald auf dem Mühlberg gehört dazu die Hobbyausstellung von Familie Lisso. Abseits der Ortsdurchfahrt liegt ihr Bauernhof, der sich bereits seit 1732 in Familienbesitz befindet. Unzählige Dinge sind da in den zurückliegenden Jahrhunderten zusammengekommen. Der Anreiz, all die landwirtschaftlichen Gerätschaften und unterschiedlichsten Haushalts-utensilien zu sortieren und der Öffentlichkeit zu präsentieren, kam von außen. "Du hast so viel rumliegen, mach‘ doch mal ein Museum draus", hörte Manfred Lisso von Verwandten und Bekannten. Da fing er an, Ordnung in das Sammelsurium zu bringen. "Zu 80 Prozent ist das von unserem Hof", erzählt der Steutzer, dass ab und zu jemand ein weiteres Stück mitbrachte. So entstand eine umfangreiche Ausstellung, die nun seit sechs Jahren besteht.

Allerdings können die Besucher nicht nur zwischen Schafscheren, Dreschflegeln und Bügeleisen in das frühere Leben auf einem Bauernhof eintauchen. Unter dem Stalldach hat Manfred Lisso eine wahre Raritätenkammer eingerichtet. "Mit dem Musikschrank aus den 30er Jahren hat es angefangen", verrät er, wie das Zimmer zusehends Gestalt annahm. In den Regalen liegen Ferngläser, Fotokameras und Dia-Projektoren. Vor allem aber ist es gespickt mit alten Radios, Plattenspielern und Tonbandgeräten, von deren Funktionstüchtigkeit sich die Pfingstausflügler überzeugen konnten.

Auf ein Unikat ganz anderer Art trafen sie im Gemeindehaus, das 1742 als Gut errichtet wurde. Neben der Heimatstube beherbergt das Gebäude "Ottilies Krämerladen", der sich bis 1989 an der Akener Straße befand. "Das war eine Institution", betont Monika Sauer. Sie schildert, wie sich die Steutzer Schüler bei Ottilie für zehn Pfennig eine Tüte frisch gestampftes Sauerkraut kauften oder für fünf Pfennig eine Zuckerstange gönnten. Bei manchem Besucher weckte das Kindheitserinnerungen und den erfüllbaren Wunsch, einmal auf der anderen Seite des Verkaufstresens zu stehen. Hinter dem lud Monika Sauer zum "Nostalgie-Schnuppern" an der Florena-Creme ein, pries altbekannte Konsum-Produkte an und holte sogar die zu DDR-Zeiten heiß begehrte "Bückware" wie Ketchup oder Bananen hervor – vorausgesetzt, der Kunde wusste den richtigen Spruch …

Gut gelaunt, mitunter ein Tütchen Sauerkraut in der Hand, spazierten Jung und Alt zur nächsten Station. Zur Schauschmiede beispielsweise, in der die Hufeisen im Feuer glühten. Interessiert schauten sie dort Siegfried Kuhrt beim Beschlagen eines Pferdes zu. Routiniert löste der 74-jährige Eichholzer die alten Eisen, säuberte den Huf und versah den wiehernden Vierbeiner mit neuem "Schuhwerk".

Apropos. Einen Raum weiter erweckte unterdessen Maik Düben die Werkzeuge und Gerätschaften seines Großvaters, des Schuhmachers Otto Düben, für einige Stunden zum Leben. Dabei verband er die Vorführung sogleich mit dem Nützlichen. Er reparierte einen Schuh und auch eine Ledertasche, die ein Besucher auf gut Glück mitgebracht hatte.

Im neu ausgebauten Obergeschoss der Schmiede warteten eine Mal- und Bastelstraße sowie eine Schminkstation auf alle Kinder, die wieder an einem Quiz teilnehmen konnten. Erstmals umfasste das Angebot eine Wanderung durch die Elbaue, die sich 18 Frauen und Männer trotz Regens nicht entgehen ließen. Unterwegs weihte sie Peter Ibe, Naturschutzwart im Biosphärenreservat Mittelelbe, in die heimische Tier- und Pflanzenwelt ein.

In Afrika sind die Strauße ursprünglich beheimatet, die Familie Stiehl züchtet. Seit 2003 gehen sie ihrem exotischen Hobby nach. Derzeit leben sechs der afrikanischen Laufvögel auf ihrer Farm. "Wir warten auf Küken", bemerkt Rainer Stiehl. Er führte die Besucher über die Anlage und teilte ihnen Wissenswertes mit über die beeindruckenden Vögel, deren Eier seine Frau Karola zu Lampen und Windlichtern verarbeitet. "Wir lassen auch schlachten", erzählte sie vom zubereiteten Straußenbraten, der den Geschmack der Vorbeikommenden traf und bald aufgegessen war.

Hungrig musste grundsätzlich niemand heimfahren. An allen Stationen wurde mit verschiedenen Speisen und Getränken fürs leibliche Wohl der Pfingstausflügler gesorgt. Die kehrten mit vielfältigen Eindrücken von ihrer Tour "Kreuz & Quer durch Steutz" heim, die vom Verein "Ländliches Leben Steutz/Steckby" mit viel Herzblut vorbereitet und durchgeführt wurde.

   

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