Zerbst. Die Gebühren für die Abwasserentsorgung im Gebiet des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Zerbst müssen mittelfristig erhöht werden, um die Kosten zu decken. Diese finale Aussage im Vortrag zum "Entwicklungskonzept 2025" des Verbandes für die Abwasserentsorgungsaufgabe hat Gewicht, weil sie gutachterlich untersetzt und keinesfalls eine zwar naheliegende, aber "nur" allgemeine plau-sible Mutmaßung ist. Oliver Hug von der Confideon Unternehmensberatung GmbH Berlin trug der Verbandsmitgliederversammlung am Dienstagabend vor, was diesen Schluss so sicher macht.

Als "größte Risiken für die Entwicklung des Verbandes" stellte Hug den Einwohnerrückgang und die anhaltend hohen Fixkosten der Abwasserentsorgung heraus. Weitere Risiken liegen im zusätzlichen Sparen der Bevölkerung, denn der Abwasseranfall pro Kopf ist mit rund 88 Liter pro Tag zwar nicht üppig, aber längst nicht der niedrigste. Zudem weist das Verbandsgebiet (29 Kommunen der Kreise Jerichower Land, Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg) sehr ungünstige und nicht mehr beeinflussbare Rahmenbedingungen aus: Die Bevölkerungsdichte sei sehr niedrig und der Anschlussgrad bereits sehr hoch. "Daraus folgen hohe Betriebskosten pro Einwohner", so Hug.

Der Unternehmensberater hat auch nach Einsparpoten-zialen geforscht. In einzelnen Bereichen und Anlagen sei dies noch möglich. Die Effekte würden aber bestenfalls reichen, um die durchschnittlich zu erwartende Inflation der nächsten Jahre aufzufangen. "Sie sind nicht ausreichend, um die zu erwartenden Erlöseinbußen aus dem Bevölkerungs- und Mengenrückgang aufzufangen."

Das "Entwicklungskonzept 2025" ist im Auftrag des AWZ erstellt worden und soll Grundlage aller nächsten Schritte der Verbandsgeschäftsführung sein. Zuvor soll es in den Mitgliedsgemeinden des Verbandes beraten und beschlossen werden.

Im Entwicklungskonzept wird festgestellt, dass die Bevölkerungsentwicklung gerade im Verbandsgebiet noch dramatischer als im Landesmaßstab ablaufen wird. Jährlich wird die Bevölkerung in den Mitgliedsgemeinden rund 2,7 Prozent abnehmen – von 31 543 Personen im Jahr 2010 auf 25 663 im Jahr 2025. Leben jetzt noch knapp 41 Menschen auf einem Quadratkilometer, so werden es 2025 nur noch 31,5 sein. Das lässt die Kosten, speziell die mengenunabhängigen Fixkosten, in der Pro-Kopf-Darstellung dramatisch steigen.

Im Vergleich mit 40 Abwasserentsorgungsverbänden ähnlicher Struktur aus Nord-, Mittel- und Ostdeutschland kommt der AWZ durchschnittlich weg. Der Anschlussgrad hier ist höher, der Gesamtaufwand etwas höher als der Durchschnitt. Der Kapitalaufwand ist etwas geringer, dafür der Betriebsaufwand etwas höher als der Durchschnitt, was im Betreibermodell für das Klärwerk begründet ist.

Laut Wirtschaftsplan wird der Betriebsaufwand bei der Abwasserentsorgung bis 2013 um 2,8 Prozent jährlich verringert. Wesentlich investiert wird vor allem in den Ersatz technischer Baugruppen, denn manche Druckstation läuft bereits seit weit über zehn Jahren. Unter diesen Vorzeichen wirkt der Einwohnerrückgang, damit verbunden der Abwassermengenrückgang und somit die Einnahmen aus der Mengengebühr wie ein Schmelztiegel allen Unheils. Die Einnahmen aus der Mengengebühr werden von 2008 bis 2025 um fast 19 Prozent sinken.

Was rät der Berater? Alle drei Jahre (der Rhythmus, in welchem die Gebühr neu kalkuliert werden sollte), soll eine Erhöhung der Grundgebühr um 14 Prozent vorgenommen werden. Hug orientiert auf die Grundgebühr, denn die Fixkosten sind auf weniger Gebührenpflichtige umzulegen. Ihm ist dabei egal, ob die Fein-Verteilung pro Hausanschluss oder Wohnung erfolgt. Aktuell liegt der Einnahmen-Anteil aus der Grundgebühr bei etwa 40 Prozent, 2025 sollte er bei 58 Prozent liegen.