Mindestens 300 der Ende Oktober 2009 in der Nuthe bei Zerbst ausgesetzten 10 000 Junglachse sind auf dem Weg ins offene Meer. Die Lachse und auch die 10 000 im März ausgesetzten Meerforellen sollen als Gattung wieder in der Nuthe heimisch werden. Dazu müssten die Tiere zum Laichen bis in die Nuthe zurückkehren.

Zerbst. "Die Lachse sind durch den Winter gekommen. Das steht schon mal fest." Steffen Zahn, zum Lachs- und Meerforellen-Wiederansiedlungsprojekt in der Nuthe federführender Mitarbeiter im Institut für Binnenfischerei e. V. Potsdam-Sacrow, hat mindestens 300 "Beweise" gesammelt.

Seit Anfang März wird zweimal täglich in einer Smolt-Falle, die nahe der Poleymühle in der Nuthe verankert ist, nach abwandernden Lachsen (Smolt) geschaut. Das reusenähnliche Gerät lässt im Normalfall die am 30. Oktober 2009 im Zerbster Raum in den Oberläufen der Nuthe ausgesetzten Junglachse nicht durch. Allerdings sorgte starker Niederschlag für kurzzeitiges Hochwasser in der Nuthe, so dass die Smolt-Falle überspült wurde, folglich auch die Smolte selbst, sofern es welche gab, freie Bahn hatten.

"Etwas über 300 Smolte konnten jedoch bei unseren Kontrollgängen festgestellt und registriert werden", so Zahn. Ein erster Schritt zur Wiederansiedlung scheint damit getan: Mindestens ein Teil der eingesetzten Fische überlebt den hiesigen Winter und entwickelt ein Zugverhalten in die offene See.

Auch aus anderer Sicht ist die Erkenntnis interessant. Die Mär, der Kormoran hole alle Lachse als Gourmet-Häppchen aus der Nuthe, kaum dass sie eingesetzt wären, ist so nicht aufrechtzuerhalten. "Fischotter, Mink, Reiher, Kormoran – natürlich tun die dem Fischbestand nicht gut. Doch das sind die natürlichen Abläufe. Den Kormoran zum allgemeinen Übel zu erklären, halte ich für Spekulation. Daran beteilige ich mich nicht", so Zahn, der "einzig wissenschaftliche Untersuchungen zur Meinungsbildung hilfreich" findet.

Die Projektträger – Landesanglerverband, Umweltministerium, Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft – haben auf vorerst unbestimmte Zeit das Einsetzen von 10 000 Lachsen im Herbst sowie 10 000 Meerforellen im Frühjahr in das Nuthe-System vereinbart. "Wenn wir in ein paar Jahren die ersten Rückkehrer hätten, wäre das sehr gut. Wenn dann gelingt, die Reproduktionskette zu schließen, indem die Lachse in der Nuthe laichen, dann wäre das Projekt ein Erfolg. Ob sich je genügend Nachwuchs einstellt, damit die Population sich eigenständig reproduziert, bleibt abzuwarten." Momentan ist man froh, dass Lachse überlebt haben, herangewachsen sind und einige ins offene Meer streben.

Die Landwirte rechts und links der Nuthe zwischen Zerbst und Walternienburg schieben der Smolt-Falle einen gewissen Einfluss auf ihre blank stehenden Äcker zu. Das Reusensystem staut die Nuthe tatsächlich etwa 20 Zentimeter, doch "das hat nicht den entscheidenden Einfluss auf den Feuchte-Gehalt der Flächen", erklärt Steffen Zahn. Die Falle werde ohnehin in den nächsten Tagen abgebaut.