Das LF 12 ist der ganze Stolz der Freiwilligen Feuerwehr Loburg. Es ist seit nunmehr 85 Jahren im Bestand der Brandschützer. Aus Anlass dieses Jubiläums veranstalten die Kameraden morgen eine Festveranstaltung.

Loburg. Die Freiwillige Feuerwehr Loburg, die am 10. Januar 1882 gegründet wurde, hat im Laufe ihrer Geschichte eine rasante Entwicklung bezüglich der Feuerwehrtechnik erfahren. Wie die Wehr, nachdem es zuvor eine Pflichtfeuerwehr gegeben hatte, zu ihrem heute ältesten Fahrzeug Sachsen-Anhalts kam, darüber gibt die Chronik der Wehr Auskunft.

Beginnend mit den Ledereimern und Einreißhaken, über metallene Spritzen, Handdruckspritzen bis hin zu Spritzen auf Pferdegespannen. Nachdem sich um die Jahrhundertwende die Automobil-technik durchgesetzt hatte, wurde diese Technik für die Brandbekämpfung erst als Motorspritze mit Pferdezug und später als selbstfahrende Feuerwehr – Automobilspritze – eingesetzt.

Nach dem 1. Weltkrieg dachte man auch in Loburg über die Anschaffung eines selbstfahrenden Löschfahrzeuges nach. Im Jahre 1924/25 wurden dazu konkrete Beratungen durch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Magistrat geführt.

In der Diskussion über die Anschaffung einer Automobilspritze überlegte man, ob eine Motorspritze nur für Loburg (nicht selbstfahrend) oder eine Überlandspritze für die umliegenden Gemeinden und Gutsbezirke gekauft werden sollte. Die Erfahrungen sagten, dass bei auswärtigen Bränden die Vorspannpferde häufig nicht rechtzeitig zur Stelle waren und dadurch sehr viel Zeit verloren ging.

Suche nach der besten Variante

Um hier die richtige Lösung zu finden, wurde beim Magistrat mit Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Loburg eine Kommission gegründet. Gemeinsam wurde nach der bestmöglichen Variante gesucht. Mehrere Vorführungen der Technik anderer Wehren waren notwendig, um hier eine optimale Anschaffung zu tätigen.

Die Demonstration einer Automobilspritze mit vier Strahlrohren und dieser großen Menge Wasser gab mit den Anstoß, sich ernsthaft mit dem Ankauf einer Automobilspritze zu befassen und die Sache voranzutreiben. Der damalige Brandmeister Wilhelm Uschmann führte dazu aus: "Daß nicht Ruhmsucht die Feuerwehr in Loburg veranlaßt habe, den Wunsch nach einer Automobilspritze laut werden zu lassen, sondern lediglich der Wunsch, den in Not befindlichen Nächsten besser und schneller auch über Land helfen zu können als bisher."

Zur Anschaffung waren 21 000 Goldmark notwendig. Diese enorme Summe wurde durch Beihilfen und Darlehen durch die Städte-Feuer-Sozietät der Provinz Sachsen in Merseburg sowie der Magdeburgischen Landfeuersozietät bereitgestellt. Mit der Zusage von zirka 20 Orten und Bezirken konnte mit der Auswahl und Anschaffung begonnen werden.

Kauf des Fahrzeugs im Mai 1925

Jedoch waren die finanziellen Mittel nicht sofort flüssig und bereiteten erhebliche Schwierigkeiten. Nach Ausräumung der Hindernisse entschied sich die Kommission für eine Überlandspritze vom Typ Brandenburg mit einem Benzmotor von der Firma Hermann Köbe in Luckenwalde.

Das ausgewählte Feuerwehrfahrzeug zeichnete sich durch große Schnelligkeit aus, hatte für sechs Feuerwehrmänner Sitzplätze und konnte 800 Meter Schlauch mitführen. Bei Vorführungen dieses Typs konnte außerdem festgestellt werden, dass die Spritze auch auf den sandigsten Feldwegen, die damals zu den Orten Kalitz und Brietzke führten, schnell vorankam. Ein Schreiben des damaligen Brandmeisters Wilhelm Uschmann belegt, dass das Fahrzeug in der Nacht vom 12. zum 13. Mai 1925 gekauft wurde.

Die ersten Maschinisten waren die Kameraden Fritz Tapernon und die Brüder Hermann sowie Ernst Velke. Sie machten sich eingehend mit der Automobilspritze vertraut. Dabei passierte Folgendes: Am 15. Dezember 1925 arbeiteten besagte Maschinisten am neuen Fahrzeug. Dabei war ihnen nicht bekannt, dass bei laufendem Motor besser das Garagentor vom Spritzenhaus offen bleiben sollte. Resultat waren Vergiftungserscheinungen, die durch Auspuffgase verursacht worden waren. Ein paar Tage später schrieb dann die Zeitung, dass nicht die Heizungsanlage Schuld sei, die für die Frostsicherheit von Motor und Kühler zuständig war, sondern der laufende Motor bei geschlossenen Toren.

Erster Einsatz im Rittergut Althaus

Der erste größere Einsatz der Automobilspritze erfolgte im Rittergut Althaus in Leitzkau ausgerechnet beim Baron von Münchhausen, der sich trotz Aufforderung nicht dem da-maligen Feuerwehrverband angeschlossen hatte. Dadurch musste ihm die Leistung der Feuerwehr in Rechnung gestellt werden.

Weitere größere Einsätze der Automobilspritze gab es in Loburg in den Folgejahren: 1930 am 14. April am Wohnhaus und Mühle Thiem am Münchentor, 1932 am 2. März im Wohnhaus Ahlsleben in der Alten Straße, 1933 am 22. August an der Scheune von Da-viar in Bomsdorf, 1939 am 16. Dezember Bäckerei Stahmann in der Dammstraße, 1942 am 1. September an der Scheune Kuhle in der August-Bebel-Straße.

Auch der Bombenangriff zu Ostern 1944 auf Loburg erforderte eine hohe Einsatzleistung, da verschiedene Gebäude der Dammstraße, der Neuen Straße und der Alten Straße brannten. Einen der größten Einsätze gab es nach dem Bombenangriff am 16. April 1944 auf Magdeburg.

Hier hat die Loburger Wehr zwei Tage an der Elbe gestanden und die Löschwasserversorgung mit dem LF 12 für die Innenstadt gesichert.

Gestohlen und wieder gefunden

Nachdem das Fahrzeug in der Nachkriegszeit aus dem Gerätehaus gestohlen wurde, konnten die Kameraden mutig das LF 12 zurückholen. Die Automobilspritze wurde im Wald zwischen Loburg und Hohenziatz wieder gefunden. Da sie nicht mehr selbstständig fahren konnte, wurde sie unter Leitung des damaligen Wehrleiters Wilhelm Goldschmidt mit seinen Pferden aus dem Wald geholt und wieder instand gesetzt.

Ebenfalls verhinderten Kameraden während der großen Buntmetallaktion "Martin braucht Schrott", dass das Fahrzeug auseinandergenommen wurde.

Der letzte große Einsatz erfolgte im Jahr 1965. Nachdem mit Hilfe der Loburger Bürger die Badeanstalt neu gebaut war, hatte es für die erste Wasserversorgung des Freibades noch keine Lösung gegeben. Mit Hilfe der Automobilspritze wurde dann in 16 Stunden die Badeanstalt mit Wasser gefüllt und der Einweihung stand nichts mehr im Wege.

Seit der Stilllegung des Fahrzeuges wurde besonders darauf geachtet, dass die Funktionstüchtigkeit des Motors und der Wasserpumpe erhalten blieb.

In den Jahren 1987/88 wurde das Fahrzeug von allen aktiven Kameraden der Wehr mit Hilfe der Betriebe der Stadt Loburg unter Anleitung des stellvertretenden Wehrleiters, dem Kameraden Wilfried Krähe, überholt. Alles an der Spritze wurde repariert, die Vorderreifen neu aufgezogen, der Motor durchgesehen und alles auf Hochglanz gebracht. Hilfe leisteten auch Betriebe wie die damalige PGH Reparaturdienst, der Kreisbetrieb für Landtechnik, KIM Rottenau und der VEB Bekleidungswerk.

Ältestes Fahrzeug in Sachsen-Anhalt

Für die Pflege und Erhal-tung sowie Einsatzfähigkeit des Fahrzeuges setzten sich viele Kameraden ein. Für alle stellvertretend die Namen solcher Maschinisten, die viele Stunden über das Normale hinaus in ihrer Freizeit das Fahrzeug in Ordnung hielten: Fritz Tapernon, Hermann Velke, Ernst Velke, Bruno Patzer, Fritz Schuckert, Werner Jahnke und Horst Lehmann.

Nachdem festgestellt wurde, dass es in Loburg das älteste Feuerwehrfahrzeug in Sachsen-Anhalt gibt, wurde es im Jahre 1994 zur größten Feuerwehrmesse in Deutschland zur "Interschutz Roter Hahn" nach Hannover gefahren und dort ausgestellt.

Als Wehrleiter heute, erneuert Heiko Bartel noch einmal den Wunsch des ehemaligen Wehrleiters Heinz Lehmann vom 13. Mai 1995 anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des LF 12 und fordert alle Kameraden auf, es als Pflicht anzusehen, das Fahrzeug so zu erhalten, wie sie es von den Vorgängern übernommen haben. Das wird er seinen Mitstreitern morgen Abend bei der Jubiläumsveranstaltung, die mit geladenen Gästen im Feuerwehrgerätehaus in Loburg stattfindet, wieder ans Herz legen.

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