Am 1. Juni ist meteorologischer Sommeranfang. Doch das Wetter scheint damit noch nicht einverstanden zu sein. Die letzte Woche war durchwachsen. Schauer, Gewitter, Unwetter und ab und an ein wenig Sonne wechselten sich ständig ab. Wessen Geschäft auf Frühlingswärme und trockene Temperaturen angewiesen ist, der hatte es in diesem Mai nicht leicht.

Von Desirée Mainzer

Zerbst. "Der April war in diesem Jahr durchschnittlich wärmer gewesen. Es gab sogar schon einen Sommertag, das heißt, die Temperaturen kletterten über 25 Grad", so Willi Willmann vom Deutschen Wetterdienst in Magdeburg. "Allerdings war der Mai dann deutlich zu kühl und zu nass. Es gab dreieinhalb Mal so viel Niederschlag als normal wäre. Wir haben bisher selten so einen nassen Mai erlebt." Selbst die 78 Sonnenscheinstunden im Mai können sich nicht mit den 200 Stunden im April messen lassen.

Die Bauernregel "Ist‘s im Mai kalt und nass, füllt‘s dem Bauern Scheun‘ und Fass" gilt in diesem Jahr nicht. "Es ist deutlich zu nass für die Landwirtschaft", erzählt Günther Genth, der ehemalige Besitzer der gleichnamigen Gärtnerei, die jetzt von seinem Sohn Andreas geführt wird. "Unsere Pflanzen werden meist in Treibhäusern angebaut, deswegen sind unsere Heizkosten in diesem Jahr enorm. Wir verheizen etwa 20 000 Liter Öl jährlich und diesmal werden es sogar noch mehr werden."

Ein weiteres Problem der Gärtnerei war Grauschimmel, der sich in den Treibhäusern ausgebreitet hatte. "Durch die Kälte und den Regen konnten wir unsere Pflanzen nicht immer ordentlich belüften, dadurch kam es zum Schimmelbefall." Auch der bisherige Umsatz der Gärtnerei ist nicht mit dem Vorjahr zu vergleichen. "Die Leute kaufen weniger, da sie noch Angst haben zu pflanzen. Obwohl die übliche Zeit dafür schon fast wieder vorbei ist."

Auch das "Anbaden" gehört zum Frühling dazu, doch bisher hatten die Zerbster nur an einem Tag die Gelegenheit, sich im Freibad zu tummeln. "An dem besagten Freitag kam aber nur einer unserer Stammgäste und das auch nur um zu schauen, ob tatsächlich geöffnet ist", berichtet Wolfgang Ganzer von den Zerbster Stadtwerken. "Momentan ist die Schwimmhalle noch geöffnet und das Freibad bleibt zu, da wir dort über 12 Grad Wassertemperatur noch nicht hinausgekommen sind. Wir brauchen mindestens 20 Grad Lufttemperatur, damit das Wasser sich noch erwärmen kann. Doch bei den schlechten Prognosen wird es wohl noch eine Weile geschlossen bleiben."

Auch die Terrasse des Eiscafé Frens blieb bis auf einige wenige Tage komplett leer. "Sobald die Sonne mal kurz scheint, gibt es regen Zulauf, als ob die Leute jede Minute des schönen Wetters auskosten müssen", erzählt die Mitarbeiterin Antje Mengewein. "Aber auch an trüben Tagen haben wir ausreichend Kundschaft. Die Leute bestellen dann halt die typischen Winterhits, wie heiße Waffeln, Apfelstrudel oder vieles aus unserem Kaffee- und Teeangebot."

Des Weiteren lassen sich die Stammkunden auch von Regen und Anti-Eis-Wetter nicht abschrecken. "Unsere Stammgäste kommen zum Teil sogar aus Burg oder anderen Orten in der Umgebung hergefahren, um hier zu essen. Aber auch die Betriebe um unserem Café herum bestellen hier regelmäßig Eis, das diese fertig abholen und dann im warmen Büro verspeisen können." Dennoch lohnt es sich an solchen Dauerregen- und Sturmtagen, wie es sie letzte Woche gab, kaum den Laden aufzumachen. "Bei uns ist alles vorbereitet für den Fall, dass mit dem 1. Juni auch tatsächlich der Sommer kommt. Wir stehen schon seit Anfang April in den Startlöchern, aber das Wetter bremst uns immer aus."

So warten Betriebe und Cafés auf die ersten richtigen Sommertage, um endlich richtig loslegen zu können, doch ob tatsächlich mit dem meteorologischen Sommeranfang auch die warmen Temperaturen zu uns kommen, steht noch in den Sternen oder im nächsten Wetterbericht.