Magdeburg (ri) l Ein wenig unscheinbar kommt das Gebäude der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ein paar Meter hinter der Gaststätte am Schiffshebewerk daher. Doch die 14 Schichtleiter haben hier die Verantwortung für nahezu 3000 Kilometer an Wasserstraßen. Sie sorgen für den Informationsfluss und im Fall der Fälle für Streckensperrungen auf der Elbe zwischen deutsch-tschechischer Grenze und dem Elbkilometer 607 bei Geestacht, zwischen dem östlichen Teil des Mittellandkanals zwischen Elbeu und der Oder, zwischen Halle an der Saale und Lübeck. Im Prinzip also fast der gesamte Nordosten Deutschlands.

Einer der Mitarbeiter in der Revierzentrale ist Detlev Matz. Vor ihm bedeckt eine Tafel die ganze Wand. Hier sind die Bundeswasserstraßen in seinem Verantwortungsbereich eingezeichnet. Die Schleusen sind zu sehen, aber auch kleine gelbe Felder mit Nummern. Sieht ein wenig aus wie die Schilder an Bundesstraßen. Detlev Matz erläutert: "Dabei handelt es sich um die Funkfrequenzen, auf denen wir in den jeweiligen Bereichen mit den Schiffsführern in Kontakt stehen."

"Wenn jemand mit dem Auto liegen bleibt, ist das ärgerlich. Beim Schiff ist so etwas eine echte Gefahr."

Keine Kür für neugierige Kapitäne ist das, sondern Pflicht. Die Binnenschiffer sind verpflichtet, auf Empfang zu gehen. Detlev Matz erläutert den Grund dafür: "Wenn wegen einer Havarie oder wegen einer Baustelle eine Strecke gesperrt werden muss, dann informieren wir auf diesem Weg die Binnenschiffer." Und nicht nur das: In einem solchen Fall müssen sie auch die Kollegen vor Ort informieren und gegebenenfalls erste Hilfskräfte aktivieren. Detlev Matz erläutert, warum mit einer solchen Situation nicht zu spaßen sei: "Wenn jemand mit dem Auto liegen bleibt, dann ist das natürlich ärgerlich. Bei einem Schiff ist so etwas eine echte Gefahr." Die Schiffe mit 80 Metern Länge und acht bis neun Metern Breite sind ungleich schwerer zu handhaben als ein Auto, und angesichts der Strömungen und Wassertemperaturen kann im Fall einer zunächst harmlos erscheinenden Havarie schnell Gefahr für Leib und Leben bestehen. Und auch das Wieder-Flottmachen eines havarierten Schiffs ist keine einfache Übung angesichts der Massen an Stahl und Ladung, die von den Helfern bewegt werden muss. Um beim Vergleich zu bleiben: Ein einfacher Abschlepper vom Pannenhilfsdienst reicht da zuweilen nicht aus.

Die Folge dieser Verantwortung: Hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Weihnachten, Silvester, Neujahr, Ostern - das Pult im Norden Magdeburgs ist ständig besetzt.

"Wir ziehen halt an einem Strang im Sinne des Schiffsverkehrs"

An Feiertagen, wenn die Schleuse nicht in Betrieb ist, kehrt am ehesten einmal ein wenig Ruhe ein und es laufen nicht ständig die Funksprüche der Binnenkapitäne auf. Zu denen, berichtet Detlev Matz, bestehe zuweilen eine geradezu freundschaftliche Kollegialität: "Wir ziehen halt an einem Strang im Sinne des Schiffsverkehrs", sagt er.

Ihren Sitz haben in der Revierzentrale übrigens auch jene Kollegen, die für die Wahrschauer-Strecke in Magdeburg zuständig sind. Das ist der Bereich mit dem Domfelsen, in dem die Schifffahrt mit Kameras überwacht und freigegeben werden muss, da hier nur in jeweils einer Richtung die Schiffe aufgrund der engen Fahrrinne fahren können.

Neben der reinen Koordination des Schiffsverkehrs erstellen die Mitarbeiter der Revierzentrale aber auch die Wasserstandsmeldungen für die Binnenschiffe. Deren Besatzungen wissen dann, wie viel Ladung sie auf ihrer Strecke mitnehmen können, ohne auf Grund zu laufen.

"Und ganz wichtig: Schulungen und Streckenbesichtigungen", sagt Detlev Matz, der selbst als Wasserbauer lange Zeit an den Flüssen und Kanälen mit angepackt hat und 1999 in die Revierzentrale gewechselt ist. "Wir müssen schließlich die Strecken gut kennen, um Umleitungen, Sperrungen oder Einsätze koordinieren zu können", sagt er. Und beispielsweise angesichts des weiteren Ausbaus des Elbe-Havel-Kanals - derzeit zum Beispiel an der Schleuse Zerben bei Genthin - gibt es immer wieder Veränderungen an der Wasserstraße, die genau beachtet werden müssen.