Magdeburg. Nein, den Namen Hans Haupt höre sie zum ersten Mal, sagt Martina Wünsch vom Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) auf Nachfrage der Volksstimme. Die Redaktionsassistentin arbeitet im Bereich Familienprogramm. In diesem Teil der Sendeanstalt wird auch das Sandmännchen produziert. Hier gilt Hans Schroeder als Erschaffer von Herrn Fuchs und Frau Elster. Wie sein Enkel am Wochenende mitteilte, ist der Puppenspieler am vergangenen Sonnabend im Alter von 85 Jahren verstorben. 1928 in Stettin geboren, hatte Schroeder von 1956 an für den Deutschen Fernsehfunk in der DDR gearbeitet. Nach der Wende hatte er den damaligen Landessender Brandenburg mitbegründet.

"Gerade hat das 55. Sandmannjahr begonnen", sagt Redaktionsassistentin Wünsch am Telefon. Am 22. November feiert die berühmte Puppe ihren Geburtstag. Mehr als eine Million Kinder schalten in Ost und West tagtäglich vor dem Schlafengehen ein. Herr Fuchs und Frau Elster besuchen im Wechsel mit Pittiplatsch und Plumps jeden Sonnabend das Sandmännchen.

Doch laut Beschlussvorlage DS0514/13 für die Magdeburger Stadträte muss nun vielleicht ein kleiner Teil der deutschen Fernsehgeschichte neu geschrieben werden. Zwar hat die Drucksache nichts mit dem Sandmann oder seinem Geburtstag zu tun. Sie schlägt schlicht die Benennung "einer im B-Plangebiet 451-4 Porsestraße entstehenden Straße als Hans-Haupt-Weg" vor. In der Begründung werden die Verdienste des Magdeburger Puppenspielers und Unterhaltungskünstlers aufgezählt. Höhepunkt seiner Karriere: die Schaffung von Herrn Fuchs und Frau Elster für den Deutschen Fernsehfunk.

Der bereits 1994 verstorbene Haupt (Jahrgang 1927), gelernter Bäckermeister, betreute in der Lemsdorfer Schule das erste Pionier-Marionettentheater der DDR und wirkte als Puppengestalter für das neu gegründete Magdeburger Puppentheater. "Von 1961 bis 1966 arbeitete er an 19 Inszenierungen mit", heißt es in der Begründung. Am Barleber See organisierte Haupt Konzerte, Varieté und Quizveranstaltungen. Als "Käpten Schnorchel" führte er auf einer Seebühne durch ein Kinderprogramm. Mit Figuren von "Hugo Leichtsinn" bis "Campingteufel" brachte er Jung und Alt mit seinen Puppen zum Lachen. Seine bekanntesten Figuren, heißt es in der Beschlussvorlage, waren allerdings Herr Fuchs und Frau Elster für das Sandmännchen des Deutschen Fernsehfunks.

Rückruf vom rbb: "Es tut mir leid, in diesem Zusammenhang taucht der Name in unseren Archiven nicht auf", sagt Redaktionsassistentin Wünsch. Dafür aber der des am Wochenende verstorbenen Hans Schroeder - ebenfalls Puppenspieler. Der spätere Regisseur hatte ursprünglich in Berlin Grafik studiert, ehe er als Szenenbildner für Puppenbühnen und -filme arbeitete. Ende der 50er-Jahre kam Schroeder zum Deutschen Fernsehfunk. Dort sollte er neben der bereits bestehenden Reihe Flax und Krümel eine neue Puppenfilm-Serie für Vorschulkinder ins Leben rufen, heißt es im rbb-Archiv. Er entwickelte die Konzeption für eine Geschichten-Folge der Tierfiguren Kater und Häschen, die menschenähnliche Züge trugen, und legte damit den Grundstein für den Märchenwald. "Um die Handlungen dynamischer und spannender zu gestalten, versuchte er als Autor und Puppenspieler, neben den bereits vorhandenen Charakteren zwei Negativ-Figuren einzuführen", heißt es im rbb-Archiv weiter.

Die erste Figur war Frau Elster, dann kam Herr Fuchs. Neben Schroeder arbeiteten als Puppenspieler seine Frau Gertrud sowie Steffi Blum, Eleonore Mühlpforte und Dieter Pansch, Regisseurin war Dora Pabel. Verschiedener Differenzen wegen sollen Schroeder und sein Kollektiv im September 1957 allerdings das Kinderfernsehen im Streit verlassen haben.

Nachfrage bei einem der Initiatoren der Magdeburger Straßenbenennung, dem Vorsitzenden der GWA Lemsdorf, Denny Hitzeroth. "Ich kann dazu nichts sagen. Da müssen Sie den Leiter des Puppentheaters fragen", sagt er. In der Beschlussvorlage steht, dass er die Haupt-Vita zur Verfügung gestellt habe.

Der Leiter des Magdeburger Puppentheaters, Michael Kempchen, sagt, dass vor zwei Jahren ein Sohn von Hans Haupt auf ihn zugekommen sei, dem Theater den Nachlass hinterlassen habe. "Herr Haupt hat Puppen für das DDR-Fernsehen gebaut", sagt Kempchen.

Also kommen Herr Fuchs und Frau Elster doch auch aus Magdeburg? In der Nähe von Stendal wohnt Ulrich Haupt. "Ja, Puppen waren die große Leidenschaft meines Vaters", so der Sohn des Magdeburger Künstlers. Für die Volksstimme hat der 62-Jährige ein paar Familienfotos herausgesucht. "Ich bin mit 16 zu Hause ausgezogen", erzählt er. An die Liebe seines Vaters zum Puppenspiel kann er sich aber noch gut erinnern. "Das war für ihn wichtig", sagt Haupt.

In dem Familienalbum ist auch eine Fotografie, die seinen Vater gemeinsam mit dem berühmten russischen Puppenspieler Sergei Wladimirowitsch Obraszow zeigt. Direkt unter dem Bild steht handschriftlich vermerkt: "Fuchs, Elster, Igel und vieles mehr 1961 Dff-DDR Anfertigung: Gerdi und ich. 3000 M. Honorar einmalig!". Sohn Ulrich Haupt lacht. "Mein Vater stand immer gern im Mittelpunkt. Ich glaube schon, dass er Herrn Fuchs und Frau Elster auch mal angefertigt hat. Aber Schaffung?", fragt er. Vielleicht sei die Beschlussvorlage für die Straßenbenennung, von der Sohn Haupt erst von der Volksstimmer erfahren habe, etwas zu dick aufgetragen.

Der Sandmann wird täglich im rbb, 17.55, im MDR, 18.50, und im KiKA, 18.50 Uhr, ausgestrahlt.

 

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