Magdeburg | Petra Wiedenbeck weiß noch genau, wie es passiert ist. Es war am vergangenen Mittwoch, früher Nachmittag. Sie hatte aufgeräumt, den Kaffeetisch gedeckt. Nur noch eine Weile, dann würden ihre Schwester, Cousin und Cousine kommen. "Ich habe mich so darauf gefreut", sagt sie.

Ihrer Schwester wollte sie noch ein paar Dinge mitgeben. Die Sachen verstaute sie in einem Karton. "Den wollte ich den Hausflur stellen", sagt Petra Wiedenbeck. Dabei sei ihr die Tür zugeschlagen. "Und da stand ich plötzlich. Im Hausflur. Ohne Schlüssel. Und das, wo doch mein Besuch bald kommen sollte", sagt die Rentnerin, die mittlerweile über ihr kleines Missgeschick lachen kann.

Petra Wiedenbecks Freundin Gitte wohnt im Nachbareingang und hat einen Zweitschlüssel zu ihrer Wohnung. "Also gehe ich zu ihr", sagt die 65-jährige ehemalige Jugendclub-Leiterin. Nur: Gitte ist nicht da. Also muss Petra Wiedenbeck zu ihrer Freundin Bärbel. Der Plan: Gitte auf dem Handy anrufen und sie bitten, dass sie mit dem Schlüssel vorbeikommt. Die Zeit drängt, der Besuch ist nur noch weniger als eine Stunde entfernt.

"Auf dem Weg zurück zu meinem Hauseingang ist es dann passiert", sagt Petra Wiedenbeck. Sie sei ins Stolpern geraten und hingefallen. Mit ihrem rechten Arm konnte sie sich noch abstützen, fiel aber auf das Kinn. "Wie heißt es so schön: voll eins auf die Zwölf", sagt sie und lacht. Weggetreten lag die Rentnerin also an der Ecke Victor-Jara-Straße/ Nerudastraße - bis zwei Schutzengel Petra Wiedenbeck geholfen haben.

Ein junges Paar sah die Rentnerin liegen, half ihr sofort. "Die waren so nett zu mir", sagt sie. Der junge Mann habe ihr erst aufgeholfen, sie zu seinem Auto begleitet. "Da können Sie sich erst mal erholen, hat er zu mir gesagt", erinnert sich Petra Wiedenbeck. Im Auto habe er ihr dann Wasser angeboten. Die Begleiterin des jungen Mannes habe sich in der Zwischenzeit darum gekümmert, dass die Schlüsselübergabe mit Freundin Gitte klappt. "Die beiden haben mich betreut, bis meine Freundin da war. So nette Menschen habe ich lange nicht mehr getroffen", ist sich Petra Wiedenbeck sicher.

Freundin Gitte kam dann tatsächlich wenig später mit dem Schlüssel. Zehn nach zwei Uhr, zwanzig Minuten vor dem Familienbesuch, war Rentnerin Wiedenbeck dann wieder in ihrer Wohnung. "Ich hatte sogar noch Zeit, schnell Kafffee zu kochen", sagt sie.

Fast hätte ihr Besuch von der Hektik nichts gemerkt - wäre da nicht die geschwollene Lippe gewesen. "Erst da war mir aufgefallen, dass ich mich gar nicht bei meinen Rettern bedankt hatte. Ich stand unter Schock und habe das vergessen", sagt Petra Wiedenbeck. Am Tag nach ihrem Sturz hat sie sich deshalb an die Volksstimme gewandt. Die Rentnerin sucht ihre Retter, möchte einfach nur Danke sagen.

Die beiden Schutzengel können sich unter der Telefonnummer 0391/599 93 50 beim Autor dieses Artikels melden.