Magdeburg l 16157 Plätze in Krippe, Kindergarten und Schulhort sahen die Bedarfplaner im Rathaus für 2014 in Magdeburg vor. Zu wenig, befand am Donnerstagabend der Jugendhilfeausschuss und diktierte 391 Krippenplätze dazu.

Mitten ins laufende Kita-Ausbauprogramm platzt der Jugendhilfeausschuss mit einer Draufgabe. Eine Mehrheit der Mitglieder des beschließenden Gremiums (heißt: ein neuerlicher Ratsbeschluss ist nicht erforderlich) folgte der Forderung des Grünen Thorsten Giefers nach einer Neuschaffung von Krippenplätzen über das von der Verwaltung geplante Maß hinaus. Konkret: Das Sozialdezernat, genauer: die Stabsstelle Jugendhilfeplanung, erachtet eine Zahl von 3326 Krippenplätzen in Magdeburg für das laufende Jahr für ausreichend. Allerdings zählt die Stadt insgesamt mehr als 6300 Einwohner im Krippenalter (0 bis 3 Jahre). Die Experten im Rathaus kalkulieren aber damit, dass nur 51 Prozent von ihnen in der Krippe betreut werden sollen und verweisen zur Begründung auf eine entsprechende "Betreuungsquote" in den vergangenen Jahren.

Thorsten Giefers geht bei dieser Rechnung und mit Blick auf rappelvolle Kitas in seiner Heimatstadt die sprichwörtliche Hutschnur hoch. "Ihrer Zeitung war jüngst zu entnehmen, dass im Landesdurchschnitt 57 Prozent der Kinder unter 3 Jahren in Krippen betreut werden", so Giefers gegenüber der Volksstimme. Es sei sehr verwunderlich, dass die Planer vor Ort von einer geringeren Nachfrage in Magdeburg ausgingen, obwohl Geburten- und Beschäftigungsquoten in der Stadt höher lägen als in fast allen Landkreisen. Giefers erinnert an einen vieldiskutierten Mangel der vergangenen Jahre: "Eltern hatten gar keine Chance, in Magdeburg zeitnah einen Krippenplatz zu erhalten." Der Umstand lege einen gravierenden Unterschied zwischen tatsächlicher Inanspruchnahme und Bedarf nahe. Entsprechend plädierte Giefers in einem Antrag an den Jugendhilfeausschuss dafür, die durchschnittliche Landesquote an Krippenkindern "als Minimalvariante" bei der Platzplanung in Magdeburg heranzuziehen. Die simple Rechnung vermehrt den Bedarf an Krippenplätzen in Magdeburg von 3326 (Verwaltungsprognose) um immerhin 391. Eine Mehrheit der Mitglieder im Ausschuss (8 Ja-, 2 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen) folgte Giefers Argumentation und schrieb das Planungspapier um: Mithin wird jetzt ein Bedarf von 3717 Krippenplätzen in Magdeburg ausgewiesen.

In die Hände spielte Giefers zur jüngsten Ausschusssitzung der Auftritt von Heinz Ulrich. Der Betriebsleiter Kommunales Gebäudemanagement (KGM) hat den Hut für den Betrieb der drei neuen Kitas auf, die in städtischer Regie am 3. Februar Eröffnung feiern (Volksstimme berichtete). Ulrich berichtete u. a. vom großen Ansturm auf die knapp 500 neuen Plätze; die Krippenbereiche mussten bereits aufgestockt werden.

Giefers freut sich über seinen "Sieg" im Ausschuss, ist aber zugleich zutiefst verärgert: "Die neue Bedarfsplanung beweist, dass die Verwaltung nichts dazugelernt hat. Es wird weiter wie bisher auf Kante geplant, obwohl die Kapazitätsrechnungen der vergangenen Jahre in die Krise geführt haben. Mir sind aber drei freie Krippenplätze lieber als Eltern in Not." Tatsächlich haben Familien bis heute ihre liebe Not, in Magdeburg Kita-Plätze für ihren Nachwuchs zu finden. Tatsächlich sind fast alle Kitas in Magdeburg qua Befehl überbelegt. Das könne aber - im Sinne der Kinder und Erzieherinnen - nicht zum Normalfall werden, so Giefers.

Und woher die zusätzlichen Plätze so schnell nehmen? Giefers: "Die Verwaltung hat Anträge mehrerer freier Träger auf Erweiterungen oder Neueröffnungen in der Schublade."