Magdeburg l Sterben, Tod und Trauer im Grundschulunterricht? Manch Elternteil zuckt bei dem Gedanken zurück. Was auch verständlich ist, wie Projektkoordinatorin Kathrin Deicke vom Ambulanten Hospizdienst der Pfeifferschen Stiftungen erklärt: "Man will sein Kind ja ganz instinktiv vor Leid schützen." Auch auf einem Elternabend für die Klasse 3b der Evangelischen Grundschule gab es im Vorfeld entsprechende Vorbehalte.

Klassenlehrerin Manuela Gehlhaar war anfangs ebenfalls skeptisch. "¿Muss das jetzt sein?\', hat man zuerst gedacht. Doch nach ein paar Minuten nachdenken war klar: Ja!", erzählt sie. Noch sind die meisten Kinder nicht mit dem Thema Tod in Kontakt gekommen. "Doch das kann morgen schon anders sein", erinnert sie. Wenn sie dann ein Stück weit darauf vorbereitet sind, kann das auch für die Familien entlastend sein. "Wir waren auf keinen Fall nur fünf Tage lang traurig", stellt sie klar.

Mit vier ehrenamtlichen Kolleginnen arbeitete Kathrin Deicke in der vergangenen Woche täglich mit den Schülern der 3b. Um "Werden und Vergehen" ging es am Montag. Mit eigenen Babyfotos und aktuellen Bildern sollten die Kinder die Veränderungen des Lebens erkennen. Am zweiten Tag beantwortete eine Ärztin alle Fragen der Kinder rund ums Kranksein.

Sterben und Tod standen am Mittwoch im Mittelpunkt, u.a. wurde ein Film aus der Reihe "Willi will\'s wissen" gezeigt. Die Schüler lernten Bestattungsrituale kennen und sprachen mit ihren Eltern über die Angst vor dem Tod. Schließlich ging es um das Traurigsein und Trost und Trösten. Aber nicht nur bei Trauerfällen, sondern auch ganz allgemein bei Situationen im Schulalltag, in denen man Trost sucht oder spendet.

Mit Tränen Gefühle zeigen

Gerade am dritten Tag flossen auch einige Tränen, wenn es z.B. um den verstorbenen Opa ging. "Aber Tränen sind ja auch nicht schlimm", sagt Kathrin Deicke, "wir wollen die Kinder ermutigen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen." Mädchen hätten öfter geweint als die Jungen, diese wurden dafür aktiver.

Gestern waren die Eltern zu einem "Fest des Lebens" eingeladen, um zu sehen, was ihre Kinder in der Woche gemacht haben. Bei einem "Lastentanz" schüttelten sie in immer schneller werdenden Runden die Lasten der Woche von sich. Auch für die Hospizmitarbeiter waren die Tage eine "zauberhafte Erfahrung" wie Kathrin Deicke sagt: "Wir haben viel für uns mitgenommen."

Projekt auch an anderen Schulen

Das 2005 vom Hospizverein Düren initiierte Projekt "Hospiz macht Schule" wurde vom Ambulanten Hospizdienst erstmals in Magdeburg durchgeführt. Es ist als Prävention gedacht."Wir wollen den Kindern eine Ahnung davon geben, dass Sterben und Tod zum Leben dazugehören und ihnen so einen ungezwungenen Umgang damit ermöglichen", erklärt Kathrin Deicke. Das Fernziel sei es, eine Generation heranwachsen zu sehen, die völlig unbekümmert mit dem Thema umgeht. Nach den positiven Erfahrungen soll das Projekt auch in anderen Schulen weitergeführt werden. "Wer Interesse hat, kann sich einfach bei uns melden", sagt sie.

Kontakt unter Telefon 8505235 oder 0162/1397617.

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