Magdeburg l Den Schlusspunkt unter die mehr als einstündige und äußerst hitzige Debatte setzte nach dem ergangenen Pro-Werkstraße-Beschluss der auch für Liegenschaften zuständige Finanzbeigeordnete Klaus Zimmermann (CDU) mit einer persönlichen Erklärung: "Die Kündigungen an die Kleingärtner gehen dann in den nächsten Tagen raus. Ich möchte Sie darauf nur deutlich hinweisen, auch weil Sie sich im Wahlkampf befinden." Die Warnung vor dem Kleingärtner-Zorn hatte bereis zuvor Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ergehen lassen: "Meine Stimme gebe ich für diese Bauvariante nicht. Sie ist nicht mit den Kleingärtnern abgestimmt. Wenn Sie trotzdem so beschließen, muss klar sein, wer dafür die Verantwortung trägt." Trümper jedenfalls will sie nicht übernehmen. Er ist für die Werkstraße, aber mit seinem Vorschlag für eine Trassenführung vorbei am Gartenland unterlegen.

Von vorne: Kaum jemand im Stadtrat - Gartenland hin oder her - hätte den Straßenbau in Zweifel gezogen, stünde felsenfest, dass der Industriepark ihn nötig hat, auf dass er gedeihe. Hier werden tonnenschwere Großteile für Steinmühlen ebenso produziert wie Riesen-"Füße" und Rotorblätter für Enercons Windräder. Der Transport der Teile über Straße und Schiene ist aufwendig; er braucht eine gut ausgebaute Infrastruktur. So weit. Wäre nun nicht sowohl im Bauausschuss als auch in einer Bürgersitzung vor Ort eben der Industriepark-Geschäftsführer aufgetreten und hätte zu Protokoll gegeben, dass die Unternehmen auch mit den vorhandenen Wegen auskämen, den Neubau nicht zwingend nötig hätten, ihn aber wohl gerne nutzen würden, wenn die Stadt ihn schon mal zu bauen bereit sei. Seine Ansage wurde von Straßenbau-Gegnern vornehmlich der Linken wieder und wieder zitiert. Einzig OB Trümper gestattete sich einen zielgenauen Konter: "Ist doch klar, dass die das sagen. Sonst müssten sie die Straße ja selbst bezahlen." Jugendpartei-Rat Mirko Stage gestand eine Verwirrung, die später auch FDP-Mann Helmut Hörold teilte: "Bis gestern fand ich das Projekt super, heute habe ich mehr Fragen als Antworten."

Der Wirtschaftsbeigeordnete Rainer Nitsche (CDU) trug wenig zur Aufklärung bei. Er beharrte wider den Industriepark-Chef, dass die Unternehmen sehr wohl zwingend auf die Straße angewiesen seien und die Investitionsbank für ihren Bau zudem auf städtische Bitte einen positiven Födermittelbescheid avisiert habe. Nitsche: "Wir müssen den Antrag nur ganz schnell einreichen." Und nein, so Nitsche, die Straße könne auch nicht - wie von Räten der CDU und der SPD gewünscht - so mir nichts, dir nichts für die öffentliche Nutzung freigegeben werden; jedenfalls nicht, ohne die Fördergeld-Geber vom Land zu düpieren. "Sie ist als Werkstraße beantragt und wird nur als Werkstraße genehmigt. Soll sie öffentlich genutzt werden, fangen wir alles von vorne an."

Eine überwiegend von CDU und SPD getragene Mehrheit machte den Weg zur neuen Werkstraße für den Abtransport von schwergewichtigen Produktionsgütern aus dem Sket-Industriepark schließlich frei und wählte dafür die längste und teuerste Bauvariante 3, eben jene, die auch über Gartenland führt. Sie ist beschlossene Sache, auch wenn sich 16 Räte mit Nein gegen den Bau stemmten; 4 Enthaltungen.

Immerhin die Anlieger der Gustav-Ricker-Straße dürften sich freuen. Sie werden vom Schwerlastverkehr entlastet. An der auch ansonsten misslichen Verkehrslage in Südost ändert die Werkstraße wenig.

   

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