Magdeburg l Das Jugendamt geht davon aus, dass Krippenplätze nur für gut die Hälfte (51 Prozent) der ein- bis dreijährigen Magdeburger vorgehalten werden müssen. Für 6333 junge Elbestädter dieser Altersgruppe wird mit 3326 Plätzen kalkuliert. Das Stadtoberhaupt ist "gespannt", ob sie reichen. Der Jugendhilfeausschuss ist sicher, sie reichen nicht und beschloss auf Antrag von Thorsten Giefers eine Draufgabe von genau 391 Plätzen (Volksstimme berichtete). Die entsprächen einer 57-prozentigen Versorgung; sie gilt als Landesmittel in Sachsen-Anhalt. Der Grund für den in unserer Region gering anmutenden Bedarf liegt im Umstand, dass die Mehrheit der Mütter im ersten Lebensjahr des Kindes von der bezahlten Elternzeit Gebrauch macht; für die ab Zweijährigen ist der Krippenbesuch Usus. Ab einem Alter von drei besuchen fast alle Magdeburger Kinder (94 Prozent) den Kindergarten.

Dass Probleme bei der Suche nach einem Krippenplatz in der Stadt bis heute - auch nach massiven Ausbauanstrengungen der Stadt - Realität sind, dafür ist die Überlastung der Krippenbereiche in den drei kommunalen Kita-Neubauten schon vor ihrer Eröffnung am 3. Februar ein ziemlich sicheres Indiz. Auch sie war Grund für die weitere Ausbauforderung des Jugendhilfeausschusses.

"Von ihr bin ich selbst aus der Zeitung überrascht worden", gestand OB Lutz Trümper (SPD) zur jüngsten Ratssitzung. Bereits zuvor hatte er - wiederum via Zeitung - den Ausschuss wissen lassen, was er von seinem Beschluss hält: sinngemäß nicht viel. Er habe "baulich und finanziell keine Relevanz".

Die Trümper-Parade bot dem Erfinder der Ausbaubotschaft eine Steilvorlage für eine Intervention im Stadtrat. Grünen-Stadtrat Thorsten Giefers, Autor des im Jugendhilfeausschuss beschlossenen Ausbauantrages, holte zur rechtlichen Belehrung aus und fragte das Stadtoberhaupt, ob ihm die bundesgesetzlich verankerte Bedeutung des Ausschusses nicht bewusst sei. Er gilt, im Gegensatz zu anderen Ausschüssen des Stadtrates, als ein Teil der Verwaltung, genauer des Jugendamtes, und kann Verwaltungshandeln diktieren. Jawohl, so Trümper, das wisse er, nur könne der Ausschuss eben keine millionenschweren Investitionen alleine befehligen. Das sei immer noch Sache des Stadtrates. Jawohl, konterte Giefers, dann müsse doch nun das Jugendamt - in Umsetzung des Beschlusses im Ausschuss - einfach ein entsprechendes Beschlusspapier für den Stadtrat fertigen. Trümper: "Da haben Sie völlig recht. Wenn das Jugendamt auch meint, wir müssen an der Bedarfsplanung etwas ändern, dann müssen die das tun." Der Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning machte auf einen Meinungswandel im Amt qua Ausschuss-Veto indes wenig Hoffnung: "Die Verwaltung ist veranlasst, nach der bestehenden Prognose weiterzuverfahren." Der Stadtrat könne ja anders beschließen. Brüning: "Aber ich möchte Sie auf die Kosten hinweisen." Trümper wirft als Schätzung für den Neubau von 391 Krippenplätzen runde zehn Millionen Euro in den Ring: "unmöglich".

Fazit: Die Kitas in Magdeburg sind voll bis überfüllt - etliche arbeiten mit Sondergenehmigungen zur maßvollen Überbelegung - und sie werden es bleiben. Die Bedarfsplanung des Jugendamtes kalkuliert die Enge ein, weil sie - wie Brüning im Stadtrat bestätigte - jene Kinder zählt und zum durchschnittlichen Bedarf erhebt, die in den vergangenen Jahren in einer Kita sozusagen unterkamen. Just die Jahre seit 2010 gingen aber als Kita-Krisenjahre in die Stadtgeschichte ein und bereiten Eltern bis heute Probleme, einen Kita-Platz zu finden.

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