Magdeburg l Die Sieverstorstraße ist seit Jahren eines der größten Ärgernisse aus städtebaulicher Sicht. Während an vielen Ecken in der Alten Neustadt saniert und neu gebaut wird, dümpelt die einstige Handwerkermeile mit der riesigen Brache der ehemaligen Börde-Brauerei vor sich hin. Immer wieder berichtete die Volksstimme über Knatsch zwischen Eigentümer und Stadt.

Nun sieht es so aus, als ob es endlich vorangehen könnte. Zumindest die baulichen Voraussetzungen für einen Neuanfang sind gegeben, wie die Eigentümer, das Vater-Sohn-Gespann Georg Beckers Senior und Junior, gegenüber der Volksstimme erklären: "Wir verfügen über einen positiven Bauvorbescheid für eine straßenbegleitende vier- bis fünfgeschossige Bebauung entlang der südlich gelegenen Sieverstorstraße." Bis in eine Tiefe von 30 Meter kann das Gelände der Börde-Brauerei bebaut werden. Vorausgesetzt, es findet sich ein finanzkräftiger Investor, der sich des Projekts annimmt. Bis auf das Grundstück und den Bauvorbescheid gibt es noch nichts Konkretes.

Konkretere Pläne gebe es jedoch für das benachbarte Rayonhaus und zwar für den Wiedereinzug eines Kindergartens. "Da war auch schon zu DDR-Zeiten eine Kita drin", erklärt Beckers sen. Zwei Träger, die sich für das Objekt interessieren, gebe es bereits. Doch beide stehen auf der unlängst im Stadtrat verabschiedeten "Warteliste" für potenzielle Neueröffnungen. Einerseits könnte somit die aktuell wieder aufflammende Debatte um mangelhafte Platzversorgung dem Projekt neuen Antrieb geben. Andererseits macht ein Blick durch die eingeworfenen Scheiben auf die herabgestürzte Decke deutlich: Hier muss viel investiert werden. Dennoch glauben die Beckers an die Idee und verweisen auf das MWG-Projekt an der Pappelallee (Volksstimme berichtete), wo ebenfalls Wohnbebauung und Kita Hand in Hand gehen.

Problem bei der Vermarktung sei der fehlende Bebauungsplan für das restliche Brauereigelände. Ohne den wären potenzielle Investoren verunsichert. "Die Leute warten auf den B-Plan", sagt Beckers senior. Dessen Bearbeitung sei aber erst vor kurzem wieder aufgenommen worden.

Mit dem Verkauf des Brauereigeländes wollen die beiden auch die nötigen Mittel für die Sanierung des TGA-Gebäudes am anderen Ende der Straße bekommen. Nachdem es im vergangenen Sommer durch das Kunstfestival "Mystique" kurzzeitig in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte, wartet es nun wieder still und stumm auf eine Nachnutzung. Studentenwohnungen wären laut Beckers jun. angesichts der Nähe zur Uni denkbar.

Auch die Eigentümer der anderen Häuser würden dann sicher in deren Sanierung investieren, ist er sich sicher. Die Entwicklung im direkten Umfeld sei doch bereits sehr positiv, so Beckers. "Wir und weitere Investoren sind tatkräftig dabei, diese Entwicklung auch auf die Sieverstorstraße zu übertragen", erklärt er.

Der Magdeburger Beigeordnete für Stadtentwicklung, Dieter Scheidemann, hält sich auf Nachfrage zu der Entwicklung des Areals bedeckt. "Die Stadtverwaltung ist grundsätzlich daran interessiert, dass die Brachfläche in der Sieverstorstraße wieder einer Nutzung zugeführt wird. Die Entwicklung und Bebauung kann jedoch nur durch die Eigentümer erfolgen", erklärt er nur. Konkrete Konzepte seien ihm jedoch nicht bekannt.