Magdeburg l Mit einem Ausflug in "Das bizarre Sexualleben der Tiere" hat der Magdeburger Direktor Dr. Kai Perret in der vergangenen Woche höchstselbst das Vortragsjahr 2014 im Magdeburger Zoo eröffnet. Die Themenwahl sieht er dabei nicht allein als Anlass für menschliches Staunen, sondern vielmehr ganz im Sinne des Bildungsauftrags des Magdeburger Zoos: "Ich habe mich in meiner Forschungsarbeit mit dem Verhalten von Tieren beschäftigt - und ohne Zweifel lassen sich zwischen deren Gewohnheiten und denen der Menschen wenn schon nicht unbedingt Parallelen, zumindest aber eben Vergleiche ziehen", sagt der Zoodirektor.

Als Beispiele nennt er so die Ägyptische Sundevall Rennmaus: Bis zu einhundert Mal pro Stunde gibt es bei diesem Nager Deckakte. "Das ist unerreichbar für die menschliche Natur", kommentiert Kai Perret diese tierischen Sexualpraktiken. Eine besondere Ausdauer weit über dem Vermögen des Menschen zeigt indes die Stabheuschrecke: Das Männchen heftet sich an sein auserwähltes Weibchen und bleibt dort bis zu zehn Wochen. In dieser Zeit begattet es sein Weibchen immer wieder. Und die Konkurrenten bekommen in dieser Zeit keine Chance, zum Zug zu kommen.

Ganz und gar nicht so weit vom menschlichen Werben um die Partnerin zeigt sich derweil das Verhalten der Paradiesvögel: Um die Gunst eines Weibchens zu gewinnen, gibt es hier eine Art "Ritterturniere". Die Turnierplätze werden geschmückt, und während ihrer Darbietungen knicksen die Männchen in Richtung der Weibchen. Je stattlicher sich der Brautwerber aufplustern kann und je besser er sich von der farbenfrohesten Seite präsentiert, je größer seine Chance in der Balzzeit.

Ein Blick in den aktuellen Jahreskalender zeigt derweil, dass sich die Referenten in den ersten Monaten des Jahres einem noch breiteren Spektrum im Leben der Tiere in menschlicher Obhut ebenso wie in der Wildnis widmen werden als allein dem bizarren Sexualleben - siehe Infokasten. Die Veranstaltungen finden jeweils in der Zoowelle - dem Empfangsgebäude der Einrichtung unweit des neuen Parkplatzes Am Vogelgesang und der Straßenbahnhaltestelle Zoo - statt. Der Eintritt zu den Vorträgen ist jeweils frei.

Aquarien Europas und Asiens
Termin: 7. März, 17 Uhr
Referent: Dr. Jürgen Lange, ehemaliger Direktor Zoologischer Garten Berlin

Rund 600 Schauaquarien gibt es weltweit. In ihnen spiegelt sich neben der Vielfalt der Unterwasserwelt auch die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung an den Standorten wider. Die Bandbreite der Schauaquarien reicht vom Kulturdenkmal mit Schmuckelementen vergangener Epochen bis hin zu hypermodernen Publikumsmagneten.

Neben den europäischen Schauaquarien mit ihrer langen Tradition und hoher Qualität richtet Jürgen Lange sein Augenmerk derzeit auf Japan. Der Grund: Sehr unterschiedliche Meere mit einer außerordentlich artenreichen Fauna bieten für den Inselstaat einen besonderen Rahmen. Zudem ist das Interesse des Publikums in Japan besonders groß.

Tamarine - Affengnome im Amazonasregenwald
Termin: 28. März, 17 Uhr
Referent: Prof. Dr. Eckhard W. Heymann, Abteilung Verhaltensökologie & Soziobiologie - Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ)

Tamarine leben hauptsächlich in den Regenwäldern des westlichen Amazonas.Tieflands. Seit vielen Jahren untersucht das DPZ Verhalten und Ökologie von zwei Arten der kleinen Neuweltaffen. Standort ist die Estación Biológica Quebrada Blanco im Nordosten Perus. Die Forscher konzentrieren sich unter anderem auf das Sozialverhalten und die Kommunikation, Nahrungsökologie und Raumnutzung sowie Räuber-Beute-Beziehungen.

Eckhard W. Heymann stellt die biologischen Besonderheiten und die Lebensweise von Tamarinen vor und berichtet über Methoden, Ergebnisse und Abenteuer der Feldforschung.

Kranichwelten - Eine Reise mit den Vögeln des Glücks durch Europa
Termin: 25. April, 17 Uhr
Referent: Dr. Günter Nowald, Leiter des Kranich-Informationszentrums Groß Mohrdorf

Mit einer musikalisch umrahmten Bildershow nimmt Günter Nowald die Besucher mit auf die Reise durch die Welt der Kraniche auf ihrem westlichen Zugweg. Die Route führt von Überwinterungsgebieten in der Extremadura in Spanien über die Laguna de Gallocanta nördlich von Madrid, Arjuzanx im Südosten Frankreichs und den Lac du DerChantecoq bis hin zu den Brutgebieten in Mecklenburg-Vorpommern und Schweden.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Abseits dieser Wissenschaftsabende kostet der Eintritt übrigens für Erwachsene acht, für Schüler, Studenten, Schwerbehinderte, Sozialpassinhaber und Senioren sechs und für Kinder von vier bis sechs Jahren vier Euro. Jahreskarten gibt es für 30, 23 und 15 Euro. Familien- und Gruppenkarten ergänzen das Angebot. Geöffnet ist das Zoogelände täglich von 9 bis 17 Uhr.

Mehr im Internet unter www.zoo-magdeburg,de. Der Besucherservice ist unter Telefon 0391/280 90-25 55 zu erreichen, der Zooladen, auch mit Angeboten für Kindergeburtstage unter -2525.