Magdeburg l Unter dem Messma-Bau an der Schönebecker Straße schlummern noch immer Altlasten wie Öle und Schwermetalle. Wie die Stadt bestätigte, durften die Investoren wegen fehlender Genehmigungen den Boden des ehemaligen Messgerätewerkes nur bis 4,80 Meter abtragen und sanieren. Grund waren unter anderem strenge Lärmschutzauflagen. Auswirkungen auf die Umwelt sollen nun zum Beispiel durch Abdichtungen verhindert werden. Weitere Untersuchungen sollen klären, ob zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. Stadt und Projektgesellschaft gehen derzeit allerdings nicht davon aus.

Hintergrund: Das ehemalige Messgerätewerk Erich Weinert wird von den Behörden in der Datei "schädlicher Bodenveränderungen und Altlasten" geführt. Bei der Untersuchung des Untergrunds war vor Baubeginn eine Belastung des Bodens und des Grundwassers im Bereich ehemaliger Lösungsmitteltanks mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) festgestellt worden. Außerdem wurden punktuelle Bodenkontaminationen mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) und Schwermetalle entdeckt. "Ein Grund dafür ist die langjährige industrielle Nutzung des Geländes, wobei der Schwerpunkt auf der Metallver- und -bearbeitung bei der Armaturenherstellung lag", sagt Stadtsprecher Michael Reif der Volksstimme.

Um auf dem Gelände bauen zu dürfen, wurden den beiden Investoren - zwei Magdeburger Unternehmer - von der Unteren Naturschutzbehörde Auflagen erteilt. So musste etwa der Boden in den betroffenen Bereichen saniert werden. Allerdings nur bis zu einer Tiefe von 4,80 Meter. "Aus Lärmschutz- und bautechnischen Gründen konnte keine größere Tiefe saniert werden", so Reif. Der Chef der Messma-Projektgesellschaft, René Bentzen, bestätigte der Volksstimme, dass so Restbelastungen im Boden bleiben mussten. Das Gelände und angrenzende Bauten sollen nun durch "Präventivmaßnahmen" geschützt werden. Eine dieser Aktivitäten ist beispielsweise die Kellerabdichtung angrenzender Gebäude. Alles, was an Altlast unterhalb der Grenze von 4,80 Meter liegt, steckt noch im Boden - und soll dort auch bleiben.

Aus diesem Grund wird das Gelände weiterhin bodenschutzrechtlich beobachtet. Von Seiten der Stadt heißt es, dass zusätzliche Untersuchungen von Grundwasser und Bodenluft vorgesehen seien, um das verbliebene Schadstoffpotenzial zu ermitteln. "Im Anschluss an die vom Investor vorzunehmenden Untersuchungen wird festgelegt, ob und in welchem Umfang weitere Maßnahmen zur Gefahrenabwehr notwendig sind", sagt Michael Reif.

Allerdings, und das ist die positive Nachricht, geht man bei der Stadt nach derzeitigem Kenntnisstand nicht davon aus, dass von den Restbelastungen Gefahren für die Wohnbebauung des Messma-Geländes ausgehen. Vom Land Sachsen-Anhalt liegt laut Immobilien-Makler auch eine Altlasten-Befreiung vor. Neben den 160 Wohnungen sind in dem Messma-Wohnpark auch acht Einfamilienhäuser geplant. Laut Projektgesellschaft soll noch in diesem Jahr alles fertig und alle Wohnungen an die Mieter und Eigentümer übergeben werden.