Magdeburg | Uwe Heindorf ist ein hervorragender Koch. Doch was der 49-Jährige manchmal zubereitet, ist weniger zum Essen gedacht. Vielmehr kreiert er einen Augenschmaus. Seit gut 15 Jahren fertigt der Niederndodelebener kunstvolle Figuren aus Obst und Gemüse. Bis vor Kurzem war er im Dienste des Schönebecker Restaurants "Weltrad", gesundheitsbedingt muss er eine berufliche Pause einlegen. Am vergangenen Sonnabend hat der Meister seines Faches trotz Geburtstag und Knieschmerzen im Allee-Center einen Einblick in seine Arbeit gegeben. Und auch am kommenden Freitag und Sonnabend ist er dort wieder anzutreffen. Den Besuchern zeigt er, wie aus Honigmelonen Dahlien werden und aus Roter Bete täuschend echte Rosen.

Wer möchte, kann zudem selbst die Gemüse-Späne fliegen lassen. "Ein paar Grundtechniken gebe ich gern mit auf den Weg, wer mehr lernen will, kann im April einen meiner Schnitzkurse besuchen", erklärt er. In drei Tagen lehre er darin die sieben Grundtechniken des Obst- und Gemüseschnitzens. Bis zur Perfektion sei es eine Sache der Übung.

Er selbst sei vor gut 15 Jahren auf einer Messe auf die Schnitzkunst aufmerksam geworden. "Ich habe damals den zweifachen Weltmeister Xiang Wang bei seiner Arbeit beobachtet. Als ich mich für das Schnitzwerkzeug interessiert habe, sagte er, ich würde das sowieso nicht können. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen." Sein Ehrgeiz war geweckt.

Zunächst habe er Dahlien aus Äpfeln und Blüten aus Rüben gefertigt und diese im Restaurant ins Buffet eingearbeitet. Die Gäste fanden Gefallen daran, so dass er motiviert war, sich noch intensiver damit zu beschäftigen - im Selbststudium. Nach einigen Jahren traf er Xiang Wang auf einer Messe wieder und zeigte, dass er es eben doch gelernt hat. Wang nahm ihn in sein Team mit auf.

2010 nahm Uwe Heindorf an der "Culinary Trophy" in Stuttgart teil, von der er sechs Medaillen mit nach Hause brachte - darunter zweimal Gold. Eine nackte Frau aus Margarine sicherte ihm den ersten Platz. Seither ist es für ihn eine Art Passion, Obst- und Gemüse kunstvoll zu präsentieren. Kaum eine Familienfeier, auf der er nicht gebeten wird für die "Essthetik" der Dekoration zu sorgen, kein Gericht, in dem seine Teller nicht kunstvoll garniert über den Tresen gehen. Lediglich an Wettbewerben nehme Uwe Heindorf nicht mehr teil: "Titel sind brotlose Kunst", sagt er.

Inzwischen beherrscht auch sein 16-jähriger Sohn Max das Schnitz-Handwerk. "Das hat er sich nebenbei abgeguckt." So, wie sich Uwe Heindorf einst als Kind das Schnitzen von seinem Vater abschaute; damals allerdings mit Holz.

Geschaut, das haben am vergangenen Wochenende auch die Besucher des Allee-Centers. "Haben Sie sich schon mal geschnitten?", sei er von ihnen oft gefragt worden. Ebenso oft antwortete er, dass man sich mit scharfen Messern nie schneidet.

Interessierte können Uwe Heindorf am Freitag und Sonnabend in der Zeit von 10 bis 18 Uhr im untersten Geschoss des Allee-Centers beim Schnitzen auf die Finger schauen oder sich selbst daran versuchen.