Von der Steinzeit über die Reformation bis zum Ersten Weltkrieg: Das Kulturhistorische Museum Magdeburg plant in den nächsten Monaten neue Ausstellungen. Hinter den Kulissen steht unterdessen der künftige Star des Hauses bereit.

Magdeburg l Einer von vielen Höhepunkten des Jahres im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ist der 6. November. Mit der Ausstellungseröffnung "Am Vorabend der Reformation. Alltag und Frömmigkeit in Mitteldeutschland" zeigt das Haus eine Wanderausstellung in Kooperation mit den Museen in Mühlhausen und Leipzig.

"Im mitteldeutschen Raum, dem Mutterland der Reformation, fehlt es bisher an Untersuchungen zur praktisch gelebten Frömmigkeitskultur des Spätmittelalters", sagt Museums-Direktorin Gabriele Köster. Mit der Wanderausstellung soll die religiöse Alltagspraxis des späten 15. und 16. Jahrhunderts für ein breites Publikum wiederentdeckt werden. Gezeigt werden beispielsweise seltene Figuren, Kelche, Grabbeilagen.

Im Land soll es parallel zur Ausstellung auch eine Reihe von Korrespondenzorten geben. Derzeit wird geprüft, welche Städte dafür in Frage kommen. Im Gespräch sind etwa Werben, Quedlinburg und Merseburg. Steht der Plan, soll auch eine Art Reiseführer herausgegeben werden. "Unser Ziel ist es auch, die Besucher aufs Land zu schicken. Wer alle Orte abfährt, lernt Sachsen-Anhalt kennen", sagt Gabriele Köster.

So etwas Ähnliches gibt es im Kulturhistorischen Museum bereits. So können Besucher etwa die Originalschauplätze der ottonischen Geschichts- und Erinnerungsorte in Sachsen-Anhalt kennenlernen. Das reicht vom möglichen Geburtsort Ottos des Großen in Wallhausen über seine Bistumsgründung Merseburg und Halberstadt bis Memleben, Sterbeort Ottos des Großen. Das Zentrum bildet Magdeburg, die Lieblingspfalz Ottos.

Nun ist das Magdeburger Museum auch ein Zweispartenhaus. Im naturkundlichen Teil eröffnet in diesem Jahr ein weiterer Abschnitt der aufwendigen Dauerausstellung. Voraussichtlich ab Mitte des Jahres gibt es dann den Themenkomplex "Lebensraum Mittlere Elbe" zu sehen. In diesem Jahr wurde dort bereits der Harz-Raum für die Öffentlichkeit freigegeben.

Hinter den Kulissen arbeiten die Restauratoren unterdessen an dem künftigen Star des Museums: einem riesigen eiszeitlichen Hirsch (siehe Foto). Das Exponat soll dann im letzten Teil der Dauerausstellung zu sehen sein. Das wird voraussichtlich ab 2015 der Fall sein.

Mit den vielen Ausstellungen neigt sich auch der Umbau des Museums dem Ende entgegen. Erst Mitte Dezember vergangenen Jahres wurde etwa der größte Teil des Gedächtnisses der Landeshauptstadt eröffnet. Auf mehr als 600 Quadratmetern können Besucher die Geschichte der Stadt von der Reformation bis zum Aufbruch ins Industriezeitalter verfolgen. Eine Besonderheit der Schau ist der Einsatz neuer Medien. An mehreren Touchscreens, iPads und Hörstationen wird Geschichte erlebbar. So können Besucher beispielsweise in einer digitalen Ausgabe der Magdeburger Zenturien (1559 - 1574) blättern. Dabei handelt es sich um die erste protestantische und in lateinischer Sprache abgefasste Kirchengeschichte. Im Abschnitt "Frühe Neuzeit" ist nun auch dauerhaft das Gemälde "Die Spende des Abendmahls durch Luther und Hus" eines unbekannten Meisters der Cranach-Schule zu sehen. Ein Film mit bewegten Kupferstichen, der die dramatischen Szenen bei der Eroberung Magdeburgs durch Tilly 1631 vor Augen führt, wird ebenfalls gezeigt.

Aber das Museum will sich mit zahlreichen Vorträgen auch schwierigen Themen widmen. Höhepunkt ist ein Vortrag über jüdische Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung. "Wir wollen auch der Frage auf den Grund gehen, warum damals in der Bevölkerung so eine Kriegsbegeisterung herrschte - quer durch alle Schichten", sagt Köster.

 

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