Magdeburg l Ein Mann ringt um sein Lebenswerk, kämpft um seinen "heiligen Garten", wie er ihn liebevoll nennt. Den führte Wolfhard Felsch vergangene Woche schon der Volksstimme und einem Fernsehteam des MDR vor. Am Montag filmte das ZDF.

Felsch selber lief gestern mit schriftlichen Widersprüchen in der Hand beim Stadtverband der Gartenfreunde und im Büro des Oberbürgermeisters auf. Der 57-Jährige führt die "Wutgärtner" aus Magdeburg-Süd an.

Parzelle im "Hopfengarten" ist Familientradition


So lange er denken kann verbringt Wolfhard Felsch die Sommer in der Kleingartenanlage "Am Hopfengarten". Schon die Großeltern hatten hier ein Gärtchen, die Eltern ebenso. Seit mehr als 30 Jahren hat Wolfhard Felsch selbst einen Kleingarten in der Anlage gepachtet. Den soll mal sein Sohn erben.

Doch wenn es nach einem Beschluss des Stadtrates geht, wird es für Felsch und Co. der letzte Sommer im Hopfengarten. Seinen Garten soll es schon bald nicht mehr geben. Zum 30. November müssen 50 Gartenfreunde ihre Parzellen räumen. Dort soll eine sogenannte Werkstraße - ein Transportweg für den Sket-Industriepark - gebaut werden.

"Und nun soll mein heiliger Garten zubetoniert werden."
Kleingärtner Wolfhard Felsch

Der Grundsatzbeschluss fiel nach langer, heftiger Ratsdebatte am 23. Januar. Einige Tage später erhielten die Kleingärtner ihre Kündigungen vom Verband der Gartenfreunde, der als Zwischenpächter fungiert.

Ortstermin gestern Mittag in der Verbandszentrale. Felsch breitet vor der Vorsitzenden Ute Simon die Schriftstücke aus. 20 Gärtner legen damit Widerspruch ein. Weitere werden nachziehen, ist sich Felsch sicher.

"Uns wurde gesagt, es gibt einen Bestandsschutz für unsere Gärten, darauf haben wir vertraut und investiert. Ich habe erst 1500 Euro in ein neues Dach gesteckt. Und nun soll mein heiliger Garten zubetoniert werden", faucht Felsch die Verbandschefin an. Auf sie sind die Hopfengärtner ebenso sauer: "Wir wurden von Ihnen nicht informiert."

Ute Simon stellt sich der Kritik, reagiert besonnen. Sie erklärt, im Dezember eine erste Anfrage aus der Stadtverwaltung erhalten zu haben. "Die wollten von mir wissen, wie die Belegungssituation in der Sparte ist. Ich wollte aber erst einmal wissen, worum es geht." Das habe ihr bei einem Treffen am 15. Januar dann der Baubeigeordnete genau erklärt. "Da hieß es aber, die Stadtverwaltung favorisiert für den Straßenbau die Variante 2b", sagt Ute Simon. Diese sah vor, die Straße an der Gartenanlage vorbeizuführen. Auch OB Lutz Trümper warb im Stadtrat für diese - die kostengünstigere - Variante.

"Wir wurden selbst nicht rechtzeitig über die zu erwartenden Konsequenzen informiert."
Ute Simon, Vorsitzende des Verbands der Gartenfreunde Magdeburg

Entsprechend habe sie auch den Vorsitzenden des Gartenvereins "Am Hopfengarten" informiert, so Simon. Die Botschaft sinngemäß: kein Grund zur Aufregung.

Es kam anders. Eine Stadtratsmehrheit, getragen hauptsächlich von CDU und SPD, entschied für den Straßenbau auf Gartenland. Diese Variante sei baulich besser (gerader statt kurvenreicher Verlauf) und befreie die Wohnsiedlung an der Gustav-Ricker-Straße vom Schwerlastverkehr, so die Begründung. Eine Abwägung zwischen Anwohner- und Gärtnerwohl. Die Gartenfreunde zogen den Kürzeren.

Garten noch nicht abgeschrieben


Davon sei sie selbst "überrascht worden", erklärt die Verbandschefin der Gartenfreude: "Wir wurden selbst nicht rechtzeitig über die zu erwartenden Konsequenzen informiert", so Ute Simon. Für den kommenden Sonnabend, 10 Uhr, hat Ute Simon nun die betroffenen Gärtner zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Ein Thema werden auch Entschädigungen sein.

Unterdessen hat Wolfhard Felsch die nächste Station absolviert. Er war bei einem Anwalt, vermittelt von der Magdeburger Gartenpartei. "Wir warten jetzt den Sonnabend ab und entscheiden dann, ob wir Klage einreichen", sagt Felsch. Seinen "heiligen Garten" hat Felsch noch lange nicht abgeschrieben.