Magdeburg l Mieter aus der Badeteich- und Forsthausstraße haben sich am Mittwoch auf die nächsten Tage ohne Wasser und Heizung vorbereitet. Die Städtischen Werke hatten angekündigt, wegen hoher Außenstände des Vermieters heute den Hahn zuzudrehen. Allerdings: Nach Verhandlungen gibt es nun zunächst einen Tag Aufschub, hieß es gestern Abend.

Hella Strube lässt die Badewanne volllaufen. "Damit wir wenigstens die Toilette nutzen können, wenn uns das Wasser abgedreht wird", sagt die Frau aus der Badeteichstraße gestern Nachmittag. Ab Donnerstag, so hieß es in einer Mietinformation, soll hier kein Wasser mehr laufen, die Heizung kalt bleiben und der Strom im Treppenhaus abgeklemmt werden.

Mit Taschenlampen und warmen Decken haben sich Hella Strube und ihr Mann deshalb auch schon eingedeckt. Auf einen Elektroheizer wollen sie so lange wie möglich verzichten - aus Sorge vor den hohen Stromkosten.

"Ohne Wasser - das wäre das Schlimmste. Ich habe ein kleines Kind, das geht doch nicht." - Mieterin Ines Schulenburg

"Ohne Wasser - das wäre das Schlimmste. Ich habe ein kleines Kind, das geht doch nicht", sagt Nachbarin Ines Schulenburg. Sie erzählt: "Ich war heute schon beim Amtsgericht und habe Anzeige gegen den Vermieter erstattet. Wir haben doch unsere Nebenkosten immer gezahlt."

Doch die SWM erklärten, von dem Unternehmen seit Monaten keine Zahlungen mehr erhalten zu haben. Offene Forderungen im sechsstelligen Bereich stehen demnach im Raum.

Ines Schulenburg, die junge Mutti, greift zum x-ten Mal an diesem Tag zum Telefon, wählt wieder die Nummer der SWM. Nachfrage: "Gibt es schon was Neues?"

Immerhin hatte der Vermieter den Bewohnern via Volksstimme Hoffnung gemacht. Die Unternehmensgruppe Lakis aus Neuss erklärte, die mehr als 100 betroffenen Mieter in Rothensee hätten keine Abschaltungen zu befürchten. "Das Geld wurde überwiesen", so Unternehmensssprecher Marc Peters am Dienstag.

Tatsächlich "schlug" am Mittwoch Geld bei den Städtischen Werken auf, bestätigte SWM-Sprecherin Anja Keßler-Wölfer auf Volksstimme-Anfrage: "Für die Forsthausstraße 16-20 wurden unsere Forderungen beglichen, für die anderen ist das Geld aber noch nicht eingetroffen."

Das bedeutet: Zumindest für die Forsthausstraße 16-20 gibt es Entwarnung. Dort sollen Wasser, Wärme und Hausstrom nun definitiv nicht abgeklemmt werden.

Außerdem haben die SWM entschieden - entgegen ersten Ankündigungen -, auf einen Stopp der kompletten Wasserversorgung nun doch zu verzichten, und zwar in allen Blöcken. Diese Härte wolle das Unternehmen den Mietern nicht zumuten. Das Wasser, wenn auch möglicherweise nur kalt, werde auf jeden Fall weiterlaufen.

Nach weiteren Verhandlungen mit dem Hauseigentümer teilte SWM-Sprecherin Anja Keßler-Wölfer dann gestern Abend mit, dass es zunächst noch einen Tag Aufschub geben werde. Das heißt: Für den heutigen Donnerstag sind auch Heizung, Warmwasser und Hauslicht in allen Rothenseer Blöcken erst einmal sicher. "Wie es dann weitergeht, können wir erst am Donnerstag sagen", so die Sprecherin der Städtischen Werke

Wenn alles gutgeht, kann Hella Strube das kalte Wasser aus ihrer Wanne wieder ablassen und auch am Wochenende ein warmes Bad nehmen. Ob entspannt, sei dahingestellt: "Wir haben seit Jahren mit dem Vermieter Trouble. Es liegt vieles im Argen", sagt sie. Und fügt kämpferisch hinzu: "Das wollen wir uns nicht länger gefallen lassen."

 

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