Magdeburg I Täglicher Stress und viel Hektik lassen die Menschen schnell nach Urlaub lechzen: endlich verreisen, weit, weit weg von all dem Trubel. Doch um mal runterzukommen müssen Magdeburger keine weiten Strecken hinter sich bringen. Es reicht schon die Fahrt zur Feuerwache.

Hier trifft man am Freitag, 18 Uhr, auf Juliane Schmidt und ihre sonderbaren Metallschüsseln. Die 31-Jährige ist so etwas wie eine Reiseleiterin. Sie nimmt die Menschen mit auf eine Klangreise. Das klingt esoterisch "Ist es aber nicht. Das ist reine Physik", sagt sie und erklärt: "Wenn ich die Klangschalen anschlage, schwingen sie. Diese Schwingungen werden auf den Körper und sämtliche Körperflüssigkeiten übertragen. Dadurch löst sich auch mal ein Schnupfen." Die diplomierte Musik- und Gesangspädagogin ist selbstständig und arbeitet an verschiedenen Musikschulen in Brandenburg, Potsdam und Magdeburg. Ihr Fulltime-Job brachte ihr indirekt diese Schalen näher. Denn vor fünf Jahren gönnte sich die junge Frau eine Auszeit im Harz. Dort kam sie das erste Mal mit den sogenannten Therapieklangschalen in Berührung. "Ihr Klang hat mich so fasziniert. Das wollte ich auch lernen", sagt sie fröhlich. Nach weiteren Recherchen darüber begann sie eine Ausbildung zur Klangmassage-Praktikerin nach Peter Hess in Magdeburg.

Mithilfe eines Filzklöppels bringt Juliane Schmidt die Schalen zum Schwingen und spricht dabei zu ihren Klienten. Sie baut eine Reise auf, die verschiedene Themen haben kann: von der Fahrt ans Meer bis hin zum Flug über unterschiedliche Landschaften. "Diese Reisen schreibe ich vorher auf und nehme meist einige Zeilen aus Gedichten zu Hilfe. Meine Mutter ist dann mein Übungsopfer", erzählt Juliane Schmidt und lacht. "Wichtig ist", ergänzt sie, "dass ich während des Sprechens achtsam bin und Pausen einlege. Viele brauchen Zeit, um sich etwas vorstellen zu können." Man liegt auf einer Matte, lauscht ihren Worten und hört die obertonreichen Klänge der Schalen. Mitunter spürt man ihre Vibrationen auf dem Fußboden. Kerzen, Kissen und gedämpftes Licht verhelfen zur entspannten Atmosphäre. Die Teilnehmer brauchen 45 Minuten lang nichts zu tun, außer sich zu entspannen. "Die Töne helfen zur Ruhe zu kommen, manche fangen an zu schnarchen. Das gehört dazu." Eine anschließende Teezeremonie schließt die Klangreise ab. Oft würden Teilnehmer berichten, sie hätten das Gefühl gehabt, ein Teppich trage sie fort. Juliane Schmidts Klangschalen haben aber auch Kritiker. Daher liegen ihr anschließende Feedback-Gespräche sehr am Herzen: "Viele können sich nichts drunter vorstellen. Vor allem Männer sind erst mal skeptisch, doch dann finden sie es toll", freut sich die Musikpädagogin über steigende Sympathien gegenüber den Klangschalen.

Diese wurden ursprünglich als Essgeschirr im fernöstlichen Raum genutzt. "Die Metalle enthalten Spurenelemente, die sich auf die Nahrung übertragen. Das ist sehr gesundheitsfördernd." Die größte ihrer fünf Klangtherapieschalen wiegt etwa fünf Kilogramm und kostet 400 Euro. Doch das ist es ihr wert. Allein schon die entspannten Gesichter nach ihrer Klangreise zu sehen: "Man sollte Vorher-Nachher-Fotos machen." Das Bewusstsein der Menschen gehe wieder dahin, etwas für sich selbst zu tun.(jza)

Die nächste Klangreise findet am 21. Februar, 18 Uhr, in der Feuerwache statt. Mitzubringen sind Yoga-/ Isomatte, Decke, Kissen und warme Socken. Eine Anmeldung ist unter Tel. 60 28 09 erforderlich. Die Teilnahme kostet 10 Euro.