Magdeburg l Mehr als 8000 Elbestädter beteiligen sich inzwischen jährlich an der Aktion "Magdeburg putzt sich". Der Naturschutzbund Nabu hat jetzt an die Stadt als Initiator appelliert, dafür zu sorgen, dass dabei die Schonzeiten für Pflanzen eingehalten werden.

Die Frühjahrsputzaktion in Magdeburg ist eine Erfolgsgeschichte. Dutzende Vereine, von Gartengemeinschaften bis Geflügelzüchtern, Anglerverband, Sportvereine, Wohnungsgenossenschaften, Kitas u. v. a. schwingen jedes Frühjahr zwischen März und April Harken und Besen, um Gewässer und Grünflächen von achtlos weggeworfenem Müll und Winterdreck zu befreien. Die Stadt ist Hauptinitiator, bewirbt die Aktion nicht nur, sondern stellt über den Abfallwirtschaftsbetrieb auch kostenlos Container für die Entsorgung bereit. Als Dankeschön darf in jedem Jahr auch gefeiert werden. Vertreter der einzelnen angemeldeten Projekte werden zur Dankeschönparty mit dem OB in den Stadtpark oder zum Mückenwirt eingeladen.

Doch nicht jede Aufräumaktion lief in der Vergangenheit wirklich sauber. So beschrieb die Volksstimme unter dem Titel "Magdeburg holzt ab", wie im Süden der Stadt gleich mehrere Bäume und Büsche gefällt bzw. gerodet wurden - deklariert als "Putzaktion".

Einzelfälle, dennoch beschäftigt das Thema aktuell den Naturschutzbund. In der Magdeburger Geschäftsstelle des Nabu seien in den letzten Tagen mehrere Anfragen von Bürgern eingegangen, die sich mit Blick auf die bevorstehende neue Frühjahrsaktion der Stadt besorgt geäußert hätten, berichtet Annette Leipelt vom Nabu Sachsen-Anhalt. Hintergrund: Der Gesetzgeber untersagt starke Rückschnitte oder Rodungen von Gebüschen, Hecken und Schilfen in der Zeit vom 1. März bis 30. September. "Zulässig sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen", betont Annette Leipelt. Das Bundesnaturschutzgesetz wolle damit Lebens- und Brutstätten von Pflanzen und Tieren schützen (Paragraf 39).

Andererseits riefen die Kommunen in dieser Zeit zu Aufräum- und Putzaktionen auf, so Leipelt. Und parallel liefen ja auch oft die Pflegearbeiten in der Stadt und in den Kleingärten.

Der Nabu hat daher Kommunen, die wie die Stadt Magdeburg zu Großaktionen aufrufen, aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass die Gesetze eingehalten werden. "Vereine, Verbände (Kleingartenvereine, Feuerwehren etc.) folgen gern diesen Aufrufen in gutem Glauben, dass hier schon auf alles geachtet wird, wenn die Stadt selber einlädt", so Leipelt. Die Frage sei, ob die Stadt bei der Frühjahrsputzaktion die Einhaltung der Schonzeiten nach dem Naturschutzgesetz auch im Auge behalte.

Für Rathaussprecher Michael Reif eine klare Sache: "Wir haben niemals zu Schnittarbeiten oder Ähnlichem aufgerufen und würden das auch nicht machen. Wir weisen im Rahmen der Aktion die Teilnehmer auch darauf hin, dass die Vorgaben des Naturschutzgesetzes eingehalten werden müssen", so Reif gestern auf Volksstimme-Nachfrage.

Man habe damit in der Vergangenheit auch "keine schlechten Erfahrungen gemacht", betont er.

Die Stadt will in diesem Jahr vom 15. März bis 26. April zum Frühjahrsputz aufrufen. Dabei werden auch wieder mehrere Partner wie die Arbeitsgemeinschaft der Magdeburger Wohnungsgenossenschaften, der Stadtsportbund, die Freiwilligenagentur, der Kleingartenverband oder Pro M mit im Boot sein. "Wir werden gut eine Woche vorher wieder den offiziellen Aufruf starten", so Michael Reif. Von diesem Zeitpunkt an können sich interessierte Teilnehmer anmelden und Container zur Entsorgung bestellen.