Magdeburg l Bei Tempo 30 sinken die Abgase, der Lärm wird geringer und ganz wichtig ist, dass bei dieser Geschwindigkeit viele Unfälle erst gar nicht entstehen. Doch die Tempo-30-Zone wird auf dem Werder nicht wirklich wahrgenommen

Der Werder ist ausnahmslos eine Tempo-30-Zone. Doch an die Geschwindigkeitsregelung hält sich anscheinend niemand, so der Vorwurf der Werderaner. Auf einer Versammlung der Arbeitsgruppe für Gemeinwesenarbeit (GWA) Werder diskutierten die Anwohner am Dienstagabend über die Verkehrssituation auf ihrer Insel. Gerd vom Baur, Chef des städtischen Ordnungsdienstes, und Peter Kruszinski, Sachgebietsleiter der Straßenverkehrsbehörde, standen den Bürgern zudem Rede und Antwort.

Jürgen Dedecke, Mitglied im Sprecherrat der Arbeitsgruppe, machte darauf aufmerksam, dass die Verkehrsschilder der Tempo-30-Zone kaum erkennbar seien. Zudem regte er an, die Autofahrer mit weiteren Schildern oder Fahrbahnmarkierungen an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu erinnern.

Das Schild Tempo-30-Zone wird im Unterschied zu vielen anderen Verkehrsschildern nicht an jeder Einmündung oder Kreuzung wiederholt, argumentierte Peter Kruszinski. Dennoch sei es aus seiner Sicht eine Überlegung wert, an bestimmten Stellen eine Fahrbahnmarkierung anzubringen. Die Straßenverkehrsbehörde will diesen Sachverhalt prüfen.

"Es wird auf dem Werder viel zu wenig kontrolliert."

Die in der Regel zugeparkten Anliegerstraßen sorgen verständlicherweise für steten Ärger. Zudem würden sich viele nicht an das Parkverbot zwischen Weidenstraße und Wasserstraße halten. Es gebe aus Sicht der Anwohner zu wenig Parkraum.Für die parkenden Autos in der Zollstraße haben einige Anwohner nur noch ein hilfloses Kopfschütteln übrig. Denn Rollstuhlfahrer, ältere Mitbürger mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen kommen hier erst recht nicht durch. Das Parken in der Zollstraße sei zwar auf dem Gehweg, parallel zur Straße, erlaubt, dennoch stehen viele Autos schräg zur Fahrbahn und parken den Fußweg zu.

"Es wird auf dem Werder viel zu wenig kontrolliert", war sich der Großteil der Anwohner einig. Gerd vom Baur bestätigte, dass es Nachholbedarf im Insel-Stadtteil gebe, dennoch werde in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Die Statistik des Ordnungsamtes zeigt, dass im Januar allein 95 Verstöße in der Weidenstraße und Gartenstraße festgehalten wurden.

"Wenn die Strombrücke gesperrt ist, rollt der Durchgangsverkehr über die Insel."

Die Werderaner kritisierten zudem den Parkplatz an der Kreuzung Lingnerstraße/Mittelstraße. Der gebührenpflichtige Stellplatz verschärfe die schlechte Parkplatzsituation auf dem Werder. Seit November 2012 müssen die Werderaner, die auf der Freifläche parken wollen, ein Parkticket ziehen. Der Geldeintreiber in Form einer Parkuhr sorgt für Empörung unter den Anwohnern.

Größtes Problem für den Werder: Kommt es zu einer Brückensperrung, rolle der Durchgangsverkehr unkontrolliert über die Insel. Die Werderaner wünschen sich hier ein besseres Verkehrskonzept. Diskutiert wurde unter anderem eine Einbahnstraßenregelung. Peter Kruszinski von der Verkehrsbehörde sieht darin jedoch keine Lösung. Für einige Anlieger der Elbinsel kämen längere Fahrwege zustande. "Sicherlich könne man den Vorschlag bei Baumaßnahmen oder Brückensperrung berücksichtigen", so Kruszinski.

Um den Verkehr zu entlasten schlug Christine Meier von der Interessengemeinschaft (IG) Elbinsel Werder vor, die Badestraße und Weidenstraße zur Zollstraße zu verlängern. Ein Vorschlag, den die IG-Sprecherin schon öfter in die Runde geworfen hat. Eine Verlängerung der Weidenstraße wurde bislang aus Kostengründen von der Stadt jedoch abgelehnt.

Zudem regten die Bewohner einen Fußgängerüberweg zwischen Zoll- und Strombrücke an. Dieser wurde seitens der Verkehrsbehörde abgelehnt. Laut Polizei sei es zwar an dieser Stelle in den vergangenen drei Jahren zu sechs Unfällen gekommen, jedoch ohne Beteiligung von Fußgängern. Es handelte sich bei den Unfällen um Auffahrunfälle und einen Radunfall.