Magdeburg l In Magdeburg soll es bald einen Hans-Haupt-Weg geben. Der Lemsdorfer Unterhaltungskünstler und Puppenbauer gilt einigen als Schaffer von Herrn Fuchs und Frau Elster. In den Runfunk-Archiven taucht der Name allerdings nicht auf.

Markant ist die dicke Perlenkette, die Frau Elster seit Jahr und Tag trägt. "Das ist meine Kette. Die musste ich als Kind abtreten", sagt Christine Minde und lacht. Die Magdeburgerin ist die Tochter des Lemsdorfer Puppenbauers Hans Haupt. Nach dem Magdeburger soll in der Landeshauptstadt bald ein Weg benannt werden. In einer Beschlussvorlage (DS0514/13) für den Stadtrat werden die vielen Verdienste des Lemsdorfers hervorgehoben. Ein Höhepunkt: die Schaffung von Herrn Fuchs und Frau Elster für das DDR-Fernsehen (Volksstimme berichtete).

Nachfragen bei der Sandmann-Redaktion vom Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) ergaben jedoch ein anderes Bild. Dort taucht der Name Hans Haupt in den Archiven nicht auf. Auch ein Gespräch mit einem der Söhne des Unterhaltungskünstlers, der heute bei Stendal wohnt, nährte Zweifel an dieser Behauptung. Einzig: In einem Familienalbum taucht neben einem Foto, das Hans Haupt mit dem berühmten russischen Puppenspieler Wladimirowitsch Obraszow zeigt, der Vermerk auf: "Fuchs, Elster, Igel und vieles mehr 1961 Dff-DDR Anfertigung. 3000 M. Honorar einmalig!"

Mehrere Leserbriefe erreichten die Volksstimme nach einem ersten Bericht über die geplante Straßenbenennung Mitte Januar. Weggefährten und Freunde von Hans Haupt schilderten ihre Erinnerungen an den Magdeburger. Heimatverein und GWA Lemsdorf - die Ideengeber der Straßenbenennung und Quelle für die Begründung - veröffentlichten eine gemeinsame Stellungnahme. Darin heißt es, dass heute nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden könne, ob Hans Haupt "Erfinder" von Herrn Fuchs und Frau Elster sei. "Zeitzeugen wissen, dass zu DDR-Zeiten, anders als heute, Urheber- und Markenrechte eine untergeordnete Rolle spielten. Tatsache ist, dass Hans Haupt als freier Mitarbeiter des Fernsehens der DDR mit der Erstellung der Puppenfiguren betraut worden war."

Auch Christine Minde meldete sich bei der Volksstimme. Die Haupt-Tochter blättert in einem Fotoalbum. Das, was auf den Bildern zu sehen ist, liegt zum Teil sicher verpackt in einer großen Kiste in ihrem Keller: Pinocchio, Biene Maja, Mickey Mouse. "Diese Figuren sind alle von meinem Vater. Die gehören zu meiner Kindheit dazu", sagt Christine Minde. Wie groß der Anteil ihres Vaters an der Schaffung von Herrn Fuchs und Frau Elster ist, könne sie nicht mit Bestimmtheit sagen. "Ich kann mich aber daran erinnern, wie mein Vater meine Perlenkette für Frau Elster haben wollte", sagt sie.

Ist das alles wahr, muss vielleicht doch noch ein kleiner Teil der deutschen Fernsehgeschichte ergänzt werden. Denn bisher gilt Hans Schroeder als Schöpfer von "Herr Fuchs und Frau Elster". 1928 in Stettin geboren, hatte Schroeder von 1956 an für den Deutschen Fernsehfunk in der DDR gearbeitet. Dort sollte er neben der bereits bestehenden Reihe Flax und Krümel eine neue Puppenfilm-Serie für Vorschulkinder ins Leben rufen. Damals schuf er den Märchenwald und die Figuren Fuchs und Elster. 2014 ist nun das 55. Sandmannjahr. Mehr als eine Million Kinder schalten in Deutschland den Ferneher ein, wenn Herr Fuchs und Frau Elster im Wechsel mit Pittiplatsch und Plumps jeden Sonnabend den Märchenwald besuchen. Im rbb-Archiv heißt es weiter, dass Schroeder und sein Team bereits im September 1957 das Kinderfernsehen - allerdings im Streit - wieder verlassen haben. Anfang Januar dieses Jahres, im Alter von 85 Jahren, ist Schroe-der gestorben.

Hans Haupt (Jahrgang 1927) soll Anfang der 60er-Jahre dann die Figuren für das DDR-Fernsehen geschaffen haben. "Ich glaube, dass Herr Fuchs und Frau Elster so aussehen, weil mein Vater sie so entworfen hat", sagt Christine Minde.

Doch Hans Haupt soll nicht nur als Erschaffer der beiden bekannten Figuren des DDR-Fernsehens gewürdigt werden. Der 1994 verstorbene Lemsdorfer betreute beispielsweise das erste Pionier-Marionettentheater der DDR und wirkte als Puppengestalter für das Magdeburger Puppentheater. Von 1961 bis 1966 arbeitete er an 19 Inszenierungen mit. Am Barleber See organisierte er bis zur Wende Konzerte, Varieté und Quizveranstaltungen. Mit Figuren von "Hugo Leichtsinn" bis "Käpten Schnorchel" brachte er Urlauber zum Lachen. "Das war wahrscheinlich auch der größte Verdienst meines Vaters", sagt Christine Minde. Sie könne sich noch sehr gut daran erinnern, dass sie immer gemeinsam mit ihren Brüdern und ihrer Mutter helfen musste, wenn neue Puppen gefertigt wurden. "Wir waren ein kleiner Familienbetrieb" sagt sie.

Der Sandmann wird täglich im rbb, 17.55, im MDR, 18.50, und im Kinderkanal, 18.50 Uhr, ausgestrahlt.

 

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