Magdeburg l Die Nachricht traf die Beschäftigten am Donnerstag um 13.45 Uhr auf einer Betriebsversammlung. "Wir stellen den Geschäftsbetrieb Ende April ein", verkündete dort vor enttäuschten 85 Mitarbeitern Jörg Vogel von der Geschäftsführung des Unternehmens mit Hauptsitz in Dänemark.

Die Gießerei im Magdeburger Stadtteil Salbke fertigt mit insgesamt 100 Beschäftigten Bauteile für die Windkraftindustrie und war zuletzt nur noch zu rund 50 Prozent der Gesamtkapazität ausgelastet, begründet die Geschäftsführung später gegenüber der Volksstimme den Schritt. Die wirtschaftlich schwierige Lage in der Gießereiindustrie habe eine strategische Neuausrichtung der Global Castings Group erfordert, hieß es aus dem Unternehmen.

Geschäftsführung verhandelt über Sozialplan

Die Neuausrichtung habe das Ziel gehabt, Überkapazitäten abzubauen und die Fertigung an wirtschaftlich effizienten Standorten zu konzentrieren. Salbke gehört demnach nicht dazu. Vogel: "Wir haben sämtliche Alternativen zur Aufrechterhaltung des Standortes bis hin zu Sortiments- und Kapazitätserweiterungen geprüft. Keine der Alternativen erwies sich als langfristig wirtschaftlich tragbar." Außerdem gebe es einen hohen Investitionsbedarf und eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten am Standort.

Die Geschäftsführung ist nach eigenen Angaben nun in Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan eingetreten, um die Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, so Jörg Vogel. Den Mitarbeitern sollen "adäquate Stellen" in einem Schwesterunternehmen in Sachsen-Anhalt angeboten werden. Dabei soll es sich um die Zeitzer Guss GmbH handeln. Der Betriebsrat oder die Gewerkschaft waren für eine Stellungnahme am Abend nicht zu erreichen.

Schock unter der Belegschaft

Die Nachricht löste bei vielen Mitarbeitern einen Schock aus. Aus der Belegschaft war zu hören, dass für viele Kollegen ein Wechsel nach Zeitz nicht in Frage komme. "160 Kilometer hin und 160 Kilometer zurück sind einfach nicht machbar", sagte ein Gießereimitarbeiter.

Überrascht zeigte sich auch Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche: "Das ist eine traurige Nachricht für die Magdeburger Industriegeschichte. Ich werde umgehend mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen." Für die betroffenen Mitarbeiter sieht Nitsche indes durchaus Chancen, dass zumindest ein Teil von ihnen wieder Arbeit in Magdeburg findet angesichts des Fachkräftemangels auch im erweiterten Maschinenbau.

Am Donnerstag wurde aber vorerst noch im Drei-Schicht-Betrieb in Salbke weiter gegossen, bevor Magdeburgs letzte Gießerei Ende April vermutlich für immer schließt. 1908 war sie gegründet worden.