Magdeburg l Um den künstlerischen Wert von Graffiti wird je nach Blickwinkel und konkretem Objekt trefflich gestritten. Am ehesten Zustimmung finden in der breiten Bevölkerung Projekte an genehmigten Flächen und mit zuvor genau geplanten Motiven. Vor diesem Hintergrund hatte die Stadtratsfraktion der SPD einen Antrag gestellt, den Metallzaun am künftigen Parkhaus am Elbbahnhof zwischen den Straßen Zum Rotehornblick und Zur Hubbru¨cke im Rahmen eines Graffiti-Projekts des Jugendamtes gestalten zu lassen.

Während der Rechtsausschuss am 19. Februar den Vorschlag noch durchgewunken hatte mit fünf Ja- und zwei Gegenstimmen, fiel die Idee am Donnerstag nun im Wirtschaftsausschuss durch: Vier der dort versammelten Stadträte konnten sich nicht für die Idee erwärmen, während nur zwei für sie stimmten. Hier gab es eine Enthaltung.

Wichtigster Knackpunkt: In ihrer Stellungnahme hat die Stadtverwaltung Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von 21 080 Euro entwickelt. Frank Theile von der Fraktion Die Linke vermutete, dass die Sozialdemokraten wohl eher eine kostenneutrale Variante im Blick gehabt hätten. Das bestätigte SPD-Mann Jens Hitzeroth: "Das ist wirklich zu teuer." CDU-Stadtrat Michael Hoffmann verwies darauf, dass selbst unter der Maßgabe, dass Sponsoren für das Projekt gefunden würden, deren Engagement an wichtigeren Stellen fehle würde. Und Mittel aus dem Hausalt seien weder eingeplant noch denkbar angesichts der schwierigen finanziellen Lage im Prozess der Haushaltskonsolidierung. Wolfgang Wähnelt von den Grünen verwies auf die Kurzlebigkeit einer Gestaltung am Bauzaun, da dieser ja nur eine sehr begrenzte Zeit vor Ort bleiben solle. Helmut Hörold von der FDP verwies derweil darauf, dass es nicht Aufgabe der Stadt sein könne, aus öffentlichen Mitteln private Bauzäune zu gestalten - zumal der Zaun im Elbbahnhof nicht der einzige Kandidat im Stadtgebiet für eine Gestaltung sei. Allein SPD-Stadtrat Martin Hoffmann setzte sich auch in der Diskussion für den Vorschlag ein: Nur im Rahmen eines gesteuerten Projekts sei es möglich, auf die Gestaltung Einfluss zu nehmen.

Simone Borris, Amtsleiterin des Sozial- und Wohnungsamts der Magdeburger Stadtverwaltung, hatte vor der Abstimmung im Bauausschuss noch erläutert, warum das Graffitiprojekt denn mehr als 21 000 Euro kosten würde: Neben den Honoraren für Künstler gehe es dabei auch um die Verkehrssicherung während der Arbeiten an der Fläche, die ohnehin recht umfangreich und angesichts ihrer unebenen Struktur nur schwer zu gestalten sei.