Magdeburg l Tatort Friedhof: Sie kommen in der Nacht, wenn das fahle Mondlicht die Wege in Silber taucht. Dann beginnt das große Fressen. Rehe auf Nahrungssuche plündern seit einigen Wochen Magdeburgs Ostfriedhof. Die Rehe tun sich auf dem Friedhof an Blumen und Gestecken gütlich.

"Nicht einmal einen Tag haben die Tulpen auf dem Grab überlebt", erzählt eine Anwohnerin. Am Montag hatte sie die Blumen auf den Friedhof gebracht, am Dienstag waren die Blütenköpfe bereits verschwunden: Abgefressen von Rehen. "Das ärgert mich und macht mich traurig." "Man kauft´s, stellt´s auf die Gräber und dann so etwas", erzählt eine weitere Anwohnerin.

Einige Friedhofsbesucher begrüßen sich schon mit Galgenhumor, wenn sie anderen begegnen, die frische Blumen mit sich tragen: "Na, bringst du Rehfutter?", frotzeln sie. "Mich würde interessieren, was man dagegen tun kann, auch die gepflanzten Rosen sind vermutlich hinsichtlich Anknabbern gefährdet. Vor ein paar Jahren verlor ich auf diese Weise auch schon einmal ein kleines Gehölz, weil radikal alle Triebe abgefressen worden sind", berichtet Karl Knauer.

Wie sieht die Strategie der Landeshauptstadt gegen die gefräßigen "Grabschänder" aus? "Der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe wird mit Hornspänen gegen den Wildverbiss vorgehen", erklärt Rathaussprecher Michael Reif auf Nachfrage der Volksstimme. Bisher sei aber lediglich nur ein Hinweis zu Rehen auf dem Ostfriedhof bei der Stadt eingegangen.

Hornspäne werden aus zerkleinerten oder geschroteten Rinderklauen bzw. -hörnern hergestellt und dienen als organischer Stickstoffdünger. Nach Aussagen der einschlägigen Fachliteratur sollen die Rehe durch das Ausstreuen der Späne davon abgehalten werden, erneut in die Nähe der betroffenen Gräber zu kommen. Dadurch könnte das "Abfressen" des Grabschmucks verhindert werden. "Allerdings liegen uns hier noch keine Erfahrungswerte vor. Die Wirksamkeit wird sich in der Praxis zeigen", ergänzt Michael Reif.

Gleichzeitig gibt die Stadt einen Tipp. Friedhofsbesucher können ihre Neuanpflanzungen in Eigeninitiative mit Buttermilch (ein Liter auf fünf Liter Wasser) besprühen. Im Hamburger Raum soll sich diese Methode bewährt haben.

Entsprechend der Friedhofssatzung haftet die Stadt grundsätzlich nicht für Schäden durch nicht satzungsgemäße Benutzung des Friedhofs sowie seiner Anlagen und Einrichtungen durch dritte Personen oder durch Tiere. "Der Stadt obliegen auch keine über die Friedhofssatzung hinausgehenden Obhuts- und Überwachungspflichten", klärt Reif auf.

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