Magdeburg l Sportparkchef Jörg Düniß steht wieder ganz am Anfang. 2002 ging er schon einmal in den Fluten unter. Damals als Untermieter von Teilflächen im Sportpark, nun erstmals als Chef des gesamten Areals. Am 4. Juni räumten die Mitarbeiter des Sportparks "Life" alle ebenerdigen Bereiche, in der Hoffnung, wenige Tage später wieder alles an seinen alten Platz stellen zu können.

Doch es kommt anders. Am 8. Juni erreicht mitten in der Nacht eine Flutwelle den Sportpark und überschwemmt die Räumlichkeiten. 14 Tage lang steht das Wasser ca. 1,80 Meter hoch im Sportpark. Acht Millionen Euro betragen allein die Schäden am Bau. Die Versicherung wird zahlen, dennoch muss Jörg Düniß schweren Herzens ein Teil seines Teams im Juli entlassen. "Die Versicherung bestand auf eine Kostenminderung", so Düniß.

"Ich bin vielen unserer Mitgliedern dankbar, dass sie uns nach der Flut die Treue gehalten haben." - Jörg Düniß

Der erste Schock ist mittlerweile verdaut. Mit großem Optimismus schaut der Unternehmer in die Zukunft und arbeitet zielstrebig an der Neueröffnung des Sportparkes Ende April. Ein bisschen sei auch das Schicksal schuld, dass er nicht einfach aufgibt. "Das Wasser stieg und stieg. Doch meine Name am Eingangsschild des Sportparks ist nicht in den Fluten verschwunden. Es haben nur wenige Millimeter gefehlt. Ein Zeichen!?"

Trockener Estrich, hämmernde Fliesenleger, lose Elektrokabel - wer derzeit den Sportpark Herrenkrug betritt, wird von der Baustellen-Atmosphäre eingefangen. Auch die Glas- und Metallbauer arbeiten mit Hochdruck und reinigen und erneuern Fenster. In den vergangenen Monaten wurde das gesamte Erdgeschoss in den Sporthallen entkernt. Trockenwände und Böden mussten raus. Elektro- und Heizungsanlage, Tresen, Sanitäreinrichtungen - alles hinüber.

"Mein Team und ich stellen uns der Herausforderung, Gutes noch besser zu machen", sagt Jörg Düniß. Der studierte Sportfachmann nutzt die Chance, noch mal neu anzufangen und den Geschäftsbetrieb neu zu koordinieren. "Wir werden in Zukunft einiges anders machen - mehr Geräte, größere Duschen und Umkleideräume", erzählt Düniß. Im einstigen Gastronomiebereich sollen beispielsweise der Rehasport und die Physiotherapie einen neuen Platz finden.

Beim Wiederaufbau haben auch die Mitglieder Mitspracherecht. Die Idee "Life 2.0 - Mitglieder bauen sich ihr eigenes Studio" wird geboren. Via Internet bittet Jörg Düniß um Anregungen, Hinweise und Tipps, wie das neue Life aussehen könnte. Ganz oben auf der Wunschliste der Mitglieder: größere Trainingsbereiche und Kursräume.

Ein Hinweis, den Jörg Düniß gerne umsetzt."Ich bin vielen unserer Mitglieder dankbar, dass sie uns nach der Flut die Treue gehalten haben", sagt Jörg Düniß. Knapp Drei Viertel der Mitglieder sind geblieben. Genaue Zahlen will Düniß nicht nennen. "Die Verträge sind derzeit ausgesetzt. Beiträge werden nicht mehr eingezogen", erzählt der Sportparkchef. Sobald wieder im Herrenkrug trainiert werden kann, werden die Mitglieder informiert. "Eine Eröffnungsfeier wird es aber nicht geben. Die Magdeburger wollen bestimmt gleich mit dem Training loslegen", freut sich Düniß auf ein Wiedersehen.

Für die Zukunft plant der Unternehmer eigene Hochwasserschutzmaßnahmen für seine Anlage. Wie genau, kann Jörg Düniß noch nicht sagen. Eine Hochwasserschutzmauer wäre denkbar.

 

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