Gestern konnte man Fachleute dabei beobachten, wie sie in schwindelerregender Höhe über den Ring zwischen Magdeburg und Barleben "Strippen ziehen". Die Avacon baut ihr Stromnetz nordwestlich von Magdeburg aus und macht es fit für den sogenannten "Grünstrom" und die Energiewende.

Magdeburg (pl) l "Der Anteil an Grünstrom in den Netzen von Avacon beträgt inzwischen schon über 80 Prozent. Die elektrischen Anlagen für diese Mengen fit zu machen, erfordert erhebliche Anstrengungen und ist noch längst nicht abgeschlossen", sagt Corinna Hinkel, Avacon-Pressesprecherin. Als ländlicher Netzbetreiber nehme Avacon große Mengen von Strom aus Wind, Sonne und Biogas in ihr Netz. Mehr als 100 Millionen Euro investiere das Unternehmen jährlich in die Modernisierung der Netze, insgesamt über 1,5 Milliarden Euro innerhalb der letzten 15 Jahre.

Um die Übertragungsfähigkeit der Leitungen zu vergrößern und das 110-Kilovolt-Netz für zusätzliche Energieaufnahmen aus Windkraftanlagen zu optimieren, sei auch ein teilweiser Ersatzneubau der 110-kV-Leitung Magdeburg-Stendal notwendig. Derzeit sei Avacon dabei, rund zehn Kilometer des ersten Bauabschnittes zu erneuern. Der betroffene Abschnitt beginne am Umspannwerk Diesdorf, tangiere nordwestlich Olvenstedt und führe über den Ring bis zum Umspannwerk Barleben. Als Erstes musste dort die alte Leitung abgenommen werden. "Das ist bereits im letzten Jahr passiert", so Corinna Hinkel. Im Oktober 2013 begannen die Arbeiten für die Demontage der Leiterseile sowie der 34 Gittermaste. An größtenteils gleicher Stelle wurden die neuen Masten montiert. Seit Februar ist Avacon dabei, die neuen Kabel zu ziehen. Auf der gesamten Trassenlänge wurden insgesamt 33 Masten neu gesetzt und 110 Kilometer Leiter- und Blitzschutzseile verlegt", sagte Hinkel. Das letzte Stück, die Überquerung des Magdeburger Rings, erfolgte am gestrigen Mittwoch. "Dieser Abschnitt stellt für uns eine besondere Herausforderung dar. Da wir weder die Hauptverkehrsader sperren noch Baugerüste aufstellen konnten, müssen wir die neuen Seile während des laufenden Verkehrs montieren", so die Avacon-Pressesprecherin. Das passiere mit dem Rollenleinen-System. Dafür würden zunächst die vorhandenen Seile (Stromkabel) auf die neuen Maste übernommen. Mit Hilfe einer Seillaufkatze würden auf die vorhandenen Seile Rollenleinen gelegt, die das vorhandene Stromkabel tragen und sichern. "Dann werden die neuen Seile mit den vorhandenen Seilen verbunden und von Mast zu Mast über die Straße gezogen", erklärte Hinkel das Verfahren.

Der rund 13 Kilometer lange zweite Bauabschnitt, der die A2, den Mittellandkanal und die Ohre kreuzt, geht nordwestlich von Olvenstedt bis Wolmirstedt. Baubeginn dafür soll im Herbst sein.