Spitzenkandidaten der Linken
Wahlbereich 1 (Rothensee, Kannenstieg, Neustädter See): Frank Theile
Wahlbereich 2 (Neustädter Feld, Neue Neustadt): Hans-Joachim Mewes
Wahlbereich 3 (Olvenstedt, Nordwest): Andrea Nowotny
Wahlbereich 4 (Stadtfeld-Ost): René Hempel
Wahlbereich 5 (Alte Neustadt, Altstadt): Chris Scheunchen
Wahlbereich 6 (Ostelbien): Karsten Köpp
Wahlbereich 7 (Sudenburg, Lemsdorf): Oliver Müller
Wahlbereich 8 (Diesdorf, Stadtfeld-West, Ottersleben): Jenny Schulz
Wahlbereich 9 (Buckau, Südost, Beyendorf-Sohlen): Marcel Guderjahn
Wahlbereich 10 (Reform, Hopfengarten): Hugo Boeck

Magdeburg l Der bisher wohl längste Stadtparteitag der Magdeburger Linken ist am Donnerstagabend nach fast 19 Stunden zu Ende gegangen. Bis zuletzt kochte innerparteilicher Streit hoch. Von einem "Klima des offenen Hasses" war gar die Rede.

Um 20.12 Uhr verkündete die Mandatsprüfungskommission das ersehnte Ende des mehrtägigen Wahlmarathons mit den Worten: "Wir haben es geschafft!" Da standen die insgesamt 30 Kandidaten für den Stadtrat fest. Aufatmen und gelöster Beifall.

Prompt verließen viele der 87 anwesenden Genossen beinahe schon fluchtartig den Sitzungssaal im Familienhaus am Nordpark. Nach einer aufrüttelnden Rede zum Start in den Wahlkampf war keinem mehr zumute.

Zuvor hatte Landtagsabgeordneter Wulf Gallert noch vor der finalen Abstimmung über die 30-köpfige Kandidatenliste für die Kommunalwahl am 25. Mai Disziplin angemahnt und um Ja-Stimmen geworben: "Sonst müssen wir das alles noch mal machen." Das wollte wohl niemand im Saal. 98,8 Prozent stimmten zu.

Die Mitglieder des Linken-Stadtverbands hatten viel Sitzfleisch beweisen müssen. Am Sonnabend war achteinhalb Stunden teils hitzig über das Wahlprogramm gestritten worden. Am Montag brachen die Linken ihren Wahlparteitag nach weiteren sieben Stunden um Mitternacht kurzerhand ab, um am Donnerstag weiterzutagen - noch einmal über drei Stunden. Ein Grund: das "komplizierte Wahlverfahren" (Bundestagabgeordnete Rosemarie Hein) der Partei. Dieses wurde per Mitgliedervotum am Donnerstag etwas vereinfacht, um an diesem Abend "durchzukommen".

Außerdem hatten sich statt der zunächst 20 gemeldeten Kandidaten am Ende 35 auf dem Parteitag vorgestellt. "Das ist doch ein gutes Zeichen, dass so viele kandidieren und sich einbringen wollen", kommentierte Stadtchef Torsten Hans.

"Das Ganze ist organisatorisch eine Katastrophe. Wir versinken im Chaos. Was vor allem die Älteren hier auf sich nehmen müssen, ist unglaublich. Sonst haben wir Programm und Kandidaten an einem Tag beschlossen", schimpfte der linke Sozialbeigeordnete der Stadt, Hans-Werner Brüning, hinter den Kulissen. Doch auch auf offener Bühne gab es am Donnerstag harsche Worte. Paul Wiedow, der in seinem Wahlbereich auf Listenplatz 3 kam, nahm die Wahl nicht an. Grund war aber nicht die Platzierung, sondern ein "Klima des offenen Hasses im Stadtverband" und "Schläge unter die Gürtellinie", wie Wiedow den Genossen erklärte: "Dass mancher Kampf mit harter Bandage geführt wird, ist normal. Aber was ich erwarte, ist ein Mindestmaß an Anstand und Respekt."

"Ich kann diese Aussagen nicht nachvollziehen und nicht bestätigen. Es war auch richtig, das Wahlprogramm intensiv und kontrovers zu diskutieren", sagte Frank Theile, Linken-Fraktionschef im Stadtrat. So hätten sich auch zahlreiche Vorschläge der AG Demokratische Linke durchgesetzt, die von Brüning angeführt mit einem Gegenentwurf zum Vorstandspapier angetreten waren. Doch Knatsch gab es auch um Nicht-Parteimitglieder, die auf der offenen Liste der Linken für den Stadtrat kandidieren wollten. Ihnen seien vor ihren Reden vom Vorstand Eintrittserklärungen vorgelegt worden. Das bestätigte Marcel Guderjahn, der - weiterhin als Parteiloser - in Buckau/Südost auf der linken Liste antritt. Das sei "Nötigung", zischten Genossen.

Als Signal an den Stadtvorstand dürfte auch vor diesem Hintergrund zu werten sein, dass Nicht-Mitglied Guderjahn klar vor Stadtvorstandsmitglied Dennis Jannack auf Platz 1 der Liste im Wahlbereich 9 gesetzt wurde.

Nach dem internen Gerangel wollen die Magdeburger Linken nun mit dem Slogan "Auch kommunal 100 Prozent sozial" um Wählerstimmen kämpfen.