Magdeburg l Für die Direktorin der Grundschule im Nordpark, Irene Henning, ist die Rechnung klar. In den vergangenen Jahren ist die Schülerzahl in ihrer Einrichtung beständig gestiegen. Von 130 Jungen und Mädchen auf mehr als 180. In diesem Jahr gibt es 54 Neuanmeldungen. Laut Prognosen sollen es bald um die 70 sein.

In der Schule gibt es außer dem Computerkabinett keine Räume mehr für Fachunterricht. Die Bibliothek, das Musikzimmer und der Gestaltungsraum wurden zu Klassenzimmern umfunktioniert. In vielen Räumen sitzen die Schüler dicht an dicht. So stehen etwa der 3a und der 2b 48 Quadratmeter zur Verfügung (siehe Fotos). Selbst neben dem Lehrertisch sitzen parallel Schüler. "Manche meiner Kollegen haben an den Oberschenkeln blaue Flecken, weil sie sich im Klassenzimmer nicht bewegen können, ohne irgendwo anzustoßen", sagt Irene Henning. Die Schulleiterin diskutierte gemeinsam mit dem Schuldirektor der Makarenko-Förderschule und dem Fachbereichsleiter Jugend und Sport der Stadtverwaltung Magdeburg, Jens Krüger, über das Platz-Problem bei einer Podiumsdiskussion der GWA Alte Neustadt am Dienstagabend.

In dem Schulkomplex am Nordpark sind zwei Einrichtungen untergebracht. Von 289 Jungen und Mädchen besuchen mehr als 180 die Grundschule, die restlichen Kinder bekommen in der Makarenkoschule Förderunterricht. Bereits zweimal war die Platznot schon Thema im Bildungsausschuss. Die Auslagerung einzelner Klassen in das Schulgebäude an der Moldenstraße, wo sich derzeit die Sprachheilschule "Anne Frank" befindet, wurde diskutiert. Zwar prüft die Verwaltung, ob das zur Sicherung des Schulbetriebes ab 2014/15 gemacht werden muss. Der zuständige Beigeordnete ließ aber offen, ob das der Fall ist. Fest steht: In der Sprachheilschule sitzen die Kinder auf gepackten Koffern, da sie in den sanierten Schulkomplex am Westernplan ziehen. Allerdings sei eine Teilausgliederung für alle Seiten "die am schlechtesten anzunehmende Variante", wie Schulleiterin Henning sagt. Das Haus der Sprachheilschule: zu alt, zu weit weg.

Ins Spiel gebracht wird hin und wieder auch eine Neuordnung der derzeit 28 Magdeburger Schulbezirke. So könnten die Jungen und Mädchen flexibler auf alle Einrichtungen verteilt werden. Denn in der Landeshauptstadt gibt es auch Grundschulen, die nicht ausgelastet sind. "Da muss es aber eine politische Entscheidung geben", sagt Fachbereichsleiter Krüger. Heißt: Erst müsste der Stadtrat so etwas beschließen und das Land später zustimmen. In Stadtfeld läuft so ein Pilotprojekt gerade mit fünf Grundschulen.

Eine weitere Variante wäre, dass die Makarenko-Förderschule an einen anderen Standort zieht, die Grundschule deren Räume nutzt. Im Gegensatz zur Grundschule erstreckt sich das Einzugsgebiet der Förderschule über die gesamte Stadt, weswegen ein Umzug möglich wäre. Während sich Schulleiterin Henning diese Lösung vorstellen kann, weist Fachbereichsleiter Krüger darauf hin, dass man da ein Problem lediglich verschieben würde. Makarenko-Schulleiter Meyer sagt, dass man erst mal einen Standort in Magdeburg finden müsste.

Forderungen nach baulichen Erweiterungen erteilt Krüger eine Abfuhr. Dafür sei schlicht kein Geld da. Er räumt aber ein, dass es bis 2015 eine Lösung geben müsse. "Bis dahin sollten alle Möglichkeiten in der Schule ausgereizt werden", so Krüger. Im Gesetz stehe, dass jedes Kind zwei Quadratmeter brauche.

Dass bis 2015 etwas passieren muss, verdeutlicht ein ganz anderer Umstand. Die Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) konkretisiert nämlich derzeit ihre Pläne für das "Familiendorf". Bis zum Frühjahr 2019 sollen in Schulnähe an der Pappelallee 89 Wohnung entstehen. Für die ersten 18 Wohnungen (geplanter Baustart Mai/Juni dieses Jahres) soll es bereits mehr als 90 Interessenten geben. Für die 2-, 3-, und 4-Zimmer-Wohnungen wirbt die MWG unter anderem mit der familienfreundlichen Lage. "Wir können damit rechnen, dass wir dann noch mehr Kinder bekommen", sagt Schulleiterin Henning.

 

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