Magdeburg l Der Radlader - 180 Pferdestärken, rund 10 Tonnen Sand passen in die Kippschaufel - fährt sich "butterweich". Automatikgetriebe hat er, und die Schaufel wird mit einem Joystick gesteuert, zentimetergenau, wenn nötig. Allerdings verlangt der Kraftprotz viel Gefühl, will man ihn richtig einsetzen. Aber es macht sofort Spaß, damit durch die Sandgrube am Ortseingang von Beyendorf zu fahren.

Das dachten sich auch Tilo und Dirk Geistlinger und Heiko Treller. "Ich habe eines Nachts im Fernsehen einen Bericht über einen Erlebnispark in Las Vegas gesehen. Dort konnten die Besucher mit großen Baumaschinen \\\'spielen\\\'", erzählt Heiko Treller. Und schon war eine neue Geschäftsidee geboren.

Der Traum von vielen Jungen - und Männern

Große Baumaschinen wie Kettenbagger und Radlader üben, ähnlich wie Lokomotiven, auf viele Menschen --meistens auf Männer -- eine gewisse Faszination aus. Und diese Lust am "Baggerfahren" kann jetzt in der Kiesgrube südlich von Magdeburg lustvoll befriedigt werden.

Dafür haben Tilo und Dirk Geistlinger und Heiko Treller einen Erlebnispark eingerichtet. Dort, wo im vergangenen Sommer der Sand für die Säcke gegen das Hochwasser abgebaut wurde, kann ab 1. Mai nach Herzenslust gebaggert und Radlader gefahren werden. "Dabei werden wir mehrere Maschinen zur Verfügung stellen", sagt Tilo Geistlinger.

Kettenbagger, Radlader, auch Minibagger sind im Angebot. "Wichtig ist, dass die Interessenten sich möglichst früh anmelden", so Geistlinger. Der Grund dafür sei die Beschaffung der Maschinen. Man stehe mit einem Baumaschinen-Verleiher in Kontakt. "Wir bekommen von dort die Maschinen, die wir pro Veranstaltungstag benötigen."

Hobby-Baggerfahrer sind versichert

Bevor der Freizeit-Baggerfahrer Sandberge "versetzen" kann, muss er noch in die Handhabung der Maschine eingewiesen werden. "Wir zeigen den Teilnehmern genau, wie es geht", sagt Tilo Geistlinger. Dabei stehe Sicherheit an oberster Stelle. "Die Besucher sollen ihren Spaß bei uns haben, es soll ein unvergessliches Erlebnis werden. Da lassen wir nichts anbrennen."

Dabei können die Bagger-Erlebnisparkbetreiber auf eine lange Erfahrung in Sachen Unterweisung in Baumaschinen zurückgreifen. "Bei uns finden regelmäßig Dekra-Lehrgänge für Baumaschinenführer statt, bei denen wir die Unterweisung der Teilnehmer übernehmen", sagt Tilo Geistlinger.

Und noch ein zweiter Sicherheitsaspekt ist beim Spaßbaggern wichtig: die Versicherung. "Die Teilnehmer unserer Veranstaltungen sind versichert", stellt Geistlinger klar. Dafür habe man einen speziellen Versicherungsvertrag abschließen können.

Schwierigkeitsparcours sorgt für Spannung

Wenn alle Einweisungen und Formalien erledigt sind, kann es für die Teilnehmer losgehen - Löcher baggern und wieder zuschütten oder mit dem Radlader Sandhaufen von einem Platz zu einem anderen transportieren.

Damit das Ganze aber nicht irgendwann langweilig wird, bietet das Baggerparadies noch verschiedene Schwierigkeitsparcours an. Dabei könnten die Teilnehmer dann lernen, was man mit so einer Maschine alles machen und wie vorsichtig und feinfühlig man damit umgehen kann. Sogar für Kinder gibt es Angebote. Die Kleinen ab sechs Jahren können sich mit einem Minibagger austoben. "Und dabei ein Baggerdiplom machen", sagt Tilo Geistlinger.

Für Männer gibt es kein Baggerdiplom? Geistlinger schmunzelt: "Vielleicht überlegen wir uns da noch etwas."

Kraftprotze sind Diesel-Schluckspechte

Kindergeburtstage, Gruppenveranstaltungen, auch spezielle Teamtrainings für Unternehmen sollen ins Angebot des neuen Erlebnisparks aufgenommen werden, sagt Heiko Treller.

Ein ganz preiswertes Vergnügen ist das Baggerfahren allerdings nicht. Eine Stunde Radlader oder Kettenbagger kostet 99 Euro. Und das aus durchaus nachvollziehbarem Grund. Ein Radlader kostet neu über eine halbe Million Euro, ein Kettenbagger das Doppelte. Und diese Kraftprotze schlucken auch ganz ordentlich Dieselkraftstoff.

Bilder