Magdeburg (rr) l Ein Franzose 1930 in Magdeburg: das vorurteilslose, scharfsinnige, komische und tragische Porträt eines Landes vor dem Untergang. Sein Autor Jacques Decour. Diese Geschichte kann sich wohl keiner ausdenken - ein junger, wacher Franzose kommt als Austauschlehrer in die preußische Stadt, findet die Autoritäten ziemlich lächerlich, aber den Nazi von nebenan ziemlich interessant. Und doch erkennt der junge Mann, was kommt, was kommen muss.

In seinem Tagebuch porträtiert er Lehrer und Schüler, Militärs und Zivilisten, Bürger und Proleten der Elbestadt und formt es zu einem faszinierenden Bild einer deutschen Kommune kurz vor Machtergreifung der Nationalsozialisten. Der Schriftsteller Stefan Ripplinger, der das soeben erschienene Werk "Philisterburg" des Franzosen Decour für Deutschland entdeckt und übersetzt hat, wird heute in der Mittwochsgesellschaft des Forums Gestaltung, Brandenburger Straße, aus dem Buch lesen und sich der Diskussion stellen.

Bernd Wagner, Magdeburgs erster Stadtschreiber (2013), moderiert die Veranstaltung. Er hat in seiner Zeit im Amt das Magdeburger Journal verfasst (erst als Blog, jetzt als Buch erhältlich). Im Salon der Neuen Mittwochsgesellschaft wird das Buch Decours nun auch der Magdeburger Öffentlichkeit vorgestellt. Und Jacques Decour könnte man durchaus als den ersten Stadtschreiber Magdeburgs bezeichnen. Beginn ist um 19.30 Uhr.