Magdeburg l "Damals gab es nur Wein, Bier und Wasser zu trinken", doziert Carsten Thiele über die Trinkgewohnheiten der Magdeburger vor 200 Jahren. Der Bierbrauer aus Leidenschaft erklärt weiter, dass Wein zu teuer und Wasser nicht keimfrei war, also griffen viele zum Bier. "Das war wenigstens abgekocht", sagt er. Selbst kranken Kindern wurde per Etikett ein Schluck des Gerstensafts als Medizin empfohlen.

Aufgrund dieser historischen Stellung des Biers war die Verbindung zwischen seiner Diamant-Privatbrauerei und den diesjährigen Festungstagen nur logisch. Schließlich geht es dort um die Zeit der Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft im Jahr 1814. Außerdem ist auch die Zubereitung seiner Biere nicht viel anders als vor 200 Jahren. "Die einzigen Unterschiede sind der elektrische Strom und der Edelstahl", sagt Thiele. Das Festungsbier ist ungefiltert und unpasteurisiert. Damit ist es zwar viel kürzer haltbar als industriell abgefülltes Bier, schmecke aber viel ursprünglicher und enthalte viel mehr Vitamine und Mineralstoffe, verspricht er.

Rüdiger Stefanek von der IG Festungsanlagen im Kultur- und Heimatverein durfte gestern schon einmal probeschlürfen und war mehr als angetan. "So ein frisches Bier kennen die Leute gar nicht mehr", glaubt er.

Ein besonderer Hingucker sind die beiden Etiketten von Festungsbier und Festbock. Auf dem einen ist eine Zeichnung der Hohen Pforte an der Festung Mark anno 1814 sowie eine Magdeburger Jungfrau zu sehen. Diese hält neben dem Kranz ganz stilecht eine Maß Bier in der Hand. Beide stammen aus der Feder von Helmut Menzel. Der frühere Denkmalpfleger und passionierte Historiker hat Hunderte Zeichnungen, Skizzen und Entwürfe aus der Geschichte seiner Heimatstadt gefertigt. Da lag es nahe, auch für das Festungsbier seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch auf dem Festbock hat er sich verewigt. Sein Napoleon guckt dort staatsmännisch herab.

Der Festungsverein und die traditionelle Diamant-Brauerei haben nicht nur für die Festungstage am 3. und 4. Mai zusammengefunden. Die Zusammenarbeit soll langfristig fortgesetzt werden. Nun ist aber zunächst einmal der Bockbieranstich geplant. Den entsprechenden Inhalt hat Carsten Thiele bereits vor einigen Wochen angesetzt.