Magdeburg l "Das war keine Absicht", bittet Hubert Salzborn auf Nachfrage um Entschuldigung für die Größe seines eigenen Konterfeis am Straßenrand. Allerdings fügt er mit Stolz in der Stimme hinzu: "Aber schlecht sieht\'s nicht aus. Von meinen Anhängern habe ich bisher nur positive Reaktionen auf meine Plakate bekommen."

Die politische Konkurrenz indes ist auf der Palme. FDP-Mann Holger Franke machte seinem Ärger bereits vor den Osterfeiertagen - Salzborn hatte seine Wahlplakate eben erst anbringen lassen - auf Facebook Luft und mahnte bei der Magdeburger CDU die Einhaltung der kommunalen Vorschriften zur "Wahlsichtwerbung" an. CDU-Stadtchef Tobias Krull gelobte umgehend Prüfung und bei Bedarf Korrektur - in welcher Form, das vermochte Krull allerdings bis Dienstag noch nicht zu sagen. "Wir werden eine Lösung finden."

Hintergrund des Tohuwabohus ist der am Straßenrand unübersehbar gravierende Unterschied zwischen den DIN-Formaten A0 und A1. Konkret macht er 25 mal 43 Zentimeter aus. Salzborn plakatierte Wahlwerbung für sich selbst und für den in seinem Kommunalwahlbereich 02 (Neue Neustadt, Neustädter Feld) zweiten Bewerber auf der CDU-Liste, Enrico Schleef, an 100 Laternenmasten jeweils doppelt, also insgesamt 200 Mal, in der Größe A0. Die Plakate messen genau 84,1 mal 118,9 Zentimeter Größe - und sind so nicht erlaubt.

Die Magdeburger Satzung zur Wahlsichtwerbung - sie gestattet Bewerbern um ein politisches Amt kosten- und genehmigungsfrei das Anbringen von Werbeplakaten an Laternenmasten - schreibt im Paragrafen 5, Absatz 1 vor: "Die (...) Plakate dürfen eine Größe von DIN A1 nicht überschreiten." Das Format misst 59,4 mal 84,1 Zentimeter, also erheblich weniger als die Variante A0.

Das Ergebnis ist am Straßenrand sichtbar. Salzborn und Schleef nehmen an den Masten deutlich mehr Raum ein und dominieren optisch die komplette Konkurrenz, die sich wohlfeil an die amtliche Größenvorgabe hält. "Dafür hängen die Plakate gut. Das Ärgernis für die Leute sind doch die schlecht angebrachten Plakate, die schon nach Tagen vom Wind zerfetzt werden", versuchte Salzborn den Fauxpas abzuschwächen.

Denselbst nimmt er allerdings mannhaft auf seine eigene Kappe: "Ich habe die Plakate selbst bei einer Druckerei in Auftrag gegeben und habe da wohl einmal A0 gesagt. Ich hatte das wirklich nicht parat mit der Satzung und habe mich da vertan." Die Plakate habe er, Salzborn, übrigens aus privater Tasche finanziert. "Ich habe die Rechnung noch nicht, aber die kosten einen Haufen Geld."

Was nun? Demontieren? Ringsrum etwas abschneiden? Wegschmeißen und neu drucken? Für Salzborn kommt das nicht in die Tüte, wiewohl die Satzung der Stadt für Zuwiederhandlungen Geldbußen von bis zu 2500 Euro androht. Salzborn: "Alles, was über einen erhobenen Zeigefinger hinaus geht, würde ich für überzogen und lächerlich halten. Das war keine Absicht und so erheblich größer als die anderen sind meine Plakate auch wieder nicht." Die Aufregung ums eigene Konterfei am Straßenrand kommt Salzborn nicht einmal ganz ungelegen: "Das ist doch die beste Werbung für mich, wenn man über mich spricht."

Die Stadtverwaltung bezog gestern zum Umgang mit Salzborns plakativer Ordnungswidrigkeit noch keine Position. Die Sache wird geprüft.