Altstadt (pl) l Sie polarisierte das Publikum wie keine andere Inszenierung der letzten Jahre: Giuseppe Verdis "Macbeth" in der Regie von Volker Lösch. Auf bislang einmalige Weise treffen in dieser Inszenierung gesellschaftspolitische Gegenwart und Oper aufeinander. Diese erste Operninszenierung von Volker Lösch steht am heutigen Sonntag, 27. April, 18 Uhr, zum letzten Mal auf dem Spielplan des Magdeburger Opernhauses.

In seiner Lesart konfrontiert Volker Lösch die Musik Verdis mit der Lebenswirklichkeit von 15 Magdeburger Frauen. Als Sprechchor berichten die Frauen im Alter zwischen 19 und 62 Jahren von ihren persönlichen Erfahrungen mit männlich dominierten Machtverhältnissen, sie erzählen von gesellschaftlicher Benachteiligung, häuslicher Gewalt, beruflicher Diskriminierung und alltäglichem Sexismus. Die Passagen des Sprechchors dienen dabei als Brücke zwischen Shakespeares Tragödie über den machtbesessenen Schottenkönig Macbeth und der Gegenwart. Schonungslos zeigt die Inszenierung die verheerenden Folgen, die das hemmungslose Streben nach Macht auch heute noch nach sich zieht und rückt Verdis Musik damit in ein Spannungsfeld von musikalischem Genuss und kritischer Auseinandersetzung.

Auch im Anschluss an die letzte Aufführung ist das Publikum wieder zu einem Nachgespräch mit Künstlern und Dramaturgen der Produktion eingeladen.